13./14. August 2025 – Jilhava / Iglau + 14.-16. August – Hardegg

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4:13 Uhr steht auf der Bildinformation zur ersten Aufnahme von heute.

Wir packen das Tandem und fahren sehr zeitig los. Eine clevere Entscheidung, in mehrfacher Hinsicht: die besondere Stimmung des erwachenden Tages, Ankunft am Zielort vor der grossen Hitze und dort viel Zeit für eine gemütliche Siesta und einen Bummel, um einen Eindruck des Ortes und vielfältige Impressionen zu gewinnen. Eine überaus lohnende Bilanz.

der Tag kündigt sich an

Sonne heisst immer auch, dass wir inklusive Begleitteam unterwegs sind.

Die Strassenqualität ist unterschiedlich. Nur, was den Belag angeht; Verkehr hat es auf keiner nennenswerten.

Wir fahren durch wenig besiedelte Gegenden. Trouvaillen finden sich auch hier.

Wir sind heute viel auf Verbindungsstrassen unterwegs, ein gutes Stück davon auf der 4155.

Ich mag diese Überlandstrecken ganz besonders, wenn es überall „Rugeli“ hat. Davon sehen wir heute einige, Heu- und Strohrugeli.

Die 4155 ist eine in mehrfacher Hinsicht sehr abwechslungsreiche Strecke – und nicht immer ganz ohne. Die Brücken-An-und-Wegfahrt schaffen wohl nicht alle, ohne streckenweise zu stossen. Das galt auch für uns, zumal es stellenweise ziemlich steil ist. Wunderschöne Route. War übrigens auch angekündigt; wir haben das Kleingedruckte nicht gelesen bzw. nicht übersetzen lassen ;-).

Nach einem kurzen Stück auf einer verkehrsreicheren Strasse wechseln wir auf Route 19, die auch via eine Extra-Velo-und-Fussgänger:innenbrücke erschlossen ist. Sie führt durch Okrouhlice, wo das alte und das neuere Bahnhofgebäude nebeneinander stehen, beide offenbar auch bewohnt.

Die 19 ist streckenweise unbefestigt oder sogar nur ein Feldweg. Wir haben bis zuletzt kein Muster erkennen können und sind insbesondere hellhörig geworden, wenn etwas nur mit „Strassenbelag“ bezeichnet worden ist; da war zwischen Asphalt und gröbsten Rüttelstrecken alles vertreten. „Loser Untergrund“ ist immerhin ein klarer Hinweis, wenn auch da die konkreten Verhältnisse sehr unterschiedlich sein konnten; von fast nicht fahrbarem groben Kies bis ganz ok.

drei 19er Abschnitte

Muss jemand wieder mal zum Coiffeur? In unserem Team hatte es mindestens ein Mitglied… Hier ein paar Frisurenvorschläge, je nach Haardichte, gewünschter Farbe etc.

Er hat sich für etwas Konventionelleres entschieden… Sicher pflegeleichter 🤭.

So, jetzt ist es nicht mehr weit und wir können auch dieses Mal wieder früh einchecken. Bei dieser Hitze freuen wir uns ganz besonders auf die Dusche und ein hoffentlich einigermassen kühles Zimmer.

Oh, da hat es einen wunderschön blühenden Ranunkelbusch – für Insider: Grosle-Blüemli.

Das nächste Bild täuscht. Dieser Spezialzugang geht auf eine grosse Strasse, allerdings bald mit sehr gut konzipiertem und ausgebautem Radweg daneben. Nur das allerletzte Stück ist dann wieder etwas anspruchsvoller, was an der Kombination von Planung und nicht immer ideal gelesener Route lag.

Und dass Jilhava, auf Deutsch Iglau, auf einem Hügel über dem Fluss liegt, dem wir zuletzt entlang gefahren sind.

Fun Fact: Der Name „Jihlava“ stammt vermutlich vom altslawischen Wort jehla (Nadel) – eine Anspielung auf die scharfkantigen Steine im Flussbett, die an Igelstacheln erinnern. Daher auch der deutsche Name „Igel“ für den Fluss.

Zu unseren GPS habe ich keinen Fun Fact. Entscheidet selber, welchem ihr glaubt. Ich bin inzwischen bescheiden dankbar, wenn jeweils mindestens einer laufend anzeigt, wo‘s durch geht…

Was sicher stimmt, wenn wir den geplanten Werten glauben. Die Strecke war über hundert Kilometer, hatte einiges an Steigungen drin. Zusammen mit heiss, zeitweise Gegenwind und Naturbelägen: nid schlächt! Und weil wir trotzdem bereits kurz nach Mittag in Jilhava sind, ist da noch viel Tag für Siesta, eine Runde durchs Städtchen und ein feines Nachtessen.

Die Pension ist ein weiterer Glückstreffer. Die Betreiberin, eine Italienerin, erzählt uns ganz stolz, dass sie bereits vor über 20 Jahren in der Schweiz Ferien gemacht habe. Damals, als alle noch mit gerunzelter Stirne gefragt hätten: In die Schweiz, wieso dass denn?! Und sie bietet uns Kaffee, was Kaltes zu trinken und jegliche Hilfe, falls benötigt an. Das Zimmer ist geräumig und bestens ausgestattet, inklusive Kühlschrank. Also gehe ich nach der Dusche noch einkaufen, damit wir morgen, wenn‘s wieder sehr früh los geht, mit Birchermüesli für unterwegs versorgt sind. Weil wir Velorouten nehmen und sehr früh unterwegs sind, kann es dauern, bis wir eine Gelegenheit zum Kaffee trinken oder etwas einkaufen finden.

So, jetzt noch ein paar Impressionen zu Iglau und dann geht‘s zu Don Vito.

Stop, da hätte ich ja fast noch jemanden vergessen.

Gustav Mahler, der hier anders geschrieben wird

So, jetzt sorgen wir für unser leibliches Wohl. Zum Beispiel mit einer Pizza, die mit einer Schere zum Schneiden serviert wird. Was es nicht alles gibt.

Zurück schlendern und vielleicht gibt es ja noch irgendwo ein Bettmümpfeli.

14. August 2025 – Jilhava – Hardegg

Die Sommerhitze ist definitiv in Tschechien angekommen. Da es nachts immer noch unter 20 Grad abkühlt, was hoffentlich so bleiben wird, nutzen wir die frühen Morgenstunden, um möglichst viele Kilometer und Steigungen ohne Hitzeschlag zu schaffen.

Städte schlafen nie ganz; es hat immer irgendwo Licht. Das ist auch in Iglau so.

Kurze Hosen, Sandalen, ein T-Shirt und ein super-leichter Windschutz beziehungsweise Armlinge genügen bereits. Weil es noch so früh ist, haben wir uns auf den ersten 10 Kilometern für eine Hauptstrasse entschieden. So wie gestern, mit zwei Furthen auf den ersten Kilometern, geht nur, wenn diese nicht überraschend kommen.

Noch sind der Mond und einzelne Sterne oder wohl eher Planeten sichtbar. Doch der Morgen kündigt sich deutlich sichtbar an.

Erstaunlich, wie wenig Licht das iPhone braucht, um sogar in Bewegung, einigermassen scharfe Bilder hinzubekommen.

Inzwischen hat sich der Himmel deutlich gerötet; wird wohl nicht mehr lange gehen, bis die Sonne auftaucht.

Im Dunkelmodus ist gut sichtbar, dass es auf der heutigen Strecke netto abwärts gehen wird, allerdings mit vielen kleinen Aufs und Abs.

Es schlägt halb sechs Uhr und die Röte am Horizont ist nur noch bei Weitwinkel-Aufnahmen zu sehen.

Dort zeigt sich jetzt auch die Sonnenscheibe, die schnell steigt.

Grosse Felder und noch grössere Wiesen. Ich liebe sie besonders mit „Rugeli“ drauf.

Ein Kaffee wäre nett, zumal es zwar nicht kalt ist, aber bei gefühlten Temperaturunterschieden von mehreren Graden zwischen Kaltluftseen in Senken und deutlich milderer Luft auf den höher gelegenen Ebenen fröstelt es mich ziemlich. Tankstellen sind rar gesät und in die Coops öffnen nur mancherorts bereits so früh. Heisse Getränke gibt es dort leider ohnehin keine. Dann eben einfach so eine kurze Pause.

Die Landschaft ist flacher und weiter als sie bisher die meiste Zeit gewesen ist. Zwar hat es immer noch einige Hügel, aber deutlich weniger Aussichtstürme. Auch Schlösser und Burgen sind nicht mehr so dicht gesät. Moment mal, ob das eine Burg oder Ruine ist? Wäre ein sehr grosser Klotz. Von blossem Auge ist der Umriss schon lange zu sehen; die Kamera braucht etwas länger.

Kirchen und andere Sakralbauten hat es immer noch viele, wenn auch deutlich weniger barocke und grosse als bisher. Scheint insgesamt eine etwas „bescheidenere“ Gegend zu sein.

Langsam wird es heiss und die weiten Flächen bieten auch viel weniger Schatten als die bisherigen, eher waldigen Gebiete. Inzwischen sieht man den Landschaftsfarben auch an, dass es seit Tagen nicht mehr geregnet hat. Traktoren und andere Landmaschinen wirbeln Staub auf und ziehen Staubwolken hinter sich her.

Schloss Vranov lassen wir rechts liegen, obwohl wir genug Zeit hätten und biegen lieber links ab, Richtung Hardegg.

Das letzte Stück führt durch Wald, einen Naturschutzpark auf der tschechischen Seite. Dass es auf der österreichischen Seiten ebenfalls einen hat, werden wir auch noch herausfinden.

Wir sind froh, dass wir bereits am Mittag einchecken können. Wir freuen uns vor allem auf die Dusche und stellen erfreut fest, dass es in den Räumen angenehm kühl ist. Obwohl nicht klimatisiert, sogar so, dass wir innen zeitweise etwas Langärmliges überziehen. Mit etwas Recherche finden wir heraus, dass das Haus 2018 kernsaniert worden ist; wie alt es insgesamt ist, erfahren wir nicht.

Nach einer Dusche, unserem schon fast obligaten Birchermüesli – doch, doch, Heinz mag das auch – und einer Siesta, sind wir bereit für einen Dorfrundgang. Türme hat sie einige, die kleinste Stadt Österreichs, wie sie sich selber nennt.

Der Uhrenturm ist noch nicht zugänglich. Sie sind in Hardegg laufend daran, ihre alten Gebäude zu renovieren und zugänglich zu machen. Da steckt viel Herzblut und Freiwilligenarbeit drin. Was uns beeindruckt hat, ist, dass fast alles kostenlos und oft sogar rund um die Uhr oder zumindest mit langen Öffnungszeiten zugänglich ist.

Das Schloss ist eine Ausnahme; da sind wir zumindest heute zu spät. Vielleicht morgen.

Also weiter zur Kirche. Da gibt‘s auch einen Zugang von ausserhalb des Schlosses her.

Neben der Kirche steht ein dicker Rundturm. An sich sind alle Sehenswürdigkeiten in einem Rundgang zusammengefasst und beschrieben. Es gibt sogar einen Audiorundgang dazu; leider konnten wir die App nicht runterladen. Also gehen wir einfach etwas der Nase nach.

Oh, das schauen wir uns genauer an.

Einfach so zugänglich, ohne spezielle Sicherung, ohne, dass gross auf Videoüberwachung oder irgend welche Verbote – unter Strafandrohung – hingewiesen wird. Dieses Hardegg, dass von vielen Tourist:innen besucht wird, strahlt etwas besonderes aus. Umso erstaunlicher, wenn man um die Geschichte und die unmittelbare Nachbarschaft zur ehemaligen Tschechoslowakei weiss.

Die Ausstellung ist sehr sympathisch, informativ und offensichtlich – wie alles, was in Hardegg Stück für Stück aufgearbeitet und vor allem für Interessierte aufbereitet und bewahrt wird – von vielen Freiwilligen und mit Donationen von Zeitzeug:innen geschaffen. Von Letzteren leben noch einige in diesem Städtchen, das – nur den Stadtteil Hardegg selber genommen – lediglich 86 Einwohner:innen hat (Stand: 1. Januar 2025). Zusammen mit den umliegenden Ortsteilen sind es ebenfalls nur rund 1‘300. Schon faszinierend, wie so ein winziger Ort eine so grosse Geschichte und Bedeutung haben kann.

Unglaublich spannend, weshalb wir auch ohne Audio- und sonstigen Führer noch weiter nach Tafeln und anderen Hinweisen suchen.

Einige sprechen für sich.

Und auch das „moderne“ Hardegg und was sie anbieten, zeugt von grossem Gemeinschaftssinn.

Für heute schliesse ich mit einem feurigen Blumengruss.

(Hier fehlt noch der 2. Tag in Hardegg mit
– Sonnenaufgang-Spaziergang und
– Kräuterfest
)

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