Autor: Daniela Kohler

  • 5.- 7. September 2025 – Von München nach Bad Wörishofen, nach Kempten, nach Memmingen

    Kurz vor 7 Uhr. Heute Nacht gab‘s Gewitter und ziemlich viel Regen. Es ist FREItag – private joke sozusagen – was für Viele ein Arbeitstag ist. Heute ist volle Regenmontur angesagt, obwohl es beim Start gerade nicht regnet. Wird heute nicht oft so sein.

    München ist, nicht nur wegen den Radwegen der Isar entlang, eine Velo-freundliche Stadt. Es hat viele abgetrennte Radwege und die zum Teil komplizierten Übergänge sind gut ausgeschildert.

    Wir sind nur kurz im Stadtverkehr und biegen dann von der stark befahrenen Strasse in einen Wald ab, der, wie ich erst im Nachhinein recherchiere, zum Forstenrieder Park gehört. Dieses rund 3.900 Hektar grosse Waldgebiet am südlichen Rand von München war früher ein Jagdrevier der bayerischen Könige und ist durchzogen von alten Eichenalleen und historischen Gebäuden. Von denen haben wir keine gesehen. Dafür haben wir eine andere Überraschung erlebt.

    Weit vorne sehen wir ein schwarzes Tier auf der Strasse. Heinz meint, dass es ein Wildschwein sein könnte, was ich mir nicht vorstellen kann und auf einen Hund tippe. Diese Wette hätte ich Hochkant verloren. Es war ein Wildschwein – und ist nicht das einzige geblieben. Eine zweistellige Zahl waren‘s insgesamt.

    Die sind offensichtlich Menschen und Velofahrer:innen gewohnt und auch ein Tandem bringt sie nicht aus der Ruhe. Sogar Frischlinge haben wir gesehen; die Bache ist allerdings sehr schnell drohend in unsere Richtung gekommen. Da war zügiges Weiterfahren angesagt.

    Regenwetter hat insgesamt den Effekt, dass wir gut vorwärts kommen, weil ich beispielsweise keine Fotostopps mache. Im Naturpark hat‘s zum Glück noch nicht geregnet. Das kam erst später und sogar einiges stärker als angesagt. EIN richtiger Regentag in acht Wochen ist eine unglaubliche Bilanz. Zwar scheint es in den letzten beiden Wochen noch den einen oder anderen zu geben, aber wir fühlen uns sehr verwöhnt vom Wetter. Auch richtig heiss war‘s nur so, dass wir es mit früh los gut umschiffen konnten und tropische Nächte haben wir keine einzige erlebt. Fast zu schön, um wahr zu sein – wie Einiges auf dieser Reise, wenn ich beispielsweise an unser Pannenglück in einem doppelten Sinne denke. Zum Einen hatten wir kaum welche und zum Anderen, konnten wir alle so handhaben, dass wir kein einziges Mal umplanen oder gar einen Reparaturaufenthalt einlegen mussten. Wow!

    Nach der – gegenseitigen 😉 – Wildschwein-Beobachtung sind wir weiter “über Land” gefahren.

    eigentlich sollte es bereits hell sein…

    Danach ist es urbaner geworden und wir haben in Wessling, wo wir zuvor durch ein grosses Industrieareal gefahren sind, einen Kaffee- und Aufwärmhalt in einer kleinen und sehr sympathischen Boutique-Bäckerei eingelegt.

    Weiter geht‘s. Am Ammersee haben wir einen letzten Fotohalt eingelegt. Eigentlich wegen der Vogelschwärme. Und dann noch das Strandcafé und die Schiffanlegestelle und neckische Details entdeckt. So ist es mir oft gegangen.

    Bei schönem Wetter sicher ein Highlight. Heute ist – verständlicherweise – der Wintergarten der Ort der Wahl.

    Danach hat‘s zu regnen begonnen; zuerst nur so, dass wir und unsere Regensachen das noch lange locker mitgemacht hätten. Danach, so dass schnell spürbar wurde, dass unsere Regensachen mal wieder eine Tumbler- beziehungsweise Glätteisen-Auffrischung nötig hätten…

    Abgekühlt hat‘s auch, so dass wir sehr froh um die feine Schnittlauch-Rahmsuppe gewesen sind, die sie uns im Hexenturm in Landsberg bereits um halb zwölf Uhr serviert haben. Heinz hat sich zur Feier des Tages noch eine Dampfnudel gegönnt mit wahrlich beeindruckenden Ausmassen. Für Betriebsstoff war also gesorgt – und die Reststrecke nicht mehr weit, dafür zuerst noch kräftig begossen. Weil ich meine Hände kaum von der wärmenden Teetasse nehmen konnte, gibt‘s dazu keine Fotos 🤭.

    Das letzte Stück nach Bad Wörishofen ist dann ziemlich flott gegangen

    heute mal wieder weniger einig, was Durchschnittsgeschwindigkeit und Anstieg angeht…

    Da wir bereits einchecken konnten, in unser 81m2-Luxusloft (kein Witz! aber ohne Fotos), stand auch die wärmende Dusche – es hätte sogar eine Badewanne im Zimmer gehabt… – bereit, so dass wir dann wieder präsentabel waren. Eine grosse Schüssel Salat und Pasta mit Pesto aus dem nahegelegenen goldige-Apotheken-Bioladen waren das passende Programm, um die „schöner Wohnen“-Unterkunft mit Kochblock und was du dir noch so wünschen könntest (Riesen-Bildschirm, Stereoanlage mit CD-Auswahl, zweierlei Kaffeemaschine, GWM, Klavier, Marmorböden, Bad fast so gross wie meine Wohnung etc.). Kostenpunkt? Nicht mal dreistellig. Manchmal kann ich nur staunen… Dabei ist Bad Wörishofen ein richtig teures Pflaster 🤷🏻‍♀️.

    6. September 2025 – Bad Wörishofen – Memmingen

    Wie versprochen erwartet uns am Morgen blauer Himmel, bei einer Temperatur im einstelligen Bereich! Also nix früh raus, sondern Infrastruktur nutzen und es sich mit einem Kaffee nochmals auf der Sofalandschaft gemütlich machen. Selbstverständlich hat es Kaffeekapseln, Kaffee für die Filterkaffeemaschine und – falls wir noch irgendetwas gebraucht hätten – „bitte einfach melden, falls Sie noch irgend etwas möchten“.

    Fahrt ins Grüne – und ins Blaue – mit Panoramablick. So lässt sich der Start kurz zusammengefasst beschreiben.

    Foto aus der Allgäuer Zeitung

    Die Strecke ist an sich ziemlich flach, ausser gegen Ende, aber der Gegenwind macht diese Etappe zu einer sportlichen. Wir sehen viele Windräder – leider, leider von hinten. Für Windräder gilt „auch ein Rücken kann entzücken“ NICHT! Dafür ist die Route sehr schön und auch gut ausgebaut, wenn auch – wie in Deutschland üblich, was ich auch gut finde – in den Waldstücken meistens unbefestigt.

    Der Panoramablick ist grandios. Wir sehen ein paar markante Formationen und sogar teilweise Schnee-bedeckte Spitzen.

    Mir kommt die Fahrt wie eine Reise durch eine Modell-Eisenbahn-Landschaft vor. Und zwar eine, wo öbber sehr viel Zeit und Herzblut investiert hat. Geradezu idyllisch.

    Später Morgen, so langsam wäre eine Pause und etwas zum Knabbern nett. Da bietet sich das bayrische Kaufbeuren an, das sich selbst das Tor ins Allgäu nennt und malerisch im Wertachtal zwischen München und Lindau liegt.

    Zwar haben wir nur einen Kaffeehalt in der Marktgasse gemacht. Der Eindruck, den wir vom charmanten Städtchen ist ein vielseitiger, 🌈-farbiger, lockerer und sehr fröhlicher, was nicht nur mit dem schönen Wetter, sondern auch mit der Pride Demo & Festival zu tun hatte, die am Samstag den krönenden Abschluss des Allgäu Pride Month bildete.

    Während wir auf der Strassenterrasse eines Cafés in der Altstadt sassen, zogen gruppenweise bunt gekleidete, kreativ geschminkte Menschen mit viel Glitzer und poppigen Frisuren vorbei mit LGBTQIA+ Transparenten, Solidaritäts-Fahnen und Regenbogen-Assessoires. Sie waren alle auf dem Weg zur Demo, die am Mittag zwei Querstrassen weiter startete.

    Foto aus der Allgäuer Zeitung

    Dabei war schon unser Pausen-Snack und das Sitzen an der Sonne ein Genuss.

    Und die Akrobatik der fleissigen Bienen im Blumenschmuck ebenfalls eine unterhaltsame Augenweide.

    Das Tandem stand während dessen vis-à-vis vor einem Bestattungsinstitut an bester Passantenlage und mit einem sehr stilvoll dekorierten „Schaufenster“.

    Der Name gefällt mir

    Dass ich dann – mit Erlaubnis – auch noch ein Bild einer Hochzeitsgesellschaft vor dem Rathaus samt Fotografen machen durfte, ist ein weiteres i-Tüpfchen. Ob es ein Wort mit so vielen „i“ gibt, wie wir in dieser Pause Highlights erleben durften? Ich zweifle daran.

    Die Badmington-Kolleg:innen in rot haben auch was vorbereitet.

    Nach dieser ausgiebigen und facettenreichen Pause geht‘s beschwingt weiter. Auf Strecken neben Bahnlinien geht das fast wie von alleine.

    Die Gegend erinnert uns zeitweise an BaWü, gleich ennet der Grenze oder auch an Landschaften in der Schweiz. Damit hätten wir allerdings nicht gerechnet…

    Im schönen Wertachtal liegt Altdorf zwar nicht und auch die Veloschilder und Wandertafeln passen nicht. Trotzdem irgendwie speziell. Ist immer witzig, wenn bekannte Ortschaftsnamen an unbekannten Orten auftauchen, manchmal einfach leicht anders geschrieben, wie Schafhausen beispielsweise. À propos bekannt (vorkommen): das Wertachtal erinnert mich irgendwie ans Wiggertal, wo wir auch schon oft mit dem Tandem durchgekommen sind und wo es auch einen Themenweg und Infotafeln dazu gibt.

    Heute scheint bunt und kreativ ein Tagesmotto zu sein. In der Altdorf-Gegend fahren wir durch ein Waldstück mit kunterbunten Vogelhäuschen.

    Und die Natur hat sowieso immer Farbtupfer zu bieten.

    Die Gegend hier – aktuell sind wir auf dem Gemeindegebiet von Biessenhofen – ist durchzogen von Themenwegen; einer hat einen für mich aktuell besonders passenden Namen.

    Das am Horizont sichtbare Panorama und die intensiven, klaren Farben – sattes Grün und himmlisches Blau – tragen ihren Teil zum Zauber des heutigen Tages bei.

    einzelne sogar mit Schneespitzen

    Was ich euch mit den nächsten Bildern leider nicht vermitteln kann, ist der würzige Duft des Holzes. Ergänzt ihn bitte aus eurem Erinnerungsrepertoire.

    Passend zur Idylle weiden hier Kühe MIT Hörnern, was rar geworden ist.

    Sagenhafter Weg, Modell-Eisenbahn-Landschafts-Idylle à la Johny Joker, fast unwirklich anmutend dieser Tag und diese Etappe.

    Dabei war sie nicht einmal besonders lange – oder vielleicht auch gerade deshalb, weil dadurch viel Zeit und Musse zum Schauen, Verweilen und Staunen da war.

    P.S. Die letzte halbe Stunde lasse ich weg. Die Anfahrt ins Kemptener Smart Hotel hat die Idylle etwas getrübt.

    ein Motel zeichnet sich aus durch…

    Allerdings nichts, was eine Dusche, ein Spaziergang in die Stadt, ein Bummel durch Kempten, ein sehr feines Znacht im Joyce und eine nächtliche Rückfahrt der Iller entlang mit dem Tandem-Taxi nicht wieder hätten ins Lot bringen können.

    7. September 2025 – von Kempten nach Memmingen

    Temperaturen im einstelligen Bereich und wieder keine lange Strecke; da nehmen wir es doch schon am besten von Anfang an gemütlich. Der nächtliche Tau lässt die Pflanzen in der Morgensonne glitzern. Diese zeigt sich allerdings noch etwas zögerlich, weshalb unser Team auch noch lange nicht vollständig ist.

    Da sehen ein paar ebenfalls nach Gemütlichmodus aus.

    Das erste Stück fahren wir auf dem Illerradweg, der dafür sorgt, dass wir nicht auf dem Tandem weiter schlafen 🤭. Weil es doch schon fortgeschrittener Morgen ist, sind trotz herbstlicher Temperaturen schon einige Fussgänger:innen mit und ohne Hunde und Jogger:innen unterwegs.

    Ah, da sind sie ja, unsere Begleiter:innen. Laden wir sie doch am besten gleich mit zu einem Kaffee und einem Snack ein, wahlweise salzig oder süss.

    Die Iller mäandert ziemlich auf diesem Abschnitt und hat sich teilweise richtige Steilufer eingegraben.

    Trotz etwas anstrengendem Untergrund kommen wir gut voran, auch um uns warm zu halten.

    Da schau mal. Ein Tandem! Allerdings ziemlich in die Jahre gekommen. Wie der Traktor auch. Da bleiben wir lieber unserem Rolls Royce treu.

    Inzwischen haben wir den Iller-Radweg verlassen und fahren durch hügeliges Landwirtschaftsgebiet mit vielen kleinen Ortschaften. Die Sonne zeigt sich nur selten, weshalb die Farben auf den Bildern nicht so intensiv wie gestern sind.

    Auf einem Streckenabschnitt sehen wir viele Schwalbenschwärme, die Formation fliegen, was mich immer wieder fasziniert. Wie heisst es doch: EINE Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber VIELE Schwalben scheinen mir ein deutliches Zeichen für den Herbst zu sein. Zugvögel bei der Reisevorbereitung sozusagen.

    die Schwalben sammeln sich für ihre Reise Richtung Süden

    Die Schafe kümmert das nicht und auch die Kühe haben keinen Blick für die Vögel oder uns übrig, obwohl sie quasi im „Strassencafé“ sitzen. So wirkt es zumindest, weil ihr grosszügiger Laufstall gegen den Landwirtschaftsweg offen ist und sie, weil das Futter dort liegt, alle Richtung Strasse positioniert sind. Wir könnten sie im Vorbeifahren berühren, wobei mitten durch ihr Futter zu fahren unverschämt wäre. Also grüssen wir im Vorbeifahren nur 🤭.

    Wind hat es heute keinen, dafür noch Pfützen und schlammige Stellen von den Regenfällen der letzten Tage.

    Einzelne Felder sehen fast wie Reispflanzungen aus. Inzwischen sind wir wieder eben an einer Bahnlinie unterwegs. Das Wasser kann also nirgendwohin abfliessen, wenn der Boden gesättigt ist.

    Obwohl Sonntag ist, sind die Bauern am Arbeiten, vor allem am Heu zetteln oder Gras für ins Silo einbringen. Auch die Hochspannungsleitungen knistern geschäftig.

    Uups! Doch, wir kommen gut aneinander vorbei.

    Wir können sowieso praktisch für die ganze Tour den Auto-, Lastwagen-, Bus- und Landwirtschaftsfahrzeug-Fahrer:innen ein grosses Kränzchen winden. Doch, doch, wir haben mehr als eine Traktorfahrerin gesehen; auch eine betagte, deren Traktor ein echter Oldtimer und Schritttempo unterwegs gewesen ist. Alle warten meistens mit hetzfreiem Abstand und Geduld hinter uns, bis sie, mit grossem Sicherheitsabstand, überholen können. Auf den Fahrradstrassen und oft auch den Radstreifen haben Velos sowieso Vortritt. Da könnte sich die Schweiz vielerorts etwas anschauen.

    Viele Höfe hier sind gut im Schuss, mit modernstem Wagenpark und oft auch recht gross. Weil die Ausnahme die Regel bestätigt und ich es mag, wenn die Natur sich ihren Platz zurück erobert – und die Bilder davon, aus meiner Sicht, sowieso attraktiver sind, hier ein solches Beispiel.

    Richtung Ottobeuren wird‘s wieder deutlich hügeliger und landschaftlich reizvoll; mit dem losen Untergrund allerdings auch Schweiss-treibend.

    Kloster in Sicht; weit sein kann‘s also nicht mehr. Mein Magen meldet sich bereits lautstark und begehrlich.

    Eine Menge los hier. Die Menschen kommen mit Rennrädern, eBikes, Motorrädern, Autos und auch zu Fuss, pilgernd oder auch als gewöhnliche Wandersleute. Am Platz hat es einige Restaurant zur Auswahl; nicht alle gleich gut besucht. Das Wirtshaus am Markt erweist sich als gute Wahl. Wir dürfen auf der voll belegten Terrasse zu einer freundlichen Frau aus der Gegend dazu sitzen. Zum Glück dauert es dann auch nicht die angekündigte Stunde bis das feine und nahrhafte Essen (Bayrische Rösti und Ofenkartoffeln, beides mit Kräuterschmand und Salat) serviert wird. Für Fotos hat‘s nicht gereicht, so hungrig wie ich gewesen bin 🤭.

    Gefüttert und zufrieden satt können wir uns wieder der Umgebung und den kulturellen Angeboten zuwenden. Heinz besichtigt die Klosterkirche und ich stromere über den Marktplatz und durch die Gassen. Kirchen, Museen und Ausstellungen sind für mich Schlechtwetterprogramm…

    Wer weiss, vielleicht kommen wir am Dienstag oder Mittwoch nochmals vorbei. BAGS & UTOPIAS klingt irgendwie spannend, das Ausstellungsplakat spricht mich an und Regenwetter ist ebenfalls angesagt. Da wir ohnehin ein paar Tage in Memmingen bleiben wollen, weil das Tandem ein paar professionelle Streicheleinheiten braucht – nach 3000 km on tour sind eine neue Kette und dieses Mal wohl auch eine neue Kassette kein Luxus – könnte das passen. Wir werden sehen.

    Heute geniesse ich lieber die inzwischen entwolkte Sonne und das muntere Treiben auf dem Marktplatz.

    So, Zeit für die letzten paar Kilometer nach Memmingen, wo hoffentlich eine nette Dusche auf uns wartet.

    Duschen, auspacken und später noch auf eine erste Erkundungstour in die Stadt, die uns auf Anhieb gefällt. Erstaunlich viel los für einen Sonntagabend.

    Die Mondfinsternis sehen wir leider selber nicht, dafür hat‘s in diversen Statis tolle Bilder davon. Hier ein „gemucktes“, ohne Quellenangabe…

    gleicher Himmel, ander
  • 27./28. August 2025 – Neuhofen an der Ybbs und Rath im Mostviertel

    Der Gasthof zur Linde ist ein sehr traditionell geführter und, mit zugehöriger Fleischerei, auch deftiger Gasthof.

    Alles ist sehr gut im Schuss und wird, den Auszeichnungen nach, welche einen langen Zeitraum abdecken, sehr gastlich geführt.

    eines von vielen sympathischen Details

    Mir fällt vor allem auf, dass ich der wohl eher über als unter 70jährigen Wirtin, die sich nur sehr schwerfällig bewegen kann und offenbar sehr vieles alleine macht, ein geruhsameres Alter wünschen würde.

    Und den Weg nach oben in unser Zimmer finde ich zuerst fast ein wenig gfürchig, zumal auch das Licht sehr schumrig ist.

    Bin entsprechend erleichtert, dass unser Zimmer geräumig, hell und dezent neutral dekoriert ist.

    Wie ich erst am nächsten Morgen mitbekomme – und unvorbereitet auch etwas leer schlucke… – hatte das Tandem ebenfalls ein blitzsauberes Logis in einer Garage, die eigentlich anderen Zwecken dient.

    Der Gasthof steht an einem Dorfplatz mit einem Brunnen.

    Verantwortung wofür? Sprach(gebrauch) ist etwas sehr Spannendes

    28. August 2025

    Ein weiterer heisser Tag ist angesagt. Also früh losfahren.

    Das „Gastro-Angebot“ in Neuhofen ist perfekt für early birds –

    und bringt uns eine erste sehr sympathische Begegnung mit einer herzlichen jungen Frau, die uns dort bedient. Heute folgen noch viele nette Begegnungen, kürzere und längere Gespräche, Winken und Daumen hochs und Komplimente unterwegs.

    Wir fahren zuerst auf der Most-Radroute weiter, die uns gestern schon gefallen hat.

    Wir entdecken viele Orte, die einiges zu bieten haben und geradezu nach einem längeren Aufenthalt und Rundtouren kreuz und quer durch Gegend rufen.

    Wir sehen über viele Kilometer auf einem Hügel ein Gebäude, das wir zuerst für ein Schloss halten. Nach den Stiftsblick-Radrouten-Schildern tendieren wir darauf, den Gebäudekomplex als besagten Stift zu vermuten. Bis dann ein weithin sichtbarer Kirchturm auftaucht, der sich beim näher kommen als Kloster oder eben Stift entpuppt. Und zwar Stift Seitenstetten, das – unter anderem – ein Gymnasium beherbergt. Wie gesagt unter anderem.

    Übrigens: Was wir von weitem gesehen haben, dürfte tatsächlich ein Schloss sein. Vermutlich Schloss St. Peter in der Au.

    Doch jetzt ein paar Bilder von Stift Seitenstetten.

    Während wir dort sind, fahren zwei Autos mit je einem Benediktinermönch am Steuer in den Innenhof und gehen in die Kirche. Ob die Harley auch einen Benediktiner von A nach B bringt? Oder ob er eher einem weltlichen Gymilehrer gehört? Die Maschine hat es uns nicht verraten. Dafür hat uns die Stippvisite in Seitenstetten auf ein paar spannende Ideen gebracht, wie wir die restliche Zeit oder auch künftige Touren gestalten könnten. Auf die Inspirationsliste für mögliche künftige Aufenthalte in dieser Gegend ist Seitenstetten selbstredend gekommen. Unsere Ideenliste wird länger und länger.

    Auch der Kaffee und die Mehlspeisen im nahegelegenen Bäckerei-Kaffee sind fein, die Frühstückskarte empfiehlt sich für einen Besuch mit mehr Hunger und die Frau, die uns bedient, ist ein Original. Sie nimmt sich auch die Zeit, uns nach woher und wohin zu fragen, von ihren Ausflügen in die Schweiz zu erzählen und uns Tipps zu geben, was es in der Region noch alles zu entdecken gäbe.

    Heute hat mein Handy viel zu tun. Allenthalben zeigt sich ein kann-ich-euch-nicht-vorenthalten-Fotosujet. Voilà eine Bildstrecke damit:

    Für Nach-Fahrer:innen: Nach der Most-Route wechseln wir auf die Enns-Donau-Radroute, den Steyrtalradweg (R8) und für das letzte Stück ab Steyr auf den Voralpenradweg (R12). Alle Routen sind landschaftlich sehr schön, verlaufen auf fast durchgängig asphaltierten Strassen mit kaum Verkehr oder bieten ansonsten gut ausgebaute und sehr klar geführte Radwege. Macht Spass so.

    Schade, dass die Sicht nicht klar genug für einen Panoramablick in die Voralpen ist. Durch den Dunst zeichnen sich zumindest markante Bergspitzen ab, die auf den folgenden Bildern nicht zu sehen sind.

    Auch von den Ortschaften wären mehrere mindestens einen zweiten Blick wert. Wie uns auch eine Mountainbike-Fahrerin versichert, die wir ein paar Kilometer auf ihrem Arbeitsweg in die BMW-Werke begleiten und die uns von ihrer Leidenschaft fürs Biken erzählt und ihrem Ehemann der aus Berufung Arzt ist und dessen oft 20stündigen Arbeitsschichten keine gemeinsamen Radtouren zulassen. Von Fernreisen ganz zu schweigen.Weitere Themen sind ihre Tochter, eine sehr schöne Ärztepaar-Hochzeit von Berner Kollegen ihres Mannes, ihre Tätigkeit bei BMW, dass wir bei ihr übernachten könnten, welches ihre nächsten Touren- und Ferienpläne sind und noch welche, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Ich muss mal nachschauen, wie viele gemeinsame Kilometer das gewesen sind…, die wir insgesamt ziemlich flott zurück gelegt haben. Spricht auch für die Verkehrsarmut der Strecken, so dass nebeneinander fahren problemlos möglich ist.

    ein sehr grosses Gelände, auf dem ihres Wissens nach rund 5000 Menschen arbeiten

    BMW ist in Steyr, auch eine Stadt, die einiges für einen längeren Aufenthalt bieten würde. Diese Fähigkeit, überall Entdeckenswertes zu sehen, hat sich bei mir auf dieser Reise entfaltet. So stark, dass es zur Balance auch meine Fähigkeit trainiert, das alles zwar zu sehen, mich darüber zu freuen und es vielleicht sogar auf die Ideenliste zu nehmen, es aber auch bald wieder los- und ziehen zu lassen – und offen und wach für das zu bleiben, was der Moment anbietet und zulässt. Im Alltag, in dem ich stärker sortieren, priorisieren und viel mehr Instant-Entscheidungen treffen muss, hat dieses, sich von allem begeistern und verführen lassen, nicht. Da braucht es einen dezidierteren Fokus, was gleichzeitig auch eine Triage dessen mit sich bringt, was ich überhaupt wahrnehme und zulasse. Spannende Gedanken.

    Die R8, der Steyrtalweg, führt uns durch ein Naturschutzgebiet, entlang von Bächen und auch neben einer Eisenbahnlinie. Die Kombination Bahnlinie, Radweg und Wasserlauf gehört zu unseren liebsten Kombination. Davon hat es in dieser Gegend einige, sogar in der komfortabelsten Form, welche alte Bahntrassees zu Radrouten ausbaut.

    Schon oft auf unser Reise wären Bahnfans entzückt gewesen. Wir sind mehreren zeitweise mit Dampfzügen befahrenen Strecken begegnet, viel ausrangiertem und zu allerlei Zwecken eingesetztem, alten Rollmaterial – manchmal nur als Rostlager 🤭 – Bahnmuseen, zu allerlei anderen Zwecken genutzten alten Bahnhöfen und, und, und… Ein spezieller Gruss an Peter, an den wir dann oft denken 🙋🏻‍♀️.

    (Tage und viele Erlebnisse danach habe ich im Moment keine Ahnung mehr, was da noch kommen könnte. Vielleicht erinnere ich mich, wenn ich Zeit & Musse habe, mir die Fotos anzusehen…)

  • 23.-27. August 2025 – Hörfarth

    Zuerst ist es noch nicht Hörfarth, sondern die Herfahrt oder Hinfahrt. Du kannst es dir aussuchen.

    Weil es inzwischen herbstlich kühl ist am Morgen, nehmen wir‘s gemütlich mit aufstehen, Kaffee trinken, packen und losfahren.

    Ich schreibe auch noch etwas in meinen Blog – mit Sicht auf einen Kaktus, der es wohl auch bei mir lange aushalten würde.

    dafür braucht‘s keinen grünen Daumen – eher einen besonderen Geschmack 😉

    Wir verlassen das Haus mit einem Eintrag im Gästebuch, was wir sehr selten machen. Für die Gastfreundschaft und Grosszügigkeit der Familie Pichler wollten wir uns einfach auch so nochmals bedanken.

    Ein Blick zurück in das Entree, von der ihr und „unser“ Hausteil abgeht.

    Der „alte“ Hausteil lässt auf einige Enkelkinder schliessen und zeugt vom handwerklichen Geschick und dem Pragmatismus des Hausherrn, einem ehemaligen Schreiner, der auch viele andere Handwerkgenres zu beherrschen scheint.

    Inzwischen ist es 9 Uhr und immer noch so kühl, dass wir mit Armlingen, Beinlingen und Windschutzjacke losfahren, die ich alle fast den ganzen Tag über anbehalten oder immer mal wieder übergezogen habe.

    Das erste Stück fahren wir der Kamp entlang auf der Kamp-Thaya-March-Radroute.

    Kurz nach Zwettl kommen wir an einem Bio-Hof vorbei, dessen Hofladen leider noch bis morgen wegen Betriebsferien geschlossen ist. Hier trotzdem Bilder von aussen, weil alles so sympathisch beschrieben und gestaltet ist.

    In dieser Gegend wird Landwirtschaft gross geschrieben und sehr fachkundig betrieben.

    Was wohl auch der Nähe zur landwirtschaftlichen Schule zu verdanken ist, die es hier schon lange gibt und die sogar modernisiert und vergrössert worden ist.

    Im Edelhof wird auch der jüngste Nachwuchs willkommen geheissen, wenn er Clemens heisst, sogar mit einer ganzen Storchenparade.

    Wir staunen immer wieder, wie wenig Verkehr es hier hat. Zwar mehr als in Tschechien, aber viel weniger als wir uns aus der Schweiz oder stärker besiedelten grenznahen Gebieten gewohnt sind.

    Was das wohl ist? Sieht von weitem wie eine moderne Kirche aus.

    Weit gefehlt. Es ist eine Fernwärmeanlage.

    Die heutige Etappe ist Waldviertel-flach, wie wir das inzwischen nennen. Sehr selten mal steil oder ein langer Anstieg, aber ein dauerndes auf und ab. So läppern sich im Laufe des Tages ohne grosse Efforts auch Höhenmeter zusammen.

    Nach ersten Streckenabschnitten auf Strassen nur für uns überqueren wir den Purzelkamp und sind ab da auf einer stärker befahrenen Strasse.

    Das sind wir uns nicht mehr gewohnt. Zwar hat es einen abgetrennten Radweg. Trotzdem entschliessen wir uns für eine Umkürzung, die uns ausser ein paar zusätzlichen Kilometern und ein paar Höhenmetern mehr auch unerwartet einen eindrücklichen Stausee zeigt. Ok, da runter hätten wir tatsächlich nicht müssen… Gelohnt hat es sich, aus meiner Sicht.

    Auf der „Volt“-Radroute fahren wir noch mehr. Vom Parkplatz über dem Stausee geht‘s runter an den Kamp, der im Kamptal gemütlich mäandert. Diese Gegend scheint schon im Mittelalter (oder so…) besiedelt gewesen zu sein, den Burgen und Ruinen nach zu schliessen.

    Den ersten Kaffeehalt machen wir in Krumau im Heurigengasthof Prinz. Dass es bereits gegen Mittag ist, merken wir an den deftigen und üppig gefüllten Tellern mit Knödeln, Sauerkraut, Wurst, Speck und Schinken, die an den Tischen drinnen serviert werden. Offensichtlich eine beliebte Küche, wovon auch mehrere Menschen zeugen, die mit ihren Thermo-Lunchboxen vorbei kommen.

    Von unserem sonnigen Terrassenplatz haben wir einen guten Blick auf die Burg, die wir bei der Anfahrt schon aus anderer Perspektive gesehen haben.

    Von Krumau fahren wir ein wunderschönes Tal hoch, den Eisengraben. Inzwischen knurrt auch mein Magen und ich merke, dass der Admiral, den wir im Prinz gegessen haben, keinen Treibstoff, sondern eher Unterzuckerungssymptome bringt. Also bei der nächsten schönen Gelegenheit rasten. Wow, vom Weg her wäre DAS nicht zu erwarten gewesen. Wir sind und bleiben Glückskinder 😊. Zuerst geniessen wir unser Müesli auf einem sonnigen Bänkli am See – warm ist es nicht – und danach einen verlängerten Braunen und einen Cappuccino (!) auf der Terrasse des Strandrestaurants.

    Von dort geht‘s rasant runter nach Krems und ein kurzes Stück auf einem sehr beliebten Radweg – bei anderen – den ich ganz und gar nicht mag.

    So schnell wie möglich wieder weg davon und gemütlich weiter dem Fladenitz-Radweg entlang bis zu unserem Logis für die nächsten vier Nächte. Ein sehr, sehr besonderer Ort.

    mit Kuppel im Hintergrund

    Nachdem uns Karlheinz rumgeführt, die Kompost-Toilette, die Freiluftdusche und andere Besonderheiten erklärt hat, serviert er uns einen Tee mit Blüten aus seinem Garten und wir bleiben wohl zwei Stunden oder so unter dem Kirschbaum sitzen und reden im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt und was man sich nur so vorstellen kann. Auch er, ziemlich speziell – und durchaus interessant bei wohlwollendem, offenen und interessierten Zuhören und Einlassen. Er hat in inzwischen 13 Jahren rund-um-die-Uhr-mit-Pausen-Arbeit und Schnecken-Lebensschule alles selber (mit-)renoviert, geplant und gestaltet. Ob er das Grundstück oft verlässt? Vermutlich eher nicht. Obwohl – inzwischen hat er mir von einem kürzlichen mehrwöchigen Aufenthalt in Sri Lanka erzählt. Und seinen Guru hat er auch schon mehrfach erwähnt. Es gibt Momente, in denen ich nicht nachfrage…

    Sehr eindrücklich ist der Dom, ein kuppelförmiger Raum, den er zum meditieren, jammen und auch für sich musizieren, singen, sinnieren und wohl auch das eine oder andere sonst nutzt – wobei er explizit keine religiösen und/oder esoterischen Gruppen und Anlässe drin haben möchte, was immer er darunter verstehen mag. Fotos folgen bei besserem Licht. Wir dürfen den Raum grosszügigerweise frei nutzen, wenn er nicht dort ist. Erkennungszeichen: Gartenschuhe vor der Türe…

    Unser Zimmer ist – ohne Isolation und mit offenen Teilen – in den Schuppen integriert und mit viel Kunst von ihm ein Zimmer, wie es auch zum Teufelhof passen würde. Ausser, was den Wärme- und sonstigen Komfort angeht. Uns gefällt‘s, auch wenn wir in der Nacht sehr froh um die zusätzlichen Decken sind, da die Temperaturen auf nur knapp zweistellig sinken.

    24. August 2025 – Grafenegg

    Nach einer sternenklaren Nacht, begrüsst uns am Morgen die Sonne. Geschlafen haben wir sehr gut, auch wenn nicht weit weg eine Hauptstrasse vorbei führt. Am Montag soll‘s ab 6 Uhr morgens ziemlich laut werden, weil dann die Lastwagen das nahe gelegene Kieswerk ansteuern. Wir werden sehen, ob uns das stört. Wir sind ohnehin meistens früh wach.

    Wir sind dankbar für die Thermoskanne mit heissem Wasser, die ich drüben im Haus holen kann. So ein heisser Kaffee weckt die Lebensgeister. Wir ziehen uns warm an und packen Kleiderschichten ein, weil wir heute den ganzen Tag in Grafenegg sein werden. Die Luft ist kühl und die Sonne kräftig, so dass die Unterschiede zwischen sonnigen und schattigen Abschnitten eindrücklich sind

    Der blaue Himmel macht die Umgebung mit vielen Weinbergen und üppigem Grün noch schöner und wir sind beschwingt unterwegs. Den Donauradweg streifen wir nur kurz. Zum Glück beschränken sich die nicht sehr geübt e-Bike-fahrenden und mitten auf den Wegen anhaltenden Gruppen ziemlich zuverlässig auf diesen. So kommen wir und andere Tourenfahrer:innen auf den vielen anderen Radwegen flott und entspannt vorwärts. So gefällt‘s mir. Nein, ich habe ganz sicher keine Vorurteile…

    Auch über die Donau finden wir einen für Velos gut ausgebauten Übergang, der für ungeübtere Fahrer:innen zu enge Wendungen hat. Und Krems links liegen lässt, was heute bestens passt.

    Sonntag sei Dank sind auch die Strassen durch die vielen kleinen und sehr gut gepflegten Ortschaften fast verkehrsfrei. Sieht nach guter Infrastruktur aus und sympathischer Gestaltung.

    Oh, da ist ja bereits der Eingang zu Schloss Grafenegg. Offenbar dürfen wir sogar mit dem Tandem reinfahren.

    Das Schloss selbst sieht aus dieser Distanz gut aus; die Einführung zum Konzert heute Abend ist im Schlosshof. Dann werden wir es genauer sehen.

    Für den Moment belassen wir es bei einer Runde übers Gelände und schauen uns nur den Wolkenturm näher an. Dort wird heute Abend das Konzert stattfinden. Jetzt ist alles noch frei zugänglich, sogar mit dem Tandem. Ist offenbar ok. Wir werden von allen freundlich lächelnd gegrüsst. Überhaupt ist die Stimmung auf diesem grosszügigen und weitläufigen Parkgelände sehr locker und entspannt. Das überträgt und verstärkt sich und gibt eine ganz besondere Atmosphäre. Uns gefällt‘s schon jetzt sehr hier.

    Wir können mitten durch die Arena fahren; die Tribüne ist frei zugänglich. Heute Abend wird fotografieren vermutlich nicht erlaubt sein, weshalb ich jetzt ein paar Aufnahmen mache.

    So, jetzt noch ein Kaffee und dann startet um 11 Uhr die Matinee im Auditorium, dem grossen Konzertsaal. Geboten wird ein Programm, auf das ich sehr gespannt bin und das mich hierher geführt hat. Die Wahl von Heinz sehen wir dann heute Abend.

    Gleich vorweg. Es war schlicht grossartig. Das Publikum war begeistert. Minutenlange Standing Ovations nach allen drei Zugaben. Angesagt war eine Dauer von ca. 90 Minuten, ohne Pause. Gedauert hat‘s über zwei Stunden, ohne Pause. Ist uns viel kürzer vorgekommen, so kurzweilig, abwechslungsreich und musikalisch hochstehend wie das ganze Programm gewesen ist. Mir haben alle 26 Stücke + die Zugaben gefallen!

    Alle Musiker:innen waren virtuos und ihre Begeisterung auch untereinander ansteckend. Zwei Stunden mit so einer Präsenz und Spielfreude auf der Bühne zu sein ist eine ausserordentliche Leistung. Christina Pluhar strahlt viel Persönlichkeit aus; eine Powerfrau, die mit Wonder Woman ein mitreissendes Konzert zusammengestellt, arrangiert, dirigiert und mitgespielt hat. Erstaunlich diese Wirkung, weil alles mit barocken Originalinstrumenten gespielt worden ist. Die meisten haben einen feinen und eher leisen Klang. Besonders beeindruckt hat mich das Zink, ein Vorgänger der Trompete, das zeitweise wie eine Tropete, aber oft auch wie eine Flöte geklungen hat. Faszinierend auch die Internationalität des Ensembles. Alle kommen aus einen anderen Land und bringen viele verschiedene Einflüsse mit rein. Die Unterschiedlichkeit der Gesangsfarben beispielsweise und wie sie trotzdem harmoniert haben, wenn es Passagen für mehr als eine Stimme gab: sensationell. Auch die Tanzeinlagen. Was für ein Erlebnis!

    Bis zum Konzert heute Abend „im“ Wolkenturm, mit Beginn um 19:30 Uhr, und der vorgängigen Einführung im Schlosshof um 18 Uhr, bleibt viel Zeit. Das kulinarische Angebot ist – obwohl teilweise hochstehend – nicht ganz nach meinem Geschmack, weshalb wir da noch eine Alternative suchen werden. Obwohl, der Apfelstrudel ist der beste, den ich je gegessen habe. Ansonsten sind das weitläufige Parkgelände, die Stimmung und die vielen Sitzmöglichkeiten eine perfekte Einladung; zum Sein und Geniessen und Beobachten, wie sich die unterschiedlichst gekleideten und mit von einfachem Bier & Brezel bis mit exquisiten Picknick-Körben ausgestatteten Besucher:innen in einer schön-wäre-das-häufiger-so Entspanntheit „mischen“. Dieser Ort und wohl in einem ganz besonderem Mass das Grafenegg-Festival kreieren einen ganz besonderen Zauber.

    Unser Wetterglück, das einen grossen Teil zu diesem Highlight-Erlebnis beiträgt, könnte passender nicht sein: schön, aber nicht heiss, so dass alle in der Sonne oder im Schatten ihre Wohlfühltemperatur wählen können. Na ja, eine klitzekleine Einschränkung: abends im Konzert hätte ich gerne mit Besucher:innen mit isolierender Sitzunterlage und Decke oder Daunenjacke getauscht 😁.

    Eine kurze Tandemfahrt vom Gelände entfernt, bekommen wir feine Salatteller mit aromatischen Zutaten, Falafel und Pizzastangerl. Der sehr sympathische neue und noch junge Besitzer, dem wir viel Erfolg wünschen, erklärt uns auf ein entsprechendes Kompliment strahlend, dass er alles direkt aus Italien beziehe. Che gusto!

    Gesättigt fahren wir retour zum Festivalgelände, wo den ganzen Tag über ein buntes Kommen und Gehen ist. Verschiedene Aufführungsorte und -zeiten, die Möglichkeit auf dem Gelände gediegen zu übernachten, die zum Aufenthalt einladende Anlage an sich und auch die Grösse des Festivals bringen viel lebendige Abwechslung mit sich, die für mich einen Teil des Charmes dieses Tages ausmacht.

    Nächster Programmpunkt: Einführungsgespräch im Schlosshof. Und auf dem Weg dorthin ein abendsonniges Schauen und Geniessen.

    Die Einführung von Ursula Magnes, Kulturredakteurin beim ORF, ist gescheit, witzig und anregend. Diese Einstimmung stärkt die Vorfreude in mir. Was von ihren sehr illustrativen und Vorstellungen und Ideen evozierenden Beschreibungen und Interpretationen werde ich in den drei Stücken, die gespielt werden, wieder erkennen oder auch so erfahren?

    Zwischen Einführung und Konzertbeginn bleibt noch Zeit für ein Dessert und für die Entdeckung der Schlossgraben-Rasenmäher. Keine Ahnung, was für eine Art von Schafen das ist. Ob mir da KI helfen kann? Voilà, ein Teil seiner Antwort. (Es gibt „Kommunikationsgestalten“, die sich noch schlechter kurz fassen können als ich 🤭. Wobei ich fairerweise sagen muss – so das im Zusammenhang mit KI überhaupt passend ist – dass “er” es auf explizite Nachfrage sehr wohl und beneidenswert schnell und gut kann. Seufz! Diese Dinger sind inzwischen schon echt gut trainiert.

    ⚠️ Spoiler: KI kann sich täuschen – und damit uns auch… Deshalb ist die folgende Information ohne Gewähr 😉:

    Basierend auf dem Ort und dem Erscheinungsbild der Tiere handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine heimische Gebirgsziegenrasse, und zwar vermutlich die Schwarze Bergziege oder eine ähnliche robuste Rasse, die in Niederösterreich gehalten wird.

    🐐 Vermutlich handelt es sich um:

    Schwarze Bergziege oder eine Variante der Alpenziege, die:

    • Dunkles, oft schwarzes Fell hat
    • Lange, gebogene Hörner trägt
    • Für ihre Widerstandsfähigkeit und Trittsicherheit bekannt ist
    • Häufig in historischen oder ländlichen Anlagen wie Schlossparks zur Landschaftspflege eingesetzt wird

    Meine Einschätzung: Klingt plausibel und passt zu den Bildern. Doch entscheidet am besten selber.

    Aha, die Fanfare erklingt mit der die nächste Veranstaltung angekündigt wird. Die Menschen kommen aus allen Richtungen zum Wolkenturm. Auch die Rasenflächen, sozusagen die „billigen“ Plätze, wo man sich für das Konzert mit bester Sicht auf die Bühne mit Decken, Sitzpolstern und ähnlichem einrichten und auch Picknick geniessen darf, sind frei gegeben. Diese Möglichkeiten, die sich vielerorts an bester Lage (z.B. den zentralen Plätzen in den Städten und Touristenorten) finden und ermöglichen, teilhaben zu können, ohne (viel) bezahlen oder konsumieren zu müssen, finde ich sympathisch und integrativ. Die reiche Schweiz sollte sich davon vermehrt inspirieren lassen. Das Forum Public im Stadttheater und die Grill- und Sitzplätze am Rheinbord gehen da für mich da in eine gute Richtung. Gerne mehr davon. Ah ja, die „Badebrunnen“ finde ich auch eine gute Sache. In Tschechien, Österreich und Deutschland findet man viele Badeteiche und -Seen mit gratis nutzbarer Infrastruktur. Sehr sinnvoll eingesetzte Steuergelder, finde ich.

    Nach diesem gedanklichen Ausflug in die Schweiz und nach Basel zurück nach Grafenegg und auf die Tribüne des Wolkenturms. Während der Aufführung sind Fotos nicht gestattet. Deshalb hier welche vom einströmendem Publikum, dem Orchester, das noch die Instrumente stimmt und auf den Dirigenten wartet und dem wohlverdienten Schlussapplaus mit Standing Ovations.

    Gespielt wurden übrigens drei Stücke:

    • Arvo Pärt – „Fratres“
      – Meditativ und zeitlos, ein Stück, das Raum und Stille musikalisch erfahrbar macht
    • Antonín Dvořák – Violinkonzert in a-Moll, op. 53; mit Isabelle Faust als Violin-Solistin. Ihre Leichtigkeit und ihre Interaktion mit dem Orchester und dem Dirigenten Andris Nelson haben mir besonders gefallen
    • Jean Sibelius – Sinfonie Nr. 2 in D-Dur, op. 43
      – Ein monumentales Werk, das von dunkler Dramatik bis zu triumphaler Größe reicht und trotzdem nur auf einer einfachen Tonfolge aufgebaut ist. Erstaunlich. Und ein ganz neues Licht auf „einfach“.

    Nach dem Konzert sind wir flott durch die Sternennacht zurück nach Hörfarth geradelt. Offenbar haben die GPS sich nur den Rückweg gemerkt, deshalb könnt ihr sinngemäss die Angaben des einen für die Hinfahrt und die des anderen für die Rückfahrt nehmen.

    In der Nacht und erst noch fahrend ist auf Handyfotos nicht so viel zu erkennen, deshalb beschränke ich mich auf ein Bild von der Donaubrücke aus.

    interessante Lichteffekte – fast wie in der Blockheide

    Weil‘s nicht nur draussen, sondern auch bei uns drinnen im Zimmer ähnlich kühl gewesen ist, waren wir ziemlich schnell im Bett. Mit der Decke und der zusätzlichen Wolldecke bis an die Nasenspitze hochgezogen – und haben bestens geschlafen.

    25. August 2025 – Rundfahrt und Garten erkunden

    Wer steckt mehr als den Nasenspitze raus und holt drüben in der Küche heisses Wasser? Kann als gute Tat und damit als Karmapunkt verbucht werden 🤭. Heute startet Heinz mit Bonuspunkten sammeln.

    Ich schäle mich erst später, zusätzlich gegen die Kühle gewappnet durch heisses Wasser und zwei Kaffees, aus den warmen Decken. Die Sonne verspricht bereits heisse Momente, die Luft ist noch so kühl, dass es mehrere Schichten braucht. Durch die Rebberge gondeln, ein bisschen in Krems rumschnuppen, um zu entscheiden, wie viel wir davon noch sehen möchten und den Nachmittag den einladenden Garten von Karl-Heinz erkunden, so die grobe Idee von heute. Liegt alles drin. Zeit zu haben oder wohl eher, mir für mich zu nehmen, einfach so, ist ein Luxus, den ich mir künftig noch öfters gönnen möge. Womit auch wieder die „Wie lange noch beim BAZG?“-Frage anklingt. Meine Abmachung mit mir selber: Ich werde die Frage des Zeitpunktes in der Zeit zwischen meiner Rückkehr und Ende Jahr entscheiden. Damit ist es wieder platziert und ich komme wieder zurück ins hier & jetzt.

    Im Kremstal hat es viele Kirchen und alte Mauern, in unterschiedlichstem Zustand und variierender Grösse.

    Entlang der Donau hat es auf der Höhe von Krems eine sehr grosse Ebene, so dass wir bei der Routenwahl aussuchen können, wie viel Aufstiege wir einbauen wollen und ob überhaupt. Durchs Waldviertel-flach-Training fit geworden, wählen wir oft auch hügeligere Passagen, weil sie abwechslungsreicher sind, durch die Rebberge sowieso.

    Zu Krems wissen wir noch gar nichts, ausser dass es am Donauradweg liegt, was mitten auf dem Weg stehende, „mittelhoch- bis Silverage-jenseitige“ Alters-Gruppen von eBike-Fahrer:innen mit Geduldsproben-Charakter für mich bestätigen. Übrigens, ich gestehe, dass ich an dieser Geduldsübung regelmässig scheitere, was ich aber – immerhin – nicht lautstark kundtue…

    Um so erfreulicher der Eindruck, den wir bereits auf Anhieb von Krems gewinnen. Die Fahrt durch die Altstadt-Gässchen, von denen es auch ausserhalb der Fussgänger:innen-Zone eine ganze Menge hat und vor allem auch der Kunst-Meile gefallen uns sehr. Eine weitere Entdeckung, so dass wir Krems auf unseren Radar beziehungsweise unseren Ideenfundus für mögliche künftige Reisen nehmen. Altersbedingt werden für uns vor allem auch Optionen, die mit ÖV und Klappis erfahrbar sind, immer interessanter. Und davon gibt es einige mehr als mit dem Tandem, für das es kaum noch Transportmöglichkeiten im Zug gibt. Na ja, so lange es so valable Alternativen gibt, auch ok. Für ab Haustüre aus eigener Kraft erreichbare Ziele das Tandem und Fernreisen als ÖV- oder auch Flixbus- und Klappi-Variante. Warum nicht?

    Die Kulturmeile begeistert mich. Zuerst wird mein Blick von Plakaten des Karikaturmuseums angezogen. Oh, da ist ja gleich das Museum selbst, das Heinz und mir eine „toxische Bankerl“-Geschichte beschert, die zu erzählen ich gerade keine Zeit habe. Schon nur von aussen erkundet und mit einer Runde durch den Museumsshop ist meine Aufnahmekapazität für den Moment erschöpft. Auch so eine spannende Erfahrung auf dieser Reise. Je mehr Zeit und Musse ich habe, desto offener lasse ich mich auf alles ein, was mir begegnet. Mit dem Effekt, dass ich überall Sehenswertes entdecke, was danach ruft, erkundet zu werden, was wiederum Zeit und Musse erfordert. Wo einlassen, wo vorbei ziehen lassen, wo und wann wieder los- und ziehen lassen? Ein ganz neuer Rhythmus mit Fragen, die so im Leben-B(üro)-Alltag keinen Platz haben. Und mein Bewusstsein dafür schärfen, dass ich schon länger und zunehmend eine Grenzgängerin bin, in den nach teilweise sehr unterschiedlichen Regeln funktionierenden Welten, und denen ich lebe.

    Unsere Beute aus dem Museumsshop sind ein paar sprach-witzige Karten, die sich in den nächsten Tagen auf die Reise in die Schweiz machen – wie wir übrigens auch. Wir allerdings nicht auf dem Postweg 😂.

    Damit ihr auch was zum Lachen habt – eine Bildstrecke vom Museum:

    Und noch ein paar Karten-Müsterchen:

    Die Kulturmeile und Krembs haben noch viel mehr zu bieten.

    Nicht nur schöne, witzige und unterhaltsame Anregungen. Da werden auch andere Seiten gewürdigt, aufbereitet und gezeigt, die ebenso dazu gehören zum Leben und zu unserer Geschichte.

    Nach diesen – einmal mehr – intensiven Eindrücken, verlassen wir die Stadt und fahren durch Rebberge, die hier teilweise auf natürlich entstandenen Lössterrassen wachsen.

  • 13./14. August 2025 – Jilhava / Iglau + 14.-16. August – Hardegg

    4:13 Uhr steht auf der Bildinformation zur ersten Aufnahme von heute.

    Wir packen das Tandem und fahren sehr zeitig los. Eine clevere Entscheidung, in mehrfacher Hinsicht: die besondere Stimmung des erwachenden Tages, Ankunft am Zielort vor der grossen Hitze und dort viel Zeit für eine gemütliche Siesta und einen Bummel, um einen Eindruck des Ortes und vielfältige Impressionen zu gewinnen. Eine überaus lohnende Bilanz.

    der Tag kündigt sich an

    Sonne heisst immer auch, dass wir inklusive Begleitteam unterwegs sind.

    Die Strassenqualität ist unterschiedlich. Nur, was den Belag angeht; Verkehr hat es auf keiner nennenswerten.

    Wir fahren durch wenig besiedelte Gegenden. Trouvaillen finden sich auch hier.

    Wir sind heute viel auf Verbindungsstrassen unterwegs, ein gutes Stück davon auf der 4155.

    Ich mag diese Überlandstrecken ganz besonders, wenn es überall „Rugeli“ hat. Davon sehen wir heute einige, Heu- und Strohrugeli.

    Die 4155 ist eine in mehrfacher Hinsicht sehr abwechslungsreiche Strecke – und nicht immer ganz ohne. Die Brücken-An-und-Wegfahrt schaffen wohl nicht alle, ohne streckenweise zu stossen. Das galt auch für uns, zumal es stellenweise ziemlich steil ist. Wunderschöne Route. War übrigens auch angekündigt; wir haben das Kleingedruckte nicht gelesen bzw. nicht übersetzen lassen ;-).

    Nach einem kurzen Stück auf einer verkehrsreicheren Strasse wechseln wir auf Route 19, die auch via eine Extra-Velo-und-Fussgänger:innenbrücke erschlossen ist. Sie führt durch Okrouhlice, wo das alte und das neuere Bahnhofgebäude nebeneinander stehen, beide offenbar auch bewohnt.

    Die 19 ist streckenweise unbefestigt oder sogar nur ein Feldweg. Wir haben bis zuletzt kein Muster erkennen können und sind insbesondere hellhörig geworden, wenn etwas nur mit „Strassenbelag“ bezeichnet worden ist; da war zwischen Asphalt und gröbsten Rüttelstrecken alles vertreten. „Loser Untergrund“ ist immerhin ein klarer Hinweis, wenn auch da die konkreten Verhältnisse sehr unterschiedlich sein konnten; von fast nicht fahrbarem groben Kies bis ganz ok.

    drei 19er Abschnitte

    Muss jemand wieder mal zum Coiffeur? In unserem Team hatte es mindestens ein Mitglied… Hier ein paar Frisurenvorschläge, je nach Haardichte, gewünschter Farbe etc.

    Er hat sich für etwas Konventionelleres entschieden… Sicher pflegeleichter 🤭.

    So, jetzt ist es nicht mehr weit und wir können auch dieses Mal wieder früh einchecken. Bei dieser Hitze freuen wir uns ganz besonders auf die Dusche und ein hoffentlich einigermassen kühles Zimmer.

    Oh, da hat es einen wunderschön blühenden Ranunkelbusch – für Insider: Grosle-Blüemli.

    Das nächste Bild täuscht. Dieser Spezialzugang geht auf eine grosse Strasse, allerdings bald mit sehr gut konzipiertem und ausgebautem Radweg daneben. Nur das allerletzte Stück ist dann wieder etwas anspruchsvoller, was an der Kombination von Planung und nicht immer ideal gelesener Route lag.

    Und dass Jilhava, auf Deutsch Iglau, auf einem Hügel über dem Fluss liegt, dem wir zuletzt entlang gefahren sind.

    Fun Fact: Der Name „Jihlava“ stammt vermutlich vom altslawischen Wort jehla (Nadel) – eine Anspielung auf die scharfkantigen Steine im Flussbett, die an Igelstacheln erinnern. Daher auch der deutsche Name „Igel“ für den Fluss.

    Zu unseren GPS habe ich keinen Fun Fact. Entscheidet selber, welchem ihr glaubt. Ich bin inzwischen bescheiden dankbar, wenn jeweils mindestens einer laufend anzeigt, wo‘s durch geht…

    Was sicher stimmt, wenn wir den geplanten Werten glauben. Die Strecke war über hundert Kilometer, hatte einiges an Steigungen drin. Zusammen mit heiss, zeitweise Gegenwind und Naturbelägen: nid schlächt! Und weil wir trotzdem bereits kurz nach Mittag in Jilhava sind, ist da noch viel Tag für Siesta, eine Runde durchs Städtchen und ein feines Nachtessen.

    Die Pension ist ein weiterer Glückstreffer. Die Betreiberin, eine Italienerin, erzählt uns ganz stolz, dass sie bereits vor über 20 Jahren in der Schweiz Ferien gemacht habe. Damals, als alle noch mit gerunzelter Stirne gefragt hätten: In die Schweiz, wieso dass denn?! Und sie bietet uns Kaffee, was Kaltes zu trinken und jegliche Hilfe, falls benötigt an. Das Zimmer ist geräumig und bestens ausgestattet, inklusive Kühlschrank. Also gehe ich nach der Dusche noch einkaufen, damit wir morgen, wenn‘s wieder sehr früh los geht, mit Birchermüesli für unterwegs versorgt sind. Weil wir Velorouten nehmen und sehr früh unterwegs sind, kann es dauern, bis wir eine Gelegenheit zum Kaffee trinken oder etwas einkaufen finden.

    So, jetzt noch ein paar Impressionen zu Iglau und dann geht‘s zu Don Vito.

    Stop, da hätte ich ja fast noch jemanden vergessen.

    Gustav Mahler, der hier anders geschrieben wird

    So, jetzt sorgen wir für unser leibliches Wohl. Zum Beispiel mit einer Pizza, die mit einer Schere zum Schneiden serviert wird. Was es nicht alles gibt.

    Zurück schlendern und vielleicht gibt es ja noch irgendwo ein Bettmümpfeli.

    14. August 2025 – Jilhava – Hardegg

    Die Sommerhitze ist definitiv in Tschechien angekommen. Da es nachts immer noch unter 20 Grad abkühlt, was hoffentlich so bleiben wird, nutzen wir die frühen Morgenstunden, um möglichst viele Kilometer und Steigungen ohne Hitzeschlag zu schaffen.

    Städte schlafen nie ganz; es hat immer irgendwo Licht. Das ist auch in Iglau so.

    Kurze Hosen, Sandalen, ein T-Shirt und ein super-leichter Windschutz beziehungsweise Armlinge genügen bereits. Weil es noch so früh ist, haben wir uns auf den ersten 10 Kilometern für eine Hauptstrasse entschieden. So wie gestern, mit zwei Furthen auf den ersten Kilometern, geht nur, wenn diese nicht überraschend kommen.

    Noch sind der Mond und einzelne Sterne oder wohl eher Planeten sichtbar. Doch der Morgen kündigt sich deutlich sichtbar an.

    Erstaunlich, wie wenig Licht das iPhone braucht, um sogar in Bewegung, einigermassen scharfe Bilder hinzubekommen.

    Inzwischen hat sich der Himmel deutlich gerötet; wird wohl nicht mehr lange gehen, bis die Sonne auftaucht.

    Im Dunkelmodus ist gut sichtbar, dass es auf der heutigen Strecke netto abwärts gehen wird, allerdings mit vielen kleinen Aufs und Abs.

    Es schlägt halb sechs Uhr und die Röte am Horizont ist nur noch bei Weitwinkel-Aufnahmen zu sehen.

    Dort zeigt sich jetzt auch die Sonnenscheibe, die schnell steigt.

    Grosse Felder und noch grössere Wiesen. Ich liebe sie besonders mit „Rugeli“ drauf.

    Ein Kaffee wäre nett, zumal es zwar nicht kalt ist, aber bei gefühlten Temperaturunterschieden von mehreren Graden zwischen Kaltluftseen in Senken und deutlich milderer Luft auf den höher gelegenen Ebenen fröstelt es mich ziemlich. Tankstellen sind rar gesät und in die Coops öffnen nur mancherorts bereits so früh. Heisse Getränke gibt es dort leider ohnehin keine. Dann eben einfach so eine kurze Pause.

    Die Landschaft ist flacher und weiter als sie bisher die meiste Zeit gewesen ist. Zwar hat es immer noch einige Hügel, aber deutlich weniger Aussichtstürme. Auch Schlösser und Burgen sind nicht mehr so dicht gesät. Moment mal, ob das eine Burg oder Ruine ist? Wäre ein sehr grosser Klotz. Von blossem Auge ist der Umriss schon lange zu sehen; die Kamera braucht etwas länger.

    Kirchen und andere Sakralbauten hat es immer noch viele, wenn auch deutlich weniger barocke und grosse als bisher. Scheint insgesamt eine etwas „bescheidenere“ Gegend zu sein.

    Langsam wird es heiss und die weiten Flächen bieten auch viel weniger Schatten als die bisherigen, eher waldigen Gebiete. Inzwischen sieht man den Landschaftsfarben auch an, dass es seit Tagen nicht mehr geregnet hat. Traktoren und andere Landmaschinen wirbeln Staub auf und ziehen Staubwolken hinter sich her.

    Schloss Vranov lassen wir rechts liegen, obwohl wir genug Zeit hätten und biegen lieber links ab, Richtung Hardegg.

    Das letzte Stück führt durch Wald, einen Naturschutzpark auf der tschechischen Seite. Dass es auf der österreichischen Seiten ebenfalls einen hat, werden wir auch noch herausfinden.

    Wir sind froh, dass wir bereits am Mittag einchecken können. Wir freuen uns vor allem auf die Dusche und stellen erfreut fest, dass es in den Räumen angenehm kühl ist. Obwohl nicht klimatisiert, sogar so, dass wir innen zeitweise etwas Langärmliges überziehen. Mit etwas Recherche finden wir heraus, dass das Haus 2018 kernsaniert worden ist; wie alt es insgesamt ist, erfahren wir nicht.

    Nach einer Dusche, unserem schon fast obligaten Birchermüesli – doch, doch, Heinz mag das auch – und einer Siesta, sind wir bereit für einen Dorfrundgang. Türme hat sie einige, die kleinste Stadt Österreichs, wie sie sich selber nennt.

    Der Uhrenturm ist noch nicht zugänglich. Sie sind in Hardegg laufend daran, ihre alten Gebäude zu renovieren und zugänglich zu machen. Da steckt viel Herzblut und Freiwilligenarbeit drin. Was uns beeindruckt hat, ist, dass fast alles kostenlos und oft sogar rund um die Uhr oder zumindest mit langen Öffnungszeiten zugänglich ist.

    Das Schloss ist eine Ausnahme; da sind wir zumindest heute zu spät. Vielleicht morgen.

    Also weiter zur Kirche. Da gibt‘s auch einen Zugang von ausserhalb des Schlosses her.

    Neben der Kirche steht ein dicker Rundturm. An sich sind alle Sehenswürdigkeiten in einem Rundgang zusammengefasst und beschrieben. Es gibt sogar einen Audiorundgang dazu; leider konnten wir die App nicht runterladen. Also gehen wir einfach etwas der Nase nach.

    Oh, das schauen wir uns genauer an.

    Einfach so zugänglich, ohne spezielle Sicherung, ohne, dass gross auf Videoüberwachung oder irgend welche Verbote – unter Strafandrohung – hingewiesen wird. Dieses Hardegg, dass von vielen Tourist:innen besucht wird, strahlt etwas besonderes aus. Umso erstaunlicher, wenn man um die Geschichte und die unmittelbare Nachbarschaft zur ehemaligen Tschechoslowakei weiss.

    Die Ausstellung ist sehr sympathisch, informativ und offensichtlich – wie alles, was in Hardegg Stück für Stück aufgearbeitet und vor allem für Interessierte aufbereitet und bewahrt wird – von vielen Freiwilligen und mit Donationen von Zeitzeug:innen geschaffen. Von Letzteren leben noch einige in diesem Städtchen, das – nur den Stadtteil Hardegg selber genommen – lediglich 86 Einwohner:innen hat (Stand: 1. Januar 2025). Zusammen mit den umliegenden Ortsteilen sind es ebenfalls nur rund 1‘300. Schon faszinierend, wie so ein winziger Ort eine so grosse Geschichte und Bedeutung haben kann.

    Unglaublich spannend, weshalb wir auch ohne Audio- und sonstigen Führer noch weiter nach Tafeln und anderen Hinweisen suchen.

    Einige sprechen für sich.

    Und auch das „moderne“ Hardegg und was sie anbieten, zeugt von grossem Gemeinschaftssinn.

    Für heute schliesse ich mit einem feurigen Blumengruss.

    (Hier fehlt noch der 2. Tag in Hardegg mit
    – Sonnenaufgang-Spaziergang und
    – Kräuterfest
    )

  • 16.-18. August 2025 – Slavonice zum 2.

    Was mir erst jetzt beim Schreiben auffällt: Wir sind heute vor fünf Wochen gestartet, also in der Hälfte unserer Reise – und haben gestern quasi die Rückreise begonnen. Das hatten wir bei der Planung der offenen Zeit nicht im Auge. Dreh- und Angelpunkt dafür ist der Programmpunkt Fratres. Ich habe bei unserem ersten Aufenthalt in Slavonice, einer von nur zwei Orten, von denen ich bereits bei der Tourenplanung wusste, dass ich unbedingt hinmöchte, irgendwo einen ziemlich unscheinbaren Flyer gesehen, der mich sehr angesprochen hat. Heinz konnte sich den Besuch von Fratres am 16.8. ebenfalls vorstellen. Ich habe dann noch per Mail nachgefragt, weil mir nicht klar gewesen ist, ob wir Tickets brauchen und wie wir dazu kommen. Ein sehr sympathischer Mailwechsel. Wir haben dann irgendwann die bisher noch unverplante Zeit nach Kutna Hora so konkretisiert, dass wir am 16.8. in Fratres sein können. Ein erfreulicher Nebeneffekt davon: So komme ich doch noch in den Genuss einer Prise Filmfestival in Slavonice, mein bereits ursprünglich favorisisiertes Aufenthaltsdatum.

    Doch zuerst die frühmorgendliche Fahrt von Hardegg nach Slavonice.

    Frühmorgens loszuradeln hat seinen ganz besonderen Charme. Heute war das erste Mal auf unserer Tour der Sattel feucht vom Morgentau. Ok, meistens war das Tandem irgendwo geschützt untergebracht.

    Kurz ausserhalb des Städtchens ein Verkehrsschild, das ich leider, leider nicht fotografiert habe. Vielleicht könnt‘ihr euch anhand meines Kommentars dazu vorstellen was darunter geschrieben stand.

    Was stand da drunter?!

    Mein Kommentar hätte gelautet: „xxx?! Sicher nicht! Ich finde, dass die Strasse sauber genug ist. Und wenden will ich schon gar nicht!

    So früh morgens kommen uns nur wenige tschechische Fahrzeuge entgegen, wohl auf dem Weg zur Arbeit in Hardegg, das nur über eine Anfahrt via Österreich erreichbar ist. Die Thayabrücke ist für den Autoverkehr gesperrt.

    Zwischen erster Morgendämmerung und Sonnenaufgang vergeht einige Zeit. (@Heinz: erinnerst du dich?) Der Sonnenaufgang selber geht flott.

    Sonnenaufgang heisst kurz später auch immer Dienstantritt für unser Begleitteam.

    Heute pendeln wir den ganzen Tag zwischen Tschechien und Österreich. Ganz konkret und auch in gedanklichen Ausflügen.

    Beidseitig der Grenze gibt es Karpfenteiche – und damit Wasservögel, die sich gerne bequem mitfüttern lassen. Die Federviehpopulation variiert, was sich jeweils bereits akustisch ankündigt. Gänse und Enten schnattern hörbar anders – in der entsprechenden Anzahl ergeben beide eindrückliche Hörkulissen, wenn sie von einem Tandem aufgescheucht werden sowieso!

    Die nächsten Tage bewegen wir uns wieder im Thayaland, eine landschaftlich, kulturell und auch von den Menschen her sehr abwechslungsreiche und vielseitige Gegend.

    Die Landschaft im Thayaland variiert zwischen viel Ruhe ausstrahlender Weite, sanften Hügellandschaften, idyllischen Strecken an Flussläufen und Weihern entlang, angenehm kühlen und würzig duftenden Waldstücken. Ein Sinnenfest, das sich auch im kulinarisch ansprechenden, vielfältigen Angebot wiederspiegelt. Grenzregionen haben schon ihre ganz besonderen Reize, was mir als Bewohnerin des Dreiländerecks in Basel gerade wieder einmal bewusst und dankbar machend auffällt.

    Wir sind einerseits flott und andererseits mit viel Zeit und Musse für Foto- und andere Halte unterwegs.

    Das Kinderfahrrad im Hintergrund, das Haus und die Mülltonne sind alle auch in gelb. Ob das wohl jemandes Lieblingsfarbe ist 🤔? Ganz sicher ist es, was den Fuhrpark und beispielsweise auch Sonnenblumen angeht, DIE präferierte Farbwahl einer lieben Freundin von mir. Ein Extra-Gruss an dich, Cara! Die du auch eine meiner Lieblingsleserinnen bist, weil du offen und bereit bist auf Rätsel einzusteigen, andere Inspirationen aufnimmst und mir so oft Kommentare und Ergänzungen schickst, die mich bereichern und mir oft ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Danke für deine Freundschaft!

    Was das Trike für mich sehr sympathisch macht, sind die beiden Kinderfotos von zwei Mädchen hinten drauf. Scheint ein Familienvater zu sein, der viele seiner Interessen und Facetten zu leben scheint. Faszinierend. Ob ich mal nach Synonymen dafür suchen sollte…

    Ach ja, DIE gehören leider auch dazu, zum Landschaftsbild, auf der tschechischen Seite. Muss eine in vielerlei Hinsicht schreckliche Zeit gewesen sein, an die sie heute noch mahnen. Mir kommt dazu der Titel eines Filmes in den Sinn, den ich vor Jahren mal gesehen habe: Angst essen Seele auf.

    im Umkreis von wenigen hundert Metern

    Am Abend habe ich ein Gespräch mit einem Mann geführt, der hier aufgewachsen ist und mir Geschichten erzählt hat, auch von Hardegg und den politischen Verwerfungen und Dramen, die verirrte Wanderer oder andere Menschen ausgelöst haben, welche die tschechische Grenze in der Zeit des kalten Krieges unbeabsichtigt oder auch nicht, überschritten haben. Solche Zeitzeugen und persönlichen Geschichten lassen teilweise monströse und menschlich sehr tragische und wohl auch über Generationen wirkende Dimensionen aufscheinen und verursachen mir Hühnerhaut. Für die Betroffenen Erfahrungen mit denen sie im Alltag auf die eine oder andere Art zu leben gelernt haben, für mich manchmal sehr unerwartete Einblicke in eine Realität, mit der ich zu meinem grossen Glück nie konfrontiert worden bin. Doch zurück nach diesem thematischen und bewegenden Ausflug in eine vergangene, aber nachwirkende Zeit in mein hier und jetzt.

    Es ist erst kurz nach 8 Uhr, also viel Zeit, bis wir um 11 Uhr einchecken können. Kein Problem in einem Ort wie Slavonice.

    Zuerst ein Kaffee an einem vertrauten Ort, dann einen zweiten und etwas zum Frühstück im ebenfalls bereits vertrauten Spolkový dům Slavonice, wo es ein gutes Internet hat und auch sonst angenehm und spannend ist. Dieses „Deutsche Haus“ oder auch einfach „Vereinshaus“, wie es ebenfalls genannt wird, ist ein bemerkenswerter Ort. Hier mehr dazu auf Englisch.

    So, inzwischen eingecheckt, frisch geduscht und mit Regensachen im Rucksack, weil – je nach App – heftige Gewitter angesagt sind.

    Wir essen noch von den feinen Palatschinken in einem der Keramik-Cafés und sind dann ready für den Hauptgrund unseres zweiten Stops in Slavonice.

    Ab nach Fratres, das nur 2.5 km weg, drüben in Österreich liegt. Heute wird dort das 30-jährige Jubiläum der Kulturbrücke mit einem abwechslungsreichen Programm gefeiert.Wir werden von Monika (?) und von Peter Coreth, dem Besitzer und Stifter der Idee und – mit Ausnahme der Afrika-Donation – aller Exponate im Museum Humanum begrüsst.

    Wir sind extra frühzeitig gekommen, um Zeit für das Museum zu haben. Peter gibt uns eine kurze Einführung: das Museum ist thematisch in fünf sogenannten Arkaden aufgebaut, ein sehr ansprechendes Konzept.

    Arkadenplan Museum Humanum

    Peter Coreth hat – unter anderem auf seinen Reisen als Journalist – eine beeindruckende Sammlung von rund 6000 Exponaten zusammengetragen. Ich habe viele Fotos gemacht, auch von den informativen, anregenden und sehr ansprechend formulierten Erläuterungen zu den Arkaden und den Arkaden. Eine Auswahl zu treffen fällt mir gerade schwer, deshalb hier der Link zum Museum. Wann ich wohl die Zeit und Musse haben werde, einzelne Texte nochmals zu lesen? Oder für einen weiteren Besuch dieses so besonderen Ortes?

    Ach ja, die Afrika-Donation. Wir sind gleichzeitig mit Familienmitgliedern von Monika und Peter angekommen und begrüsst worden. So hat es sich ergeben, dass ich mit – uups, den Namen habe ich leider bereits wieder vergessen – ins Gespräch gekommen bin und einige Insider-Infos zur Ausstellung und den Herausforderungen, die sich damit und überhaupt rund um die Bewahrung des Erbes von Peter stellen, erfahren habe. Eine bereichernde und sehr sympathische Begegnung. Wie an diesem Nachmittag und Abend noch viele folgen werden. Ich wechsle auch ein paar Worte mit Erika Pluhar.

    Was auch nachklingt: Puh, bin ich froh, dass mein Leben und mein Nachlass ziemlich übersichtlich sind.

    Nach einem Eindrücke-sortierenden Spaziergang auf dem Gelände

    und weiteren interessanten Gesprächen mit unter anderem Hannes Fröhlich oder dem technischen Verantwortlichen des Anlasses, der beruflich für den Thaya-Radweg arbeitet, suche ich mir einen Platz in der Veranstaltungsscheune. Auch hier: Afrika, Afrika, Afrika.

    Ein paar kurze einführende Worte von Jana Zoglauer-Vinšová, eine der vielen Freiwilligen, welche die Kulturbrücke betreiben und der Moderator Reinhard Linke, startet sein Gespräch mit Erika Pluhar. 1939, derselbe Jahrgang wie meine Mutter. Wortgewandt, direkt, lebenserfahren – und sehr unterhaltsam. Die Lesung: berührend. Das Buch: ein Lesetipp.

    Nach der Lesung eine halbe Stunde Pause. Das grosszügige Buffet ist geöffnet. Wie alles, das von der Kulturbrücke veranstaltet wird: auf Spendenbasis. Weiter geht‘s mit einem Rückblick auf 30 Jahre Kulturbrücke. Was da alles auf die Beine gestellt und veranstaltet worden ist: beeindruckend. Nach einer weiteren kurzen Pause das Konzert mit Václav Merla, ein weiteres Highlight.

    Lust auf eine Kostprobe?

    Viel Schlussapplaus, ein paar abschliessende Worte und die Einladung, bei einem Glas Wein und Häppchen vom Buffet ins Gespräch zu kommen: Kulturbrücke in Aktion. Wir folgen der Einladung gerne – und werde vom Kommunikationsmensch der Kulturbrücke angesprochen, mit dem ich im Vorfeld der Veranstaltung gemailt habe. Eine weitere sehr sympathische Begegnung. Und natürlich darf er ein Foto von uns und dem Tandem machen; zum Glück sind wir weniger staubig als unser Stahlross 😉.

    Beschwingt radeln wir retour nach Slavonice. Der Regen scheint eher in Richtung Waldighofen zu fallen. Nach Gewittern sieht‘s gar nicht aus.

    In Slavonice ist noch echt was los, sogar bis in die Morgenstunden, wie wir noch merken werden. Entspannte Stimmung, cooler Sound – ich habe schon viel zu lange nicht mehr getanzt. Heinz geniesst derweil einen Schlummertrunk.

    Wir sind müde. Andere noch lange nicht.

    17. August 2025 – hin & weg

    Mal keinen Wecker zu stellen ist auch schön. Zwar wachen wir früh auf, aber nehmen‘s sehr gemütlich. Beim zweiten Kaffee passiert mir ein peinliches Malheur; unsere Landlady reagiert sehr unkompliziert und wir können den Ersatz des Wasserkochers einfach bezahlen.

    Zeit für das Müesli, damit wir nicht hetzen müssen. Uups! SO schnell kommen wir hier nicht weg.

    Ganz überraschend kommt das nicht; der Pneu hat die letzten beiden Tage schleichend Luft verloren. Über Nacht ist ihm die Puste gänzlich ausgegangen. Weil aller guter Dinge drei beziehungsweise bezogen auf den Schlauch zwei sind… Doch lassen wir das und fahren los Richtung Litschau, wo wir letztes Jahr einen Kaffee getrunken haben, nichts mitbekommend von den kulturellen Schätzen dort.

    Schon die Fahrt ist ein pures Vergnügen. Trotz Gegenwind geht‘s flott. Die Temperaturen sind angenehm, die Strassen praktisch leer und die Landschaft eine Augenweide.

    Wir sind früh genug vor Ort, um uns umzuziehen, ein wenig umzusehen und noch etwas zu trinken. Der Festivalort ist ein am Herrensee gelegenes, zum Baden und vielem mehr einladendes und clever konzipiertes Theater- und Feriendorf. Wir sind hier für das Festival HIN & WEG, konkret für „Schubert unrasiert“. Hin & weg passt. Das bin ich vom Ort und nach der Vorstellung dieser vier multi-talentierten jungen Menschen sowieso.

    Noch Kaffee und Kuchen beim „Dorfwirt“, der eine sehr ansprechende Karte hat – Knopf ins Nastüechli für ein anderes Mal – und dann geht‘s durch das goldige Abendlicht retour nach Slavonice.

    Hier entdecken wir ein weiteres Restaurant, wo wir nicht nur fein essen, sondern auch den Ort sehr spannend finden.

    Noch ein paar Fotos im warmen Abendlicht und dann neigt sich auch dieser Tag Richtung Dusche, die Weiterfahrt vorbereiten und Bettenhausen.

  • 3.- 8. August 2025 – Brno (Brünn)

    Weiterreise von Břeclav nach Brno. So kühl wie es nach wie vor ist, können wir uns vor der Abfahrt noch gemütlich am Frühstücksbuffet stärken. Der Blick nach draussen zeigt Sonne und trocken. Beste Verhältnisse also.

    Ein letzter Blick auf den Brauereiturm, der uns die letzten beiden Tage auf unseren Rundtouren immer sicher zurück geführt hat. Solche Orientierungspunkte sind praktisch. Ebenfalls ein letztes Mal, zumindest für diesen Sommer, ein Stück auf der Route 41, sozusagen durch Liechtensteinisches Land und die gut gepflegten Waldgebiete mit ihren vielen Wasserläufen.

    Wir halten ein erstes Mal nach dem Wald, weil da viele Störche auf der Wiese sind. Heute scheint ein Vogeltag zu sein. An der Thaya sehen wir viele Möwen und Reiher. Die Beach wird gerade für den Tag eingerichtet und sieht sehr ansprechend aus. Zum Baden ist es allerdings noch deutlich zu kühl, obwohl bereits nach 9 Uhr ist.

    An der Thaya sind wir schon einige sehr schöne und auch sehr unterschiedliche Strecken gefahren. Wir nehmen ein Stück den Dammweg, weil er so einladend ist. Ok, nicht was die Fahrqualität angeht.

    Ein Mirabellen-Znüni-Halt muss auch sein. Mir schmecken die gelben am besten.

    Wir sind weiterhin in einem Weingebiet. Das Mikulovska-Signet ist neu für uns, die 5043 auch.

    Es wird fleissig renoviert. In vielen der Gegenden, durch die wir kommen, sieht es nach wirtschaftlichem Aufschwung aus.

    Die meisten Weinberge sind eingehagt. Ausser Reben sieht man viele grosse Sonnenblumenfelder in unterschiedlichen Reifestadien.

    In dieser offenen Gegend sieht man Burgen und Schlösser von weitem. Es hat auch viele. Je nach Streckenführung sehen wir sie von nahe; so genau kann ich das jeweils nicht einschätzen, weshalb manchmal auch schwierig zu entscheiden ist, ob sich ein Foto lohnt. Zum Glück kann ich als Stokerin im Fahren fotografieren, was die Entscheiden einfacher macht. Im Zweifelsfall fotografieren und allenfalls später wieder löschen. Die Art der Alltagsfotografie hat sich durch die Handys schon sehr verändert. Als wir noch Filme kaufen und bei jedem Bild entscheiden mussten, ob sich ein Abzug lohnt, haben wir schon viel selektiver fotografiert.

    Ein typisches Bild. Hügel etwas drauf. Oft Sendetürme, die mit ihren rot-weissen Farben gut erkennbar sind, manchmal Aussichtstürme, die in Tschechien sehr beliebt zu sein scheinen und manchmal historische Gebäude. Hier – für das blosse Auge von weitem erkennbar – ein Sendeturm und etwas Historisches, vermutlich gut erhalten.

    Wir begegnen vielen sakralen Bauten aller Gattungen und in sehr unterschiedlichen Formaten. Hier zum Beispiel gleich am Strassenrand, in eher handlicher Grösse. Von weitem ist die Grösse, je nach Perspektive, manchmal schwierig einzuschätzen.

    Rechts sieht man bereits seit geraumer Zeit einen grossen See, den Novomlýnská nádrž. Das ist der unterste von drei grossen Stauseen, direkt unterhalb der Pálava-Hügel, auf denen auch die Burg liegt.

    Von der Navikarte her kann ich nicht einschätzen, ob wir ihn über eine lange Brücke oder einen Damm überqueren werden. Ah, ok, sieht nach einem Damm aus. Wäre für eine Brücke auch etwas lange gewesen.

    Noch ein kleiner archäologischer Einschub: Beim mittleren Stausee, dem Věstonická nádrž, wurde die Venus von Dolní Věstonice gefunden. Das ist eine nur etwa 11 cm große Tonfigur einer Frau, deren Alter auf rund 29.000 Jahre geschätzt wird. Sie gilt als die älteste bekannte keramische Skulptur der Welt. Keramik haben wir auf den bisherigen Etappen viel gesehen. Vermutlich nicht alle so langlebig.

    Auf der anderen Seite des Damms wird es wieder hügeliger, bleibt aber sehr weitläufig. Bei der folgenden Collage müsst ihr selber auf der Tafel nachlesen, um was es sich handelt – oder einen KI-Übersetzer fragen ;-). Schön gelegen ist die Skulptur auf alle Fälle platziert.

    Wir nähern uns langsam Brno, das zusammen mit all seinen Vororten ein sehr grosses Gebiet umfasst. Die vielen ausgeschilderten Velorouten und weiteren Informationen künden eine Velo-freundliche Gegend an, was wir nach den nächsten Tagen mit mehreren Touren im Umland überzeugt bestätigen können.

    Schon letztes Jahr sind wir bei der Anfahrt Richtung City vielen Graffitis begegnet; typischerweise sind es in Tschechien weniger figürliche, sondern mehr BuchstabenGraffitis.

    In Brno schauen wir uns eine erste Skulptur an, essen eine sehr feine Suppe in einer coolen Ramenbar und freuen uns über die sehr lebendig und trotzdem entspannt wirkende Stadt.

    Weil es immer noch einen Moment dauert, bis wir in die Wohnung können, setzen wir uns in den schönen Park mit Blick auf das Tandem, das direkt vor unserer Unterkunft wartet.

    Ausnahmsweise sind sich die Navis statistisch ziemlich einig. Hoffentlich bleibt das so.

    Der Blick über die Stadt und die Umgebung aus unserer Bleibe für die nächsten fünf Tage. Wir lieben es schon jetzt.

    Was für eine Aus- bzw. Übersicht

    In zehn Minuten spaziert es sich gemütlich ins Stadtzentrum. Das Tandem ist mit Genehmigung unseres jungen Gastgebers, dessen Mountainbike auch bei ihm im Schlafzimmer steht zu einem Mitbewohner avanciert und logiert in der geräumigen Küche. Dorthin trägt es Heinz buchstäblich auf Händen.

    Eingerichtet und frisch geduscht, ziehen wir los, um einzukaufen und bei der TouriInfo vorbeizuschauen. Dort decken wir uns mit Ideen für die nächsten Tage ein. Wahrlich eine Stadt in der sehr viel läuft – im Sommer sowieso. Und als Unistadt ist sie jung und locker drauf.

    ****************

    Chronologie? War mal… Willkommen im Brno-Basar der Eindrücke! Die folgenden Brno-Episoden halten sich nicht mehr an die Reihenfolge der Ereignisse. Stattdessen springe ich thematisch, emotional oder einfach nach Lust und Laune – ganz wie Brno selbst: überraschend, bunt und ein bisschen chaotisch.

    Euch erwartet eine – ausführliche – Mischung aus Morgenrunden, Stadterkundigungen, gemütlichem Wohnen, ersten Überlegungen und einem Grobplan, was nach Kutna Hora folgt.

    Ich/Wir waren alleine, zu zweit oder zu dritt unterwegs – nein, im letzteren Fall waren wir genau genommen immer gleich zu fünft. Denn ausser einem kurzen Regenguss in der ersten Stunde nach Bezug unseres Logis ist es in und seit Brünn trocken geblieben – trotz zeitweilig anderer Ankündigung. Zunehmend wärmer ist es auch geworden, weshalb wir uns auch wieder auf frühe Morgenrunden verlegt haben, was sich sehr bewährt.

    Der Startpunkt: Gleich vor der Haustüre in der Pellicova, die Strasse, an der wir wohnen. Ich bin sie viele Male auf dem Weg zum Zentrum oder in die andere Richtung hin und her gegangen und habe jedes Mal etwas Neues entdeckt. Ich zitiere den Copilot, der sich auf Wikipedia bezieht: Die Pellicova ist eine charmante, historisch bedeutende Straße im Zentrum von Brno, direkt unterhalb der Festung Špilberk gelegen. Sie ist benannt nach dem italienischen Schriftsteller und Freiheitskämpfer Silvio Pellico, der von 1822 bis 1830 auf Špilberk inhaftiert war.

    Von Letzterem ein Bild auf einem möglicherweise etwas speziell anmutenden Gegenstand in diesem Kontext. Und doch so typisch für die Stadt, die ich in diesen wenigen Tagen kennen gelernt und mich dabei fast ein bisschen in sie verliebt habe. Ein Ferienflirt sozusagen.

    Liegestühle für gemütliche Pausen sind ein Markenzeichen des Brno-Sommers

    Die Liegestühle haben sehr unterschiedliche Motive, oft mit Bezug zum Ort, an dem sie stehen oder mit beispielsweise einer Festivalankündigung. Doch davon später nochmals. Zurück zur Pellicova und ein paar Trouvaillen, die ich ihr entlang gemacht habe.

    Ein hippes Mini-Café, das gleichzeitig etwas mit Velos zu tun hat. Fast täglich stand ein anderer, abgehalfterter Velorahmen, meistens Modell italienisches Rennrad, vor dem Schaufenster. Mini, aber oho!

    Oder dann steht da eine evangelische Kirche, die grafisch gut gestaltet über ihre Rituale, ihre Geschichte und einiges anderes informiert. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte… Etwas, das ich in Brno öfters gedacht habe und das SEHR nach Ich komme wieder schmeckt, wenn auch nicht mehr auf dieser Reise. Aber warum nicht mit ÖV oder Flixbus und dem Klappi. Oh, ich schweife schon wieder ab… Voilà die Kirchencollage.

    Gleich vis-à-vis führt eine Treppe auf eine untere Ebene, wo das Tram fährt.

    Brno liegt an und auf einem Hügel, der von Festung Špilberk überragt wird. Die Pellicova säumt den Hügel. Allerdings noch nicht am unteren Rand, weshalb die Häuser auf der Špilberk-abgewandten Seite auch noch 2-3 Stockwerke tiefer gehen, unter das Niveau, das sie von der Strassenseite her haben, an der die Hauseingänge liegen.

    Diese unterschiedlichen Ebenen machen Brno architektonisch sehr interessant, weil sich die Menschen beim Bauen sehr unterschiedliche Lösungen haben einfallen lassen, wie sie mit diesen Niveauunterschieden umgehen. Auf alle Fälle sehr kreativ. Zusätzlich zu den verwinkelten Gassen gibt es innerhalb von Gebäudekomplexen oft Rolltreppen, Lifts und auch konventionelle Treppen, welche die Häuser nicht nur verbinden, sondern es auch ermöglichen, die historische Stadt indoor zu erkunden. In Verbindung mit den vielen Innenhöfen, die dabei durchquert werden, ist es ziemlich anspruchsvoll, die Orientierung nicht zu verlieren. Oder zu verstehen, was mapy, das tschechische Google Maps, uns als Weg vorschlägt. Faszinierend, um das Wort wieder einmal zu benutzen ;-).

    Was das Bild auch zeigt und was gleichzeitig eher die Ausnahme ist: auch in Brno kann man sich nicht überall bedenkenlos auf Treppenstufen setzen und dort eine Pause oder sogar – auch mitgebrachte – Getränke und Picknick zu geniessen. Aber vielerorts, weil die Stadt zu jeder Tages- und Nachtzeit sauber und sicher ist. Die Eigenwerbung von Brno, dass sie eine der sichersten Städte Europas sei, scheint mir intuitiv möglich zu sein. Dazu tragen auch spezielle Projekte bei. Die Stadt betreibt beispielsweise das Projekt „Bezpečnější (was für ein Wort!) Brno“ – eine Plattform zur Prävention und Information über Kriminalität, Notfälle und Sicherheit im Alltag. Auch die Městská policie Brno ist sehr aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit und Prävention. Sichtbare Präsenz von Polizist:innen trägt bekanntlich zum Sicherheitsgefühl der Bevölkerung bei. Und – um wieder mal abzuschweifen 🤭😉 – ein netter Polizist hat uns in Waidhofen im Waldviertel – ihr erinnert euch vielleicht – ein sehr feines Café empfohlen. Das Stichwort Polizei nehme ich auf die Liste und komme nochmals darauf zurück, wenn ich euch mit auf den Špilberk nehme.

    Doch noch sind wir unterhalb in der Pellicova. Das Stichwort Tram, samt Bild, nehme ich auch auf die Liste. Uups, das wird eher ein Buchkapitel als eine Kurzgeschichte zu Brno.

    Vis-à-vis vom der evangelischen Kirche geht‘s nicht nur eine Ebene runter, sondern in die andere Richtung hat‘s gegenüber eine psychologische oder psychiatrische Klinik.

    Muss ich zuerst wieder finden

    Und diese Garage ist auch ganz in der Nähe, wobei ich den Lautsprecher als Bitte um „Zimmerlautstärke“ verstehe oder mir ansonsten keinen Reim darauf machen kann.

    erhellender Effekt

    Dann wäre da auch noch diese Inschrift auf einer Hauswand. Dass Google sie passend übersetzt hat, kann ich nicht garantieren. Manchmal sind seine Resultate ziemlich kurios; vor allem bei Speisekarten haben wir schon herzhaft gelacht und rätseln müssen, was damit wohl gemeint sein könnte. Eine zweifellos praktische App – und immer mal wieder mit stand-up-Comedy-Qualität.

    Wie ich mal in den Status gestellt habe; eine Stadt mit Tram ist mir schon alleine deswegen sympathisch. Es heimelet, obwohl die Fahrspur hier deutlich breiter ist, als bei uns.

    Ihr seht also: Eine Strasse fast mitten in der Stadt mit geradezu dörflicher Atmosphäre, die mich ans Im langen Loh in Basel erinnert. Die Architektur ist geprägt von einer Mischung aus Barock, Jugendstil und Funktionalismus. Nicht überraschend, dass diese malerische Kulisse gerne für Filme genutzt wird.

    Bild mit dem einen oder anderen Haus drauf

    So, jetzt nehme ich noch an andere Orte in Brno mit. Mal überlegen, welche alle.

    • Konzert(e)
    • Stühle
    • Skulpturen
    • Spielberg
    • Polizei-Ausstellung
  • 10. – 13. August 2025 – Kutná Hora

    Blick aus dem Zimmer; es dämmert bereits

    Für heute ist ein weiterer heisser Tag angesagt, weshalb wir den Wecker früh stellen, noch einen Espresso 😉 trinken und Žďár nad Sázavou bereits um 05:15 Uhr Richtung Kutná Hora verlassen. Frühmorgens loszufahren hat seine ganz besonderen Reize.

    Heute folgen wir ein gutes Stück der Route 5061. Wir haben diese 4-stelligen Verbindungsrouten schätzen gelernt, weil sie in der Regel sowohl direkt als auch landschaftlich schön und weitgehend verkehrsfrei geführt werden. Die Strassenqualität ist streckenweise etwas Glückssache, aber da wir Glückskinder sind, nehmen wir das – wenn nötig – mit Sportgeist und buchen die Schüttelstrecken als gratis Massagen oder zusätzliche Trainingseffekte.

    Zu Beginn fahren wir viel durch Wald, was zusammen mit der aufgehenden Sonne attraktive Lichtspiele zaubert. Verblassender Vollmond, mystische Nebelstimmung, neckische Lichtspiele – die Natur ist eine kreative Künstlerin.

    À propos Kunst, ob das ein Veloständer oder Kunst oder eine Kombination von beidem ist? Da sind wir nicht schlüssig geworden.

    Weiter durch den Wald, manchmal schattiger, manchmal sonniger. Wir sehen viele Aufforstungen, die alle gut geschützt werden müssen. Junge Baumtriebe scheinen Leckerbissen für das Wild zu sein.

    Stichwort Wild. Heinz hat ein gutes Auge – nicht nur für die Strasse und den Verkehr.

    rangezoomt – und entsprechend verpixelt

    Inzwischen ist nicht nur die Sonne da, sondern wir sind auch wieder ausserhalb des Waldes unterwegs, womit automatisch unser Team wieder komplett ist.

    Zeit für eine Kaffeepause ist inzwischen auch, was am Sonntag um 7 Uhr auf einer Strecke mit wenigen und kleinen Ortschaften nach Vorausplanung verlangt. Danke Heinz. Ganz nach dem Motto „cherchez la – nein nicht femme… – sondern station-service“, wie das auf Französisch so passend heisst. Auf Tschechisch heisst die Tankstelle übrigens čerpací stanice.

    Weiter geht‘s. Heute sind die Strassenbeläge unter anderem so abwechslungsreich und manchmal auch recht anspruchsvoll, weil einige Abschnitte sanierungsbedürftig sind oder gerade saniert werden. Zum Glück ist Sonntag, weshalb die Baustellen nicht in Betrieb und die Durchfahrten deshalb für uns möglich sind. Ob auch erlaubt, wissen wir nicht so genau…

    Die Strassen sind abwechslungsreich gesäumt, mit frisch gepflanzten Bäumen oder alt-ehrwürdigen Alleen, manchmal einheitlich, manchmal gemischt, oft essbar (Mirabellen gelb und rot, Zwetschgen, Äpfel, Kirschen, Birnen, Nüsse). Viele der Früchte, von denen sich alle bedienen dürften, werden nicht geerntet, weshalb es stellenweise farbige Teppiche hat, die intensiv duften.

    Wir kommen an vielen sakralen Bauten vorbei. Zu Beginn der Strecke sind es eher kleine Kappellen neueren Datums, je weiter wir Richtung Kutna Hora kommen, desto grösser werden die Kirchen. Viele davon sind sanierungsbedürftig und werden teilweise auch gerade renoviert.

    Die Sonne sorgt inzwischen für deutlich wärmere Temperaturen, weshalb diese Abkühlung sehr willkommen ist – und grossen Spass macht. Nicht nur uns, den gezückten Fotoapparaten nach.

    Eine ganz besondere Kappelle begegnet uns in Běstvina, die Kaple sv. Jana Nepomuckého. Speziell ist nicht nur ihr Grundriss in Form eines Hexagramms, sondern auch die Legende, die sich um Johannes von Nepomuk rankt.

    https://deutsch.radio.cz/bis-heute-geheimnisumwittert-der-mord-johannes-nepomuk-8230994

    Nächster Halt ist in Čáslav, wo wir letztes Jahr übernachtet haben. Von unterwegs dorthin noch ein Blick auf

    In Čáslav wollten wir vor dem letzten Stück und mit schon einigen Kilometern in den Beinen, am Schluss noch garniert mit Gegenwind, eigentlich nur eine kurze Pause machen. Sie ist dann länger geworden, weil wir von einem sehr netten Restaurantbesitzer verwöhnt worden sind. Begonnen hat es damit, dass er sich bei uns entschuldigt hat, dass die Küche geschlossen sei und er kein Gebäck habe. Einen Kaffee könne er uns gerne machen, einen Stück Kuchen dazu können wir uns im Laden nebenan besorgen, dass wäre ok für ihn. Dass es dort so etwas gar nicht gibt, dafür alles andere, wusste er wohl nicht, weil er vermutlich noch nie dort drin gewesen ist. Kein Problem, die Gutzi, die ich gekauft habe, waren auch fein. Er hat uns extra einen Tisch nach draussen gestellt, Heinz gefragt, ob an die Sonne oder lieber nicht, ob Cappuccino mit Zimt, Schokolade oder Caramel. Zuerst kam der bestellte Kaffee. Oh je, nur Kekse, ob das für uns ok sei. Natürlich, alles bestens. Dann kommt er kurz später nochmals mit – doch seht selber:

    Leider haben wir nicht alles verstanden, was er uns erzählt hat, weil sein Englisch für uns schwer verständlich gewesen ist. Wie er, nach den vielen anfänglichen Entschuldigungen, aufgetaut ist, mit der Zeit Witze gemacht und uns am Schluss strahlend und mit besten Wünschen verabschiedet hat, war berührend. Eine Begegnung, die uns alle sehr gefreut und unseren Tag bereichert hat.

    Voller Schwung haben wir das letzte Stück unter die Räder genommen. Nicht ohne vorher noch eine Runde über den Platz zu drehen und ins Rathaus reinzuschauen.

    Heinz war sehr beschwingt unterwegs – ob der Prosecco wirklich alkoholfrei gewesen ist? – und hat glatt übersehen, dass da für Velos auch eine Brücke gewesen wäre.

    Bei der zweiten war ich dann vorgewarnt und auf den Geschmack gekommen.

    Kutná Hora liegt nicht nur an der EuroVelo 4, sondern auch an der tschechischen Route 1, die nur 30 Kilometer lang ist. Allerdings die regionale Route 1 und nicht die nationale Route 1, welche Prag und Brno verbindet. Etwas verwirrend diese Systematik und auch überraschend für die ansonsten so logischen Strassenbezeichnungen.

    Cooles Graffiti gleich eingangs von Kutná Hora, das in natura viel besser wirkt. Schade.

    Heute sind sich die Navis mal wieder nicht einig. Offenbar hat das Navi rechts zwischendurch pausiert, weshalb Timer, Distanz und Anstieg nicht stimmen. Einen Reim darauf können wir uns nicht machen. Klar ist, heute ist es netto deutlich abwärts gegangen.

    Weil wir früh los und trotz längerer Pause in Čáslav sehr gut vorwärts gekommen sind, stehen wir bei der Pension vor verschlossenen Türen. Offenbar funktioniert alles programmiert. Die Reception ist nur zwischen 17 und 19 Uhr geöffnet. Kein Problem, dann essen wir unser Müesli in einem Park und decken uns in der TouriInfo noch mit Material ein, um Ideen für die nächsten beiden Tage zu sammeln.

    Gute Wahl. Hier lässt sich’s gut aushalten. Frisch geduscht erkunden wir das Städtchen ein erstes Mal. Gefällt uns sehr. Sonntagsgemütlich sozusagen.

    Wir lassen angesichts des fortgeschrittenen Nachmittags das Zvieri aus und starten stattdessen einfach mit dem Dessert des Abendessens und schieben das weitere Nachtessen in die späten Abendstunden.

    Oh, da ist ja sogar eine Kirche geöffnet. Mir gefällt das Kunstprojekt aus dem benachbarten Gymnasium am besten, dessen Resultate und die zugehörigen Skizzenhefte in der Kirche ausgestellt sind.

    Am Abend nutzen wir den gemütlichen Sitzplatz draussen, der sogar WLAN-Empfang hat fürs Pläne schmieden und Eindrücke verarbeiten. Wir freuen uns auf die Tage hier. Und Heinz skizziert gleichzeitig auch einen möglichen Rückweg. Ist zum Glück noch nicht einmal Halbzeit, weshalb das für mich noch weit weg ist.

    11. August 2025 – Kutná Hora

    Weil ich inzwischen so voller Eindrücke bin und im Liechtensteinischen Bermuda-Dreieck Lednice-Valtice-Reistenkolonnade eine immer noch nachwirkende Überdosis von monumentalen, um nicht zu sagen grössenwahnsinnigen und fast surreal anmutenden Prachtbauten bekommen habe, erkunde ich Kutná Hora schlendernd und ohne mehr über die UNESCO-Baudenkmäler und Hauptattraktionen wissen zu wollen. Das wird noch zu einem spannenden Erkenntnisprozess führen, der mir zeigt, dass man sehr unterschiedlich Wissen gewinnen und lernen kann. Wirft ein für mich anregendes Licht auf Erlebnispädagogik und andere Schul- und Lernformen. Doch das nur so am Rande…

    Das Tandem brauchen wir heute nur für eine kurze Einkaufsrunde. Ich brauche eine neue Windschutzjacke und wir klappern die Sportgeschäfte und Veloläden ab – mit Erfolg. Und einer Trouvaille der ganz besonderen Art.

    Hier, was eine liebe Freundin von mir zu diesem Bild herausgefunden hat – vermutlich with a little help of unser aller new best friend 😘.

    Das Fahrzeug auf Deinem Bild ist ein Messerschmitt Kabinenroller 🤩

    Dein Foto zeigt vermutlich ein restauriertes oder modifiziertes Exemplar – die Lederoptik und das offene Dach sind nicht serienmäßig.

    Ihr habt offenbar ein Dreirad mit Kultstatus 🤩🤩🤩 gesehen!!! so cool 😜

    und das witzige ist: ursprünglich hatten diese Fahrzeuge einen Tandemsitz!!!!!
    Fahrer vorne, Beifahrer direkt dahinter – spart Platz und reduziert den Luftwiderstand

    Obwohl der Kabinenroller ein Notfahrzeug war – gedacht für Menschen, die sich nach dem Krieg kein richtiges Auto leisten konnten – wurde er später zu einem Liebhaberstück. Heute sind restaurierte Modelle bei Oldtimer-Treffen kleine Stars, oft liebevoll umgebaut (wie das braune „Lederlook“-Exemplar auf deinem Foto).

    Nach dem Einkaufstripp, bei dem wir mit dem Tandem auch die historischen Gassen hochgekraxelt sind

    und Inspirationen für die Morgenrunde am Dienstag gesammelt haben,

    geniessen wir, wie oft an Nicht-Reisetagen, einen feinen Brunch.

    Am Nachmittag ist dann Städtchen erkundigen angesagt. Unsere Begleiter:innen sind auch mit dabei; manchmal sind wir zu viert, manchmal in 2×2-Formation unterwegs – und weil ich Temperatur-bedingt oft den Schatten meinen Weg bestimmen lasse, schiebe ich auch Solo-Nummern.

    Trotz Prachtbauten-Überdosis habe ich Fotos gemacht. Viele sogar. Aber nur zu wenigen Hintergrundinfos gelesen und auch jetzt möchte ich nicht mehr zu den Fotosujets wissen, sondern sie einfach für sich selbst sprechen lassen. Deshalb nehme ich euch einfach mit langen Bildstrecken mit wenig Text auf meinen Bummel mit.

    Auf dem Hügel angekommen.

    GASK steht für „Galerie Středočeského kraje“, also die Galerie des Mittelböhmischen Kreises, und ist eines der kulturellen Highlights in Kutná Hora. Sie befindet sich im barocken Jesuitenkolleg, einem der markantesten Gebäude der Stadt.

    Ich lasse alles „nur“ von aussen auf mich wirken. In den Gärten, die mit grosszügigen Öffnungszeiten zugänglich sind, steht viel zeitgenössische Kunst.

    Mir gefällt nicht alles, aber ich finde viele der Kunstwerke ansprechend und zum Nachdenken anregend, was vermutlich die Intension vieler Künstler:innen ist. Kunst ist eine Kommunikationsform.

    So gefällt mir das unterwegs sein. Mich treiben lassen und dem Treiben um mich herum zuschauen. Mich anregen lassen, sinnieren und die Gedanken auch wieder ziehen lassen. Die Sonne und das Lüftchen auf dem Gesicht spüren, die Temperaturunterschiede von Sonne und Schatten, Umgebungsgeräusche, Düfte und Geschmäcker intensiv wahrnehmen. À propos: Ich habe mit Heinz einen Treffpunkt zum Znacht abgemacht, den ich so langsam anpeilen sollte.

    Noch eine Bildserie vom Weg dahin:

    Und ein Bild vom Teehaus, in dem wir gegessen und viele andere, in Nischen drapiert, Wasserpfeife geraucht haben.

    12. August 2025 – Kutná Hora

    Die Touren Nr. 1 (lokal) und 0091 sind beide so ansprechend beschrieben, dass wir sie erkunden wollen, zumal sie beide nicht lang sind, sich teilweise überschneiden und entsprechend gut kombinieren lassen.

    Wir starten an einem Wasserlauf entlang, was ich immer mag und entdecken als erstes neue Signete. Spannend.

    Weit kommen wir nicht, weil da ein ziemlich spezielles Café winkt. Zuerst finden wir es ziemlich schräg, um nicht zu sagen morbid, je mehr doch ziemlich spezielle Details uns auffallen.

    Bis dann – langsam, langsam – der Groschen fällt. Kommt davon, wenn Frau sich nicht schlauer macht, wo sie sich befindet. Eine der berühmten Sehenswürdigkeiten von Kutná Hora ist das Beinhaus. Das Beinhaus von Sedlec, auch bekannt als die „Knochenkirche“, gilt als eine der aus aussergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Tschechiens. Es befindet sich in der unteren Kapelle der Friedhofskirche Allerheiligen in Kutná Hora. Entstanden ist sie im 19. Jahrhundert im Auftrag der Fürstenfamilie Schwarzenberg. Getreu dem Motto Memento Mori sind viele Bestandteile der Kapelle aus Knochen der rund 40‘000 Skelette gestaltet, die im Klosterfriedhof nach der Pest und den Hussitenkriege beigesetzt worden sind.

    Toten- und Skelettsujets finden sich auch andernorts. Ziemlich bizarr.

    Kein Wunder wackelt der Tiger am Eingang des Legomuseums mit dem Kopf. À propos wackeln oder genauer schütteln. Nein, ich habe es nicht von Martini, sondern von dem zweiten Bild. Ein Souvenier-Klassiker: einfach schütteln und es schneit. Allerdings: Eine Schneekugel mit einem Totenkopf – Geschmäcker sind verschieden…

    Ok, nachdem diese Bildungslücke geschlossen ist, geht‘s weiter. Die Strecke ist mit einem Tandem technisch ziemlich anspruchsvoll. Enge Kurven, holpriger Belag und viele unbefestigte Wege.

    Fotografieren kann ich auf solchen Stücken nur die weniger heiklen Stellen. Ich staune immer wieder, dass es trotz ziemlichem Geholper brauchbare Aufnahmen gibt.

    Die Fahrt macht Spass und ist landschaftlich sehr attraktiv.

    Wir gewinnen schnell an Höhe und bestaunen die wechselnden Aussichten und Perspektiven.

    Ist eine sehr gastfreundliche Region hier, auch für Vögel und nicht nur wegen der Karpfenteich-Leckereien:

    Weiter geht‘s Richtung Turm.

    Sieht schon mal gut aus. Und was zu trinken, gibt’s oben auch. Obwohl, Pepsi mag ich nicht so. Wie ich darauf komme? Erkennen begabte Detektiv:innen mit starker Lupe vielleicht sogar…

    Der Aufstieg geht durch ein nüchternes, betoniertes Treppenhaus. Was da wohl kommt?

    Wow! Ich mag den Turm und wie die Aussicht kommentiert ist. Mit den Infos von hier oben könnte man – ganz ohne Papier – bei einem Kaffee gemütlich einen Kutna-Hora-Sightseeing-Plan ausbaldowern. Unser Zeitbudget hier neigt sich allerdings so langsam dem Ende zu und der Trend geht sowieso eher Richtung weniger ist mehr. Mal sehen, was wir uns noch anschauen.

    Die 1er-Route wartet mit zahlreichen markierten Punkten auf. Manche, wie der Turm, sind aus unserer Sicht echte Highlights. Andere wiederum – wie die beiden folgenden – wirken auf uns eher skurril.

    Diesen Platz fanden wir idyllisch und die Kneipp-Runde im Bach sehr erfrischend. Weil unsere Mägen knurren und die Temperatur deutlich zulegt, gibt es eine Routenänderung. Direttissima einen Laden anpeilen und dann mit unserer Beute auf dem kühlen Gartensitzplatz der Pension gediegen Picknicken. Leben wie Glückskinder in Tschechien – in Anlehnung an…

    Voller Magen + Hitze = Siesta – und zwar ausgiebig. Danach nochmals ein Bummel durch den GASK-Park, der uns beiden, unabhängig voneinander, sehr gut gefallen hat. Im Austausch darüber merken wir, dass wir auch ganz unterschiedliche Sachen gesehen haben. Wahrnehmung ist ein Phänomen, das mich schon lange fasziniert, was sich auf dieser Reise sogar noch verstärkt.

    Heute aus dem GASK-Park keine weiteren Kunstwerke, sondern ein anderer Aspekt. Der Park ist auch über die Kunst hinaus ein inspirierender Ort und ein vielfältig genutzter: Picknick auf dem Rasen, Fotoshooting einer glücklich (inszeniert)en Familie mit einer Profifotografin, spielende Kinder, Arena mit Ambiance für Konzerte und andere Vorstellungen oder auch für

    Wie auch immer sich das nennt. Während ich auf Heinz wartend auf einer der Arenastufen sass und das Treiben im Park genoss, sind einzeln und in kleinen Gruppen Frauen mit einer Yogamatte und einer Rolle aufgetaucht und haben auf der Plattform ihren Platz eingenommen. Schon nur die Gruppendynamik und wer für wen einen Platz reserviert hat, fand ich unterhaltsam. Da das aber kaum als Privatvorführung für mich gedacht gewesen ist, sind wir weiter, kurz nachdem die Lehrerin (Instruktorin? Meisterin?) gekommen ist und ohne viele Worte losgelegt hat.

    Vermutlich wisst ihr schon, was jetzt kommt:

    Unter grossen Linden in einem Biergarten serviert ein schöner Abschlussabend in dieser bemerkenswerten Stadt.

    Den Blick auf die Tellerrand-überlappenden panierten Schnitzel, die Honigmelonen-grossen Haxen und die 8-Gläser-Bier-Degustationssets, die sie am Neben- und weiteren Tischen serviert haben, erspare ich euch 🤭. Nein, ernsthaft. Sehenswert wären sie, aber ich hatte mich nicht dafür zu fragen, ob ich davon Fotos machen dürfe, nicht nur wegen der sprachlichen Barriere…

    So, Zeit für ins Bett. Für morgen stellen wir den Wecker auf kurz vor vier Uhr.

  • 31. Juli – 2. August 2025- Znojmo

    Von Slavonice geht es weiter nach Znojmo, wo wir ebenfalls zwei Nächte bleiben werden.

    Weil wir inzwischen tatsächlich bereits in Brno und damit viele Fotos, Erlebnisse und Geschichten weiter sind, muss ich mich zuerst wieder zurecht finden. Inzwischen habe ich es auch geschafft, das iPad wieder so einzurichten, dass ich mir dort die Fotos ansehen und einen Überblick verschaffen kann. Notizen habe ich mir unterwegs nur wenige gemacht, aber da schaue ich auch noch rein; vielleicht steht dort ja doch was.

    Das erste Foto am Morgen zeigt einen letzten Blick aus unserem Zimmer in der sehr sympathischen Pension im zwar kleinen, aber sehr abwechslungsreichen Slavonice. Wir kommen wieder – vielleicht schon auf der Rückreise… Es ist noch ziemlich frisch, aber weil am Nachmittag Regen möglich ist, wollen wir los.

    Die heutige Strecke zeigt mit den hier typischen auf und abs insgesamt abwärts.

    Sonnenstandsbedingt ist das Team vollständig und der Blick nach vorne und in die Landschaft zauberhaft.

    So früh am Morgen halten wir immer nach Hasen Ausschau. Haben wir keine gesehen; dafür sind zwei Rehe so knapp vor uns über die Strasse gesaust, dass ich ihre Hufe habe klappern hören.

    Verkehr hat es kaum und wir kommen flott voran. Wie schon oft säumen Alleen säumen die Strassen.

    Die Landschaft ist sehr weitläufig. Dass wir in Grenznähe sind, sehen wir an den Bunkern, wobei es auf der österreichischen Seite keine haben wird.

    Wir werden die Seite heute öfters wechseln und immer wieder Unterschiede erkennen und uns vom letzten Jahr daran erinnern. Auch die Routen und die Thaya (Dyje) sowieso fühlen sich inzwischen schon fast wie alte Bekannte an.

    Schlösser hat es auf diesem und den kommenden Abschnitten sehr, sehr viele.

    Die Strassen und auch die Infrastruktur sind sichtlich in die Jahre gekommen. Offenbar kann auch das Wetter ziemlich heftig sein in dieser Gegend.

    Die Strecke ist sehr abwechslungsreich. Nach einem hügeligen und waldigen Stück mit Kurven, werden die Strassen wieder sehr gerade und der Blick offen. Hügelig bleibt es. Wir passieren einige Teiche mit den Karpfenfutterstationen, die auch bei den Wasservögeln sehr beliebt sind.

    Wir passieren ein erstes Mal die Grenze nach Österreich, wie noch mehrfach an diesem Tag.

    In Felling halten wir bei einem liebevoll gestalteten Garten und ich mache ein paar Fotos. Die Schöpferin, ich nehme an sie heisst Ingrid, verlässt gerade mit dem Auto die Hauseinfahrt und freut sich offensichtlich über unser Interesse und mein Kompliment. Sie strahlt wie ein Honigkuchenpferd und wechselt noch ein paar Worte mit uns.

    Das wild wachsende Blumenfeld, das am Dorfrand wächst, gefällt mir persönlich zwar besser, aber mich fasziniert die Vorstellung, wieviel Herzblut und Zeit Ingrid offensichtlich in die Hege und Pflege ihres Garten steckt.

    Bereits von weitem ist Burg Hardegg zu sehen, die wir – sozusagen wie das Kirchlein von Wassen auf der alten Gotthardstrecke – von allen Seiten und aus unterschiedlichen Perspektiven sehen werden.

    Hardegg, das sich die kleinste Stadt Österreichs nennt, liegt an der Thaya, die hier gleichzeitig Grenzfluss ist. Auf der tschechischen Seite beginnt unmittelbar ein Naturschutzpark. Was wir während unserer Pause sehen und die Informationen im Zollhäuschen überzeugen uns, hier nochmals mit mehr Zeit herzukommen. Zwar hätten wir heute genug Zeit, den Stadtspaziergang zu machen, aber ich möchte mir Zeit dafür nehmen können und auch ein Tag im Naturschutzpark klingt reizvoll. Deshalb vorderhand nur ein paar Bilder.

    Unsere Strecke führt ein Stück durch den Naturschutzpark. Wir müssen uns an Waldarbeiten vorbeischlängeln – und staunen. Die Hebebühne mit dem Waldarbeiter wird von einer Frau bedient. Es ist nicht das erste Mal auf dieser Reise, dass wir Frauen Arbeiten machen sehen, die bei uns quasi Männern vorbehalten sind. Hier zeigt sich die sozialistische Vergangenheit.

    Wir verlassen den Wald und damit auch das Naturschutzgebiet. Wie angekündigt werden die Wolken dichter. Wir fahren entlang von riesigen Mohnfeldern. Was das wohl für eine Farbenpracht ist, wenn die in voller Blüte stehen.

    Wir fahren immer wieder Stücke auf dem Iron Curtain Trail. Regional kommen jeweils neue Signete und Themenwege dazu. In der Gegend von Znojmo, von dem wir inzwischen einen Vorort erreicht haben, sind es oft Weinrouten.

    Inzwischen scheint sich der Regen wieder verzogen zu haben. In Znojmo wohnen wir mitten in der Stadt, weshalb wir das Tandem verräumen.

    Frisch geduscht ziehen wir wieder los, um uns einen ersten Überblick über Znojmo zu verschaffen, wofür sich auch eine Stippvisite in der TouriInfo bewährt hat. In Znojmo hat es – erstmals wieder nach Cesny Krumlov – sogar ein paar Flyer auf Deutsch. Gleich daneben hat‘s, für die erste Sichtung, ein Café mit feinen Limonaden. Danach gehe ich gässle.

    Es gibt ein bunt gemischtes Nebeneinander von renovierten, zumindest von aussen baufällig aussehenden und teilweise auch vom Verfall bedrohten Gebäuden.

    Von der Anzahl und der Vielfalt der Läden her scheint es eine touristisch und auch alltags-vitale Stadt zu sein. Mir gefallen so gemischte Angebote, die sowohl auf Tourismus ohne MassenPauschalReisen als auch Einwohnende schliessen lassen, die für den Alltag praktische und preislich breit diversifizierte Dinge brauchen, inklusive Lebensmittel gleich um die Ecke.

    An vielen Orten wird renoviert und ich bin immer wieder sehr positiv überrascht, wie viele gut ausgestattete und grosse Spielplätze es gibt, die rege benutzt werden. In Städten hat es oft Gartencafés oder Cafémobile stationiert. Weil die Gelände meist von der Strasse abgetrennt sind und es sowieso insgesamt wenig Verkehr hat, haben die Kinder buchstäblich viel Freilauf.

    Ob letzteres ein Gefängnis ist? Dem Stacheldraht und den vergitterten Fenstern nach zu schliessen, könnte das schon sein.

    Mit dieser Medizin dürfte das nicht zusammen hängen, zumindest nicht mit derjenigen, die offziell verkauft wird und – wenn nomen tatsächlich auch omen ist – happy macht. Wir sind es „einfach so“…

    Oder zumindest fast. Wer mich kennt, weiss, was es so langsam wieder braucht, damit ich nicht hangry und ungemütlich werde.

    Wow, diese Öffnungszeiten

    1. August 2025- Znojmo

    Damit ich etwas essen mag, gibt‘s vor dem Frühstück eine Morgenrunde. Znojmo liegt auf einem Hügel; ohne Höhenunterschiede kommt man da nicht weit. Inzwischen sind wir so trainiert, das uns das nicht schreckt, genau so wenig wie Single Trails, wofür wir heute dankbar sind. Dass die Strecke für Kinder geeignet sein soll – das behauptet zumindest der Flyer mit den rund-um-Znojo-Radtouren-Vorschlägen – erstaunt uns. Ziemlich!

    Fortsetzung folgt…)

  • 2./3. August 2025 – Břeclav

    Heute geht‘s von Znojmo weiter nach Břeclav. Es ist schön, aber nicht heiss angesagt, weshalb wir uns Zeit für das feine Zmorgenbuffet lassen.

    • Magen: wohlig zufrieden
    • Wetter: top
    • Temperatur: angenehm
    • Verkehr: sehr übersichtlich
    • Team: alle mit dabei
    • Strecke: angezeigt und wird sich zeigen

    Was wir – von Auge – auch sehen, ist ein rot-weiss gestreifter Zug, der gerade über die Eisenbahnbrücke fährt. Da kommt das iPhone an seine Grenzen als Fotoapparat. Wobei ich es schon sehr eindrücklich finde, was so ein Handy für Aufnahmen macht. Und irgendwie gefällt mir auch, dass fast alles – einzelne Effekte ausgenommen – in natura und mit eigenem Auge gesehen schöner ist und besser wirkt als auf den Bildern davon. Und da spreche ich noch nicht einmal von den begleitenden Tönen, Düften, Geschmäckern und anderen Sensationen, welche unsere Sinne anregen.

    Zug mehr zu erahnen als zu sehen – das rot-weisse Farbenspiel schon gar nicht

    Wir fahren der Sonne entgegen und staunen wie wenig Autos wir sehen. Ah, stimmt, es ist Samstag. Die Wochentage sind uns meistens nicht gleich präsent, einer der entspannten unterwegs-Sein-Effekte.

    Znojmo ist eine Wein-Stadt; wir fahren ab heute durch viele Rebberge – die meisten davon eingezäunt, ausser wenn sie auf der österreichischen Seite liegen.

    Oh, das scheint uns eine spezielle Plantage zu sein.

    Rechts Reben, links Obstplantagen, geradeaus freie Fahrt. Wow! Entsprechend flott geht es voran.

    Für ein paar Details dann und wann bleibt trotzdem Zeit.

    Die ganze Region ist von internationalen, nationalen, regionalen und lokalen Radrouten durchzogen – einige davon sind alte Bekannte, andere Signete sehen wir zum ersten Mal.

    Ob das in diesem Fall zutrifft, weiss ich nicht, aber wir stauen oft, wie „kreativ“, um nicht zu sagen fantasievoll die Übersetzungen hier sind. Obwohl wir im grenzüberschreitenden Gebiet unterwegs sind und einige Texte, die wir lesen, sogar amtlich sind, muten die Übersetzungen teils abenteuerlich an. Mehr KI als QS – und zwar KI der ersten Stunde…

    Wie schon öfters fahren wir durch viele Alleen, heute sind es oft Obstbäume.

    Manchmal erinnern wir uns an ein Gebäude oder haben plötzlich eine Ahnung, was uns nach der nächsten Kuppe erwartet. Mich fasziniert immer wieder, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert. Vor allem dort, wo ich letztes Jahr nicht nur mehrere Fotos aufgenommen, sondern diese auch zu Collagen verarbeitet habe, mag ich mich teilweise wieder an Details erinnern, so bald die Verknüpfung hergestellt ist. Was jeweils der Trigger ist, kann ich oft nicht sagen.

    Das trifft beispielsweise auf die Busstation von Jaroslavice zu.

    Collage vom Juli 2024

    Jaroslavice wäre uns dieses Jahr wohl gar nicht besonders aufgefallen, was daran liegt, dass wir von einer anderen Seite in das Dorf gefahren sind. Letztes Jahr sind wir so gekommen, dass wir die Burgruine über der Stadt aus verschiedenen Perspektiven und zum Teil von sehr nahe gesehen haben. Aus der Nähe war der desolate Zustand sichtbar und wie alles überwuchert und provisorisch gesichert ist.

    Bild vom Juli 2024

    So, wie wir dieses Jahr nach Jaroslavice hineingefahren sind, hätten wir das Schloss – wenn überhaupt – nur auf der Infotafel gesehen, wo eigentlich nur, die Kirche zu sehen ist beziehungsweise eine „Schoggi-Seite(n)“-Ansicht.

    Was uns von diesem Jahr vermutlich bleiben wird, ist die Hauptstrasse, die so unterspült worden sein muss, dass sie eingebrochen ist.

    Mal schauen, vielleicht drehen wir nochmals eine Runde am Nachmittag und schauen uns den einen oder andern Bau genauer an. Jetzt geht‘s durch eine noch nicht lange geschaffene Allee mit Apfelbäumchen weiter Richtung Lednice. Allerdings ich lange, weil wir von einer Flötenspielerin und ihrem Konzertort aufgehalten werden. Schade, dass sie heute Abend nichts auf dem Programm stehen haben.

    Und vielleicht auch, dass sie gerade am Aufbauen eines Winzerfestes sind, das von Freitagabend bis Sonntag oder so dauert, wo praktisch jede der Mini-Kellereien mit einem Grill-, Degustations- oder was auch immer Stand mitmacht.

    Nach Jaroslavice muss ich Heinz kaum mehr Richtungswechsel anzeigen. Nicht, weil er die Gegend bereits wie seine Hosentasche kennen würde, sondern weil es meistens – quasi Elsass-mässig – wie mit dem Lineal gezogen geradeaus geht.

    Heute überqueren wir mehrfach die Grenze zwischen Tschechien und Österreich. Diese sind sehr unterschiedlich inszeniert; manchmal gar nicht, manchmal beidseitig ähnlich oder sogar gemeinsam, manchmal je nach Land.

    Grenzen und Grenzposten oder -punkte sind Momente, in denen wir uns immer wieder bewusst werden, wie anders unsere – schweizerische – Geschichte ist. Vor allem die Geschichtsbücher- und -unterrichtsversion, die zu unserer Schulzeit den Lehrplan bestimmt hat…

    Es sind auch Momente, um innezuhalten, sich auf die Schicksale anderer Menschen einzulassen und – für mich vor allem auch immer wieder – Momente der Dankbarkeit, als dieses ICH in der Schweiz in diese Zeit hineingeboren worden zu sein.

    Zum Eiserner-Vorhang-Trail und den Grenzregionen gibt es eine App und Internetseiten, welche die Geschichten von Menschen erzählen, die weniger Glück gehabt haben.

    https://www.memoryofnations.eu/en/about-project

    Auch solche Geschichten und sich darauf einzulassen ist eine der Facetten unserer Reise, die ich nicht missen möchte. Ich, die ich im Geschichtsunterricht nur selten aufgepasst und meine Aufmerksamkeit sehr selektiv, nämlich Prüfungs- und Noten-bezogen eingesetzt habe, erlebe Geschichte in solchen Momenten als sehr relevante Dimension. Weit weg von Zahlen und Daten.

    Kultur – Geschichte(n) – Natur werden auf dieser Reise zu sehr facettenreichen Begriffen.

    Vor allem mein „Kultur“begriff erweitert sich einmal mehr – weit über die Aspekte hinaus, die seit meiner Zeit beim Zoll hinzugekommen sind.

    Wiederholt und sich vertiefend fasziniert (DIESES Wort würde wohl in einer Wortwolke zu meinen Texten ziemlich gross…) mich, wie schnell ich Grenzübertritte „erkenne“, ohne dass sie explizit angezeigt werden. Bunker beispielsweise gibt es nur (noch?) auf der tschechischen Seite. Biodiversität ist ein Erkennungsmerkmal der österreichischen Feldränder. Verkehrssicherheitsmerkmale – irgendwann mache ich eine Collage dazu – wiederum kennzeichnen 🇨🇿, während „Geschwätzigkeit“ (Reklamen, gestaltete Gärten, Hinweisschilder) typisch für 🇦🇹 ist und damit meine ich noch nicht einmal die direkten Begegnungen mit Menschen, bei denen dieser Aspekt sogar sehr markant ist. In Tschechien sind Blickkontakte, ein Gruss oder gar ein Wortwechsel, ausserhalb einer Dienstleistungssituation, die absolute Ausnahme – in Österreich ist gegrüsst und angesprochen werden die Regel. Sogar so ausgeprägt, dass ich manchmal um meine in LeNa geübte Fähigkeit froh bin, Kontakte freundlich kurz halten zu können.

    Heute begegnen wir erstmals seit Nürnberg wieder vielen Velofahrer:innen; einzeln, in Gruppen, als Familien – routinierte und auch weniger geübte.

    Noch haben wir aber meistens die Strassen ganz für uns alleine, so weit das Auge reicht.

    Oh, da sieht von weitem etwas speziell aus. Ein See kann es gemäss Karte nicht sein, aber es scheint eine glatte, spiegelnde Oberfläche zu haben. Gewächshäuser? Passt irgend wie auch nicht. Und dahinter eine sehr grosse Fabrik. Ich mag solche situativen Rätsel, die zum Spekulieren anregen und sich beim Näherkommen allmählich lösen. Manchmal werden unsere Spekulationen bestätigt, manchmal ist es etwas ganz anderes.

    Photovoltaik-Anlage und grosse Fabrik

    In diesem Falle ist es eine grossflächige Photovoltaikanlage namens Agrar, mit einer Besonderheit. Die Fläche wird von rund 300 Schafen einer irisch-walisischen Rasse beweidet, die gemäss Beschreibung sehr unkompliziert zu halten sind.

    Das Motto der Anlage, die zur Firma Jungbunzlauer gehört: Strom dort erzeugen, wo er gebraucht wird. Sympathisch, auf diese Art produziert sowieso. Es riecht angenehm auf dem Gelände und auch die firmeneigenen Fahrräder für den Werksverkehr hinterlassen bei uns einen guten Eindruck. Was uns dann später beim Recherchieren überrascht, weil wir vorher noch nichts von dieser Firma gehört haben, ist:

    Bio-Tech-Unternehmen mit Sitz in Basel (!)
    https://www.jungbunzlauer.com/de/

    Gleich daneben hat es eine Biogasanlage, die allerdings weniger fein duftet…

    Eigentlich längstens Zeit für eine Kaffeepause plus. In Laa haben wir nur Euros getankt und in Wildendürnbach, nach einem Blick auf das Angebot im Bäckerei-Kaffee, eine Cola – die heissen überall gleich – und einen kleinen Schwarzen getrunken.

    Inzwischen ist die Gegend hügeliger und die Sonne kräftiger geworden, so dass wir uns quasi Schicht für Schicht entblättern.

    Google Maps zeigt bei der Suche nach einem nächsten Kaffee einen Hotspot. In Sichtdistanz zeigt sich noch ganz anderes.

    Mikulov – ohne Kaffe-, Pausen- und andere Gelüste hätten wir diese Schatzkiste auf der geplanten Strecke links liegen gelassen. So hat Komoot mal wieder eine „Streckenabweichung“ zu monieren. Und was für eine sehenswürdige! Alleine der Blick von unserem gemütlichen Kaffeeplatz aus, hat viel zu bieten.

    Alle anderen Bilder stammen von fünf Minuten Fotoshooting in Fussdistanz.

    Den ganzen Rummel schauen wir uns allerdings lieber aus unserem Alkoven-Plätzchen aus. Manchmal ist der Wechsel von ruhigen Fahrten durch weite und wenig besiedelte Landschaften in TouriRummelPlätze fast eine Art Kulturschock. Also weiter, ohne Besichtigungen.

    Bis zu unserem heutigen Etappenziel – Břeclav- ist es nicht mehr weit. Abwechslungsreich und landschaftlich schön ist es hingegen sehr. Ziemlich viel befahren auch – und Liechtensteinisch geprägt.

    Knapp 100 Kilometer mit zumindest ähnlichen weiteren Daten lautet die Tagesbilanz unserer technischer Begleiter. Das Tandem kommt hinter Gitter und wir – nach Flüssigkeitsausgleich in Form von Bier und Gurkenlimonade – unter die Dusche, um Schweiss- und Sonnencrème“duft“ zu vertreiben.

    Noch die heftige Gewitterzelle abwarten, natürlich erst NACH unserer Ankunft, und dann vor Türschluss bei der TouriInfo vorbeischauen – mit anregender Ausbeute, sogar teilweise in Deutsch, was trotz Grenznähe eher selten ist.

    Und dann vor allem ESSEN, weil ich nicht nur unterzuckert, sondern entsprechend ungeniessbar – schliesslich stehe ich auch nicht auf dem Menuplan… – weil „hangry“ bin. Gebrauchsanweisung: Nicht ansprechen, umsichtig ins nächste Restaurant mit vegetarischem Angebot lotsen und füttern. Mission gelungen!

    Da mag ich anschliessend sogar – wieder ganz friedlich – die TouriInfo sichten und einen ersten Stadtbummel machen.

    Hier noch ein paar erste Eindrücke. Mehr könnt ihr selber recherchieren oder morgen wieder reinschauen 🙋🏻‍♀️.

    Jetzt geht‘s retour, so lange die Regenpelerinen nur als Alibi dabei sind, damit dort oben niemand das Gefühl hat, wir wären nicht vorbereitet 🤭.

    3. August 2025 – Viele alte Steine

    Břeclav liegt im sogenannten Lednicko-Valticky Areal, wo es von alten historischen Gebäuden quasi nur so wimmelt.

    Wir haben zwei Runden gedreht, eine Morgenrunde vor dem Frühstück und eine weitere am Nachmittag. Beide ausgerichtet am Regenradar, was sich gelohnt hat und – wie so oft – auch funktioniert.

    Wir wohnen in Sichtdistanz zum Schloss, weshalb dieses auch gleich nach der Losfahrt Nr. 1 in unserer heutigen Sammlung alter Steine ist. Eigentlich wollten wir vor allem etwas Bewegung, um den Apétit anzuregen. Ohne mitzubekommen, was diese Gegend geprägt hat, lässt sich hier allerdings kaum ein Kilometer fahren, trotz grossflächiger Wälder. Dieser ist übrigens auch hier, wie so oft in Tschechien ein Naturschutzpark ist.

    Das Lednice-Valtice Areal hier in Südmähren ist eine der größten künstlich gestalteten Landschaften Europas und gehört seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Es wurde über Jahrhunderte von der Adelsfamilie Liechtenstein geprägt und umfasst zahlreiche beeindruckende Bauwerke und Parkanlagen. Diese opulente und weitläufige Pracht und das kleine Ländli Liechtenstein sind in der Vorstellung kaum in Verbindung zu bringen und sind doch historisch eng verbunden

    Die Geschichte der Fürstenfamilie Liechtenstein ist Teil der Geschichte dieses Areals. Areal klingt nach weit weniger, als es ist. Die Fläche dieses Areals ist mit ca. 283 km² deutlich grösser als die Fläche des heutigen Klein(st)staates Liechtensstein mit 160 km². Dort leben heute rund 40‘000 Einwohner:innen, während es auf dem Lednice-Valtice-Areal nur ein Bruchteil davon sein dürften.

    Nach dem zweiten Weltkrieg ist das gesamte Eigentum der Fürstenfamilie von Liechtenstein auf dem hiesigen Areal enteignet worden, wie wohl gleichzeitig auch andere Besitztümer konfisziert worden sind. Na ja, verarmt ist die Fürstenfamilie – im Gegensatz zu vielen anderen Adelsfamilien – dadurch nicht.

    Heute noch privater (Haupt-)Wohnsitz der Fürstenfamilie ist Schloss Vaduz; Schloss Gutenberg, das zweite Schloss in Liechtenstein, gehört dem Staat Liechtenstein. Ein weiteres, auch heute noch von der Familie bewohntes Schloss ist Schloss Wilfersdort in Niederösterreich. Dieses ist – im Gegensatz zu Schloss Vaduz – auch teilweise öffentlich zugänglich. Doch genug des Ausflugs in die Familiengeschichte der Liechtensteiner.

    Die Luft ist kühl und vom Regen gereinigt frisch. Dass in dieser Gegend viel Euro-Geld investiert wird, sieht man auch an den perfekt gestalteten Velowegen und dem aktuell laufenden Ausbau.

    Wir fahren auf vielen wie mit dem Lineal gezogenen Strassen. Die Gegend ist ziemlich flach, weshalb ein überraschend tiefer Turm genügt, um sich einen Eindruck über die Umgebung zu verschaffen. Ok, die historischen Gebäude selber sind teilweise ziemlich hoch, so dass sie auch über den Wald hinweg zu sehen sind.

    Vielleicht drehen wir am Nachmittag nochmals eine Runde und schauen uns den einen oder anderen Bau von nahem an. Doch jetzt geht’s weiter Richtung Lednice durch eine wohl erst kürzlich angelegte Apfelbäumchen-Allee.

    Weit kommen wir allerdings nicht, bis wir von einer Flötenspielerin und ihrem Konzertort aufgehalten werden. Schade, dass heute Abend hier nichts gespielt wird.

    Und wieder kommen wir nicht weit. Was seht ihr hier?

    Ein Stück weiter fahren wir lange einem Park entlang und erhaschen da und dort einen Blick auf ein Schloss und aufwändig gestaltete Gartenanlagen. Mit rein- und durchfahren ist leider nichts.

    Wir wollen zurück sein, so lange es noch Frühstück gibt. Vielleicht kommen wir am Nachmittag nochmal mit mehr Zeit zurück.

    Hoppla! Da müssen wir halten, damit ich ein Bild machen kann. Ziemlich schräg, diese Truthahn-Gedenk-Prozession!

    Gar nicht so einfach hier vorwärts zu kommen, was weder an den Strassen noch am Verkehr liegt. Vielleicht hilft ein Blick in den Himmel.

    Wenn ich in die Landschaft und auf den GPS schaue, dann hat‘s da – zum Glück gerade nicht von oben 😉 – ziemlich viel Wasser. Die Dyje (Thaya) bildet, wo sie nicht eingebettet worden ist, wildromantische Flusslandschaften, was ganz gezielt als gestaltendes Element eingesetzt worden ist.

    Viel dem Zufall überlassen haben die Liechtensteiner bei der Inszenierung dieser Gegend nicht. Und dabei auch launige Fantasien umsetzen lassen, à propos inszeniert. Lest am besten selber nach, was sich beispielsweise Hans für die Hansenburg (Janohrad) hat einfallen lassen…

    In einem fremdsprachigen Land wird der Vorteil von sprechenden Signalisationen sehr intuitiv. Manchmal verlassen wir uns auch darauf, tschechisch nicht zu verstehen, was – im Zweifelsfall – hoffentlich zu unseren Gunsten ausgelegt wird…

    Der Regen der letzten Nacht oder wohl eher der letzten Wochen hat Spuren hinterlassen.

    Was bei den vielen gut ausgebauten Radwegen hier keine grosse Rolle spielt.

    Uff, wenn ich öfters so lange brauche, um knapp 20 km und anderthalb Stunden unterwegs zu „verarbeiten“, kann ich das alles am Schluss als dicken Schmöker ausdrucken und binden lassen… Bin gespannt, wie sich das aus zeitlicher und räumlicher Distanz für mich lesen wird. Beim Dokumentieren erlebe ich alles nochmals intensiv und erinnere mich auch an Eindrücke und Sachen, die ich unterwegs gar nicht so bewusst wahrgenommen habe.

    Wir sind rechtzeitig zum Frühstück zurück und das Tandem bekommt einen Sonnenplatz.

    Obwohl oder wohl eher weil der Nachmittag noch viel mehr Eindrücke mit sich bringt, lasse ich da vor allem Bilder sprechen; draussen warten – ich schreibe diese Zeilen in Brno – noch viele Entdeckungen und Eindrücke auf uns.

    Während Heinz die Route für den Nachmittag zusammenstellt und sich zu Fuss die Synagoge von Břeclav anschauen geht,

    mit interessanter Ausstellung zur Geschichte der Jüd:innen in Břeclav

    schwelge ich in „alten“ Erinnerungen. Und freue mich über Kommentare von „Mitreisenden“ aus der Schweiz, wo das Wetter auch sehr aprilhaft zu sein scheint.

    Inzwischen ist es halb vier; bis 18 Uhr sollte es gemäss Wetterradar ein regenfreies Fenster geben. Regensachen einpacken lohnt sich dieser Tage immer – Werkzeug auch; beides vor allem, um es nicht zu brauchen.

    Erster Halt ist noch in Břeclav, die katholische Kirche, die durch ihre markante Form auffällt und sich durch ihre rote Farbe von den liechtensteinischen weissen Gebäuden unterscheidet.

    Die moderne neue Kirche konnten wir am Samstagabend auch betreten, weil gerade ein Gottesdienst gewesen ist und die Türen dafür einladend weit offen standen. Er war gut besucht, auch von einigen jungen Menschen – unter anderem einem Pärchen mit Treckingrucksäcken, in Outdoor-Outfit und mit Hund; möglicherweise pilgernd.

    Die ersten paar Kilometer haben wir die schnurgerade Hauptstrasse genommen. Danach dann direkt durch den Naturpark, auf Naturstrassen.

    Voilà, da ist es schon. Die Kombination von Natur, gestalteter Landschaft und Prachtsbauten macht dieses „Areal“ einzigartig.

    Heute begegnen wir vielen Velofahrer:innen und später auch Schlossbesucher:innen, was für einen Sonntag bei schönem Wetter kaum erstaunlich, aber für uns inzwischen bemerkenswert, weil ungewohnt ist.

    Die nächste Fotostrecke zeigt ausschliesslich Bilder von Schloss Lednice – eine unbeschreibliche Anlage.

    Wir haben – wohlweislich – das Tandem gleich mitgenommen. Stossenderweise, was wortwörtlich zu verstehen ist, denn das ist tatsächlich erlaubt. Wir sind dann durch eine der vielen Seitenausgänge raus, die nachts wohl alle abgeschlossen werden und überflutet von dieser Grandiosität, zurück Richtung Břeclav geradelt. Und das nachdem wir nur einen Bruchteil der Schlossanlage gesehen haben, von vielen anderen Bauten im „Areal“ ganz zu schweigen. Da wären noch

    • Schloss Valtice (Zámek Valtice)
    • Minarett von Lednice (Minaret Lednice)
    • Janův Hrad / Hansenburg – dem seid ihr schon begegnet
    • Jagdschlösschen Rendezvous (Lovecký zámeček Rendezvous / Dianin chrám) – diesem ebenfalls
    • Tempel des Apollo (Chrám Apollóna)
    • Grenzschlösschen (Hraniční zámeček)
    • Belvedere (Belvedér)
    • Kolonnade Reistna (Kolonáda na Reistně)
    • Obelisk (Obelisk)
    • Neuer Hof (Nový dvůr)
    • Hubertuskapelle (Kaple sv. Huberta)
    • Diana-Tempel (Dianin chrám)
    • Drei Grazien (Tři Grácie)
    • Tempel der Freundschaft (Chrám přátelství)

    Für mich war nach diesem manifestierten Grössenwahn die Fahrt auf einer Überlandstrasse mit Blick auf Natur und einzelne Verkehrsschilder sehr willkommen und erholsam.

    Uups! Stimmt. Da war doch was mit einem regenfreien Fenster… Ob wir auch dieses Mal Glück haben?

    Dann doch noch einen Abstecher ins Schloss Valtice, wo ich mit einer dieser feinen Limonaden, die es hier gibt, draussen bleibe und mich erhole. Heinz hat da mehr Kapazitäten, so dass noch ein Schloss mit ein paar bescheidenen Zimmern 🤭 und eine Kirche drin liegen.

    Die beiden folgenden Fotos hat er mir grosszügigerweise ohne Copyright zur Publikation überlassen.

    Wer mehr zu dieser unglaublichen Kultur-Landschaft wissen will, empfehlen wir einen Besuch mit VIEL Zeit oder – etwas weniger aufwändig – einen Blick in Wikipedia 😉.

    Wie ihr sehen könnt – für einmal sind sich unsere beiden technischen Dokumentatoren überraschend einig – war auch die Nachmittagstour kilometermässig überschaubar. Dafür haben wir uns etwas mehr Zeit gelassen.

    Mein Magen macht sich lautstark bemerkbar und wird noch eine ganze Weile warten müssen, weil Sonntag und vegetarisch gar nicht so einfach ist. Doch auch hier: Ende gut, alles gut.

    Von den ebenfalls sehr feinen Samosas zur Vorspeise konnte ich – hungerbedingt – kein Foto machen. Prioritäten setzen ist wichtig!

  • 26.-31. Juli 2025 – Slavonice

    In Slavonice machen wir den ersten längeren Aufenthalt; die Entwicklung dazu war spannend – wie Vieles andere im Vorfeld dieser Reise auch. Im Innen und im Aussen unterwegs sein sozusagen. Doch das mehr als persönliche Erinnerung, quasi eine ehrfachen Sinne des Wortes.

    Doch zuerst sind wir ja noch in Třeboň (deutsch: Wittingau oder auch anders – die wechselnden und wechselhaften Bezeichnungen sind überall sichtbare Zeichen der schwierigen Geschichte dieser Grenzregion).

    Heute starten wir – eher als Ausnahme – mit einem ausgiebigem Frühstück, was in einem auf Radsportler:innen ausgerichteten Hotel auch für mich ein Genuss ist.

    Einmal mehr wechselhaft ist heute auch das Wetter. Deshalb brauchen wir fürs Anziehen, das optimal in Griffweite verstauen der vermutlich nützlichen Kleidungsstücke und das Packen des Tandems ebenfalls mehr Zeit als gewöhnlich.

    Bevor‘s los geht noch ein letzter prüfender Blick zurück, ob alles dabei ist. Für bereits zwei Wochen unterwegs ist unsere Bilanz ganz ok. Seit gestern haben wir neue Spanner für die zusätzliche Stabilisierung des Gepäck; der altbewährte – mit der zu meinem Brompton und zum Tandem passenden Farbe… – ist an einer Garderobe hängen geblieben… Ansonsten alles noch mit an Bord.

    Wir begegnen trotz fortgeschrittener Tageszeit und sehr beliebter Tourengegend wenig anderen Radfahrer:innen. Warum wohl 🤔? Und was fast noch erstaunlicher ist: diejenigen, die wir sehen, sind mehrheitlich ohne Regensachen unterwegs… Ein wetterfestes Volk.

    Wir sind vergnügt und schwungvoll unterwegs. Bei Regen sind kühlere Temperaturen angenehm und die Landschaft hat ihren ganz eigenen Reiz.

    Nationale, regionale und lokale Radrouten kreuzen sich quer durch die Landschaft und sind streckenweise auch deckungsgleich. Wir lernen heute auch besser zu verstehen und zu interpretieren, was mit der jeweiligen Belagsbezeichnung im Komoot gemeint ist. Definitiv nicht alles gleich komfortabel…

    Für das Co-Motion alles kein Problem; der gute alte Burleigh hätte da schon lange gestreikt…

    Wir kommen flott voran. Wenn‘s regnet und kühl ist, halten wir auch weniger an. Fotografieren kann ich ja auch vom Sattel aus, wobei das mit klammen Fingern und nassem Display nicht besonders gut geht. Und mit Handschuhen, die wir heute tatsächlich tragen, schon gar nicht.

    Insgesamt geht es heute abwärts, allerdings wie oft nur netto betrachtet. Die hügelige Landschaft geht zeitweise ziemlich in die Beine, weshalb ich für eine Pause plädiere. Und was für eine!

    Zuerst denken wir an eine Baustelle oder einen Wasserleitungsbruch, wegen der Abschrankungen und der Feuerwehr. Dann an ein Feuerwehr-Fest, was sich zumindest für diesen Moment, ebenfalls als Trugschluss erweist. Tatsächlich geraten wir mitten in die 850-Jahr-Feierlichkeiten von Nová Bystřice mit gekonnten und temporeichen Musikeinlagen und weniger versierten Ansprachen, die wir euch ersparen 😉.

    Das Tüpfchen auf dem i und die ursprüngliche Absicht, die Kaffee-Pause plus, geniessen wir unter einem Dach – unterhalten von der Musik und den nicht nur akustisch unverständlichen Reden.

    *****************

    Weil ich wegen technischer Schwierigkeiten seit Sonntag nichts mehr schreiben konnte und wir seither einiges erlebt haben, weiss ich nicht, ob ich alles nachliefern kann. Auch nicht, weil das Internet hier im Hotel in Znojmo eindeutig zur Gattung der 🐌 gehört und am Sonntagabend noch Videos dazu gehören. Kann also gut sein, dass der Slavonice-Eintrag erst zu einem späteren Zeitpunkt finalisiert wird.

    Stichworte:

    • Neumühl
    • Klaster
    • Landstejn
    • Karpfenteiche

    ******************

    Wie oft dieser Tage fahren wir durch viele Alleen.

    Es gäbe viele historische Gebäude zu besichtigen – was ohnehin nicht so mein Ding ist. Bei diesem Wetter schon gar nicht. Bei schönem Wetter mache ich es mir oft draussen gemütlich, wenn Heinz sich beispielsweise Kirchen anschaut.

    28. Juli 2025 – Slavonice erbummeln

    Der Wind hält inzwischen den Regen in Schach und wir nähern uns Slavonice.

    Was für ein erlebnisreicher Tag, der mit einem gemütlichen Morgenessen in Trebon gestartet ist, trotz kurzer Strecke unterwegs vielen Trouvaillen unterwegs

    Hier bleiben wir fünf Nächte und freuen uns sehr darauf. Unsere Gastgeberin verspätet sich fast eine Stunde. Genug Zeit für ein spätes Mittagessen; sehr feine Palatschinken.

    Das sehr spezielle, orientalisch anmutende Interieur der Pension überrascht und gefällt uns sehr. Alles ist mit hochwertigem Material ausgestaltet und wird sehr sorgfältig und aufmerksam betrieben. Die Besitzerin macht offenbar alles selber und achtet auf kleinste Detail, ohne deshalb in irgendeiner Form aufdringlich oder kompliziert zu sein. Wir haben uns sehr wohl gefühlt, auch wenn wir – Temperatur- und Witterungs-bedingt den hübschen Garten leider nicht nutzen konnten.

    Nach dem Einrichten und einer ausgiebigen heissen Dusche zum Aufwärmen sind wir – ohne uns etwas darunter vorstellen zu können – nochmals auf den Platz zum Feuerwehr-Wettbewerb. Der Beginn war auf 21 Uhr angesagt. Na ja, so in etwa. Später war die Zeit dann sehr wichtig; jede Sekunde zählte und einige Durchgänge sind zwei Mal gestartet worden, weil sie jemand zu früh bewegt hat. Während des Wartens haben wir gerätselt, was da wohl für ein Parcours zu absolvieren ist und was das für Höllenmaschinen sind, die einen ziemlichen Krach machen. Und wieviele Feuerwehren da mitmachen. SEHR viele und erst noch in jeweils unterschiedlichen Formationen. Als wir um Mitternacht im Bett lagen, hörten wir noch mehrmals die Motoren röhren.

    Die Videos des Spektakels kann ich euch leider noch nicht bieten. Hier schon mal Bilder von diesem interessanten, trotz Wettbewerbs sehr kollegialen und entspannten Anlasses, bei dem so viele mitgewirkt haben, dass es kaum „nur“ Zuschauer:innen gegeben hat – auswärtige wie wir schon gar nicht. Dafür wohnen in dieser Gegend zu wenig Menschen und der Tourismus ist meist Tages-Tourismus.

    Was für ein erlebnisreicher Tag. Gemütlich bei einem ausgiebigen Frühstück im Hotel gewartet, ob das Wetter nicht doch noch besser wird. Nö… Bunt eingepackt – wir und das Gepäck – losgeradelt. Auf einer an sich kurzen Etappe viel gesehen und gehört. Von Slavonice sind wir freundlich empfangen worden – das Städtchen hat mir schon letztes Jahr sehr gefallen – und mit einem Feuerwehr-Wettbewerb als fulminanten Abschluss verwöhnt worden. Wie das wohl weiter geht? Zuerst einmal mit einem Tag Pause für das Tandem.

    27. Juli 2025 – Slavonice erbummeln

    Sonntagmorgen – die Sonne weckt uns. Der Blick nach draussen zeigt, dass es in der Nacht geregnet hat. Wir lassen es gemütlich angehen – mit Kaffee im Bett und Informationen zu Slavonice. Ein kleines Städtchen zwar, aber mit einigem, das zu erkunden lohnenswert klingt.

    Wir starten mit dem amächelig beschriebenen Spaziergang durchs Dorf.

    Weil wir sozusagen durch die Hintertüre herein kommen, sieht nicht alles gleich präsentabel aus.

    Die einzelnen Häuser sind in sehr unterschiedlichem Zustand, wobei wir vielerorts sehen, dass etwas gemacht wird. Zuerst kümmern sie sich jeweils um Dach und Fenster, was sinnvoll ist, um den Verfall zu stoppen und die Häuser bewohnbar zu machen oder halten.

    Manchmal scheinen auch in Tschechien Kosten- über Sicherheitskriterien zu triumphieren; SUVA-konform sieht das in meinen Augen nicht gerade aus.

    Die alten Bauernhäuser am Rande des Städtchen sind ebenfalls in sehr unterschiedlichem Zustand. Die alte St. Jana Kirche ist – wie fast alle Kirchen, die wir bisher gesehen haben – nicht frei zugänglich. Mehr als ein Blick durchs Gitter geht nicht.

    Die Fresken an der Aussenmauer sind noch gut sichtbar.

    Text auf Deutsch

    An ein Neubau-Quartier schliesst sich ein schön gestalteter Stadtpark und ein kleines Naturschutzgebiet an, wo offenbar sehr seltene Edelkrebse unter Schutz stehen. Gesehen haben wir keine, dafür viele andere Insekten und Wassertiere.

    Wenn wir zu Fuss unterwegs sind, verändern sich meine Sujets und meine Art zu fotografieren, weil ich mehr Zeit habe. An diesem Tag war ich sowieso in Bummellaune und habe mich – nach dem Regen – über die vielen frisch gewaschenen Farben gefreut. Die Sonne hat sich zwar nur sporadisch gezeigt, von Regen sind wir aber verschont geblieben.

    Die Wege sind sehr gut angelegt und der Park ist mit guten Materialien möbliert.

    Weil mich interessiert, was in Sachen Umwelt so geht, fallen mir auch solche Sachen ins Auge.

    Inzwischen haben wir Durst und weil eine der beschriebenen Stationen – ein umgebautes altes Vereinshaus, das einen Architekturpreis gewonnen hat – auch ein Café hat, fällt die Wahl nicht schwer. Das Gebäude ist sehr angenehm, bietet feine Sachen und hat auch ein gutes Internet, weshalb wir noch mehrfach dort gelandet sind.

    Nächster Rundgang-Punkt: Turmbesteigung – mit mehreren Überraschungen oben.

    Doch zuerst gilt es einige Stufen zu überwinden. Da sind einige Menschen, die uns obsi oder nidsi begegnet sind, ins Schwitzen und Schnaufen gekommen.

    Der Blick rundum hat bei uns Lust auf Touren in die weitere Umgebung geweckt. Schön, dass wir solche einbauen konnten. Mit Fernblick war zwar auch heute nichts, aber wer weiss. Wie sind ja noch ein paar Wochen unterwegs.

    Überraschend war nicht nur, dass wir erst oben bezahlen mussten, sondern auch, dass dort eine Verkaufsaustellung mit Uhren aus alten Schallplatten untergebracht ist. Eine coole Art von Vinyl-Upcycling. Die Sujets deckten nicht nur Musikstile, Bands und Idole aller Genres ab, sondern auch Sujets aus Geografie, Tierwelt, Berufen und und und. Ich könnte euch ein paar Seiten vollpflastern…

    Doch nicht genug; draussen, auf dem Turmbalkon konnte eine Sammlung der anderen Türme und Sehenswürdigkeiten aus der Region in Holz bestaunt werden und selbstverständlich gab‘s im Inneren den obligaten Stempel. Das scheint eine weit verbreitete Sammel-Leidenschaft zu sein, nicht nur bei Kindern. Es gibt fast in jeder Stadt Extra-Heftli mit allen Sehenswürdigkeiten, die quasi erstempelt werden können und unterwegs finden sich solche Stempel an den unterschiedlichsten Orten (Aussichtspunkte, Fährstationen, Naturdenkmäler, Tierparks, markante Punkte und und und).

    Auf dem Stadt-Rundweg-Plan hat‘s 16 Stationen. Alle werden wir wohl weder heute, noch in der Zeit in der wir da sind abklappern. Mal schauen, was davon uns beim Schlendern durchs Zentrum noch anlacht. Als nächstes die im Original erhaltenen Fresken der Apokalypse. Zu verdanken ist dies dem Glücksfall, dass der Speicher als Heuboden genutzt worden ist und so alle Fresken, in der Zeit als diese bei der Säkularisierung übermalt wurden, unentdeckt geblieben sind.

    Das ganze Haus ist eine Art „Heimatmuseum“, in der die Führerin auch wohnt, Alltagsszenen ausstellt und gleichzeitig in einzelnen Kammern geschlafen werden kann. Eine faszinierende Mischung.

    Weil wir gerade so eingestimmt sind, schauen wir noch in ein Antiquariat rein, das mehr eine Mischung aus Kuriositäten- und Gruselkabinett ist.

    Inzwischen ist Zeit für einen Apéro. Dann kann ich auch eine Auswahl der Türen, die ich heute unterwegs in Slavonice fotografiert habe, zu Collagen verarbeiten. Voilà.

    Oh, à propos Türen: hier noch ein Blick in unsere Pension.

    28. Juli 2025 – Bunte Rundtour von Slavonice aus

    Weil es ziemlich frisch ist und Heinz mit IT-Rettungs-Arbeiten beschäftigt, hat das Tandem erst am Nachmittag wieder Dienst. Zuvor geniessen wir noch einen ausgiebigen Brunch.

    Die Temperaturen sind inzwischen angenehm und trocken ist es auch. Verkehr scheint es in dieser Gegend sowieso kaum je zu haben, so dass wir sogar auf Hauptstrassen fast alleine unterwegs sind. Wir fahren heute in eine andere Richtung, für einmal nicht über den Hauptplatz, was komfortabler ist, weil es Kopfsteinpflaster vermeidet.

    Der erste Stopp ist ein alter jüdischer Friedhof. Erstaunlich, dass er noch so intakt ist. Hat vielleicht mit seiner versteckten Lage im Wald zu tun.

    Heute ist eine gemütliche Runde angesagt, weshalb ich viel Zeit habe, Pilze und anderes zu „sammeln“. Besonders Farben ziehen mich an. Auch monochrome.

    Einige der Routen, die wir befahren, kennen wir bereits, andere, wie beispielsweise die Kräuterrunde, sind neu. Die wollen wir in den nächsten Tagen noch besser erkunden. Auch die Beläge wechseln, wobei es keine dabei hat, die eine besondere Federung benötigen.

    Auf der Rückfahrt schauen wir in Maritz vorbei. Blumenparadies beim Dorfeingang.

    Die Keramik, die zu Maritz gehört und die besondere Stimmung dort gehören zu den Gründen, weshalb wir nochmals in diese Gegend kommen wollten. Seht selber.

    Weil sowohl der Kuchen als auch die hausgemachte Limonade ausgegangen sind fahren wir retour nach Slavonice. So wie der Himmel inzwischen aussieht, scheint uns das eine gute Idee zu sein.

    Hat sich angenehmerweise wieder verzogen. Wir sind in Slavonice noch in das feine Café, das ebenfalls zum Maritz-Universum gehört. Mmmmh.

    Heute braucht‘s wohl nicht mehr viel zum Abendessen.

    29. Juli 2025 – Thaya-Runde

    Nach zwei sportlich sehr gemütlichen Tagen ist uns wieder nach mehr Bewegung. Die Thayarunde bietet sich dafür an, auch wenn einige unbefestigte Strecken ausgewiesen werden, was sich allerdings als Ente erweist und zu einem Art Running Gag wird, weil der GPS, gefüttert vom Komoot, immer wieder unbefestigte Etappen anzeigt, die dann alles andere sind.

    Im Gegensatz dazu werden wir in Znojmo dann den anderen Weg rum in die Irre geführt. Doch das ist erst in ein paar Tagen… Jetzt bin ich noch am Lücken schliessen.

    Nehmen wir für heute Mal die Tourendaten an den Anfang, wobei sie – aktuell sind wir etwas vom technischen Pech verfolgt – nicht vollständig sind.

    so in etwa passt das

    Hinzu kommen noch ein paar Kilometer zum Abendessen und retour; die Hundertergrenze haben wir sicher geknackt. Ohne Gepäck fährt es sich schon lockerer, zumindest bergauf. Und natürlich merken wir auch, dass wir bereits gut zwei Wochen unterwegs sind. Das hat auch seinen Trainingseffekt. Dass die Tour abwechslungsreich, landschaftlich schön und weitgehend verkehrsfrei gewesen ist, hilft ebenfalls. Da kann nicht einmal zeitweiliger Gegenwind auf die Moral schlagen.

    Wie wir am anderen Tag sehen werden, haben wir einerseits die Tourenbeschreibung falsch interpretiert und ist andererseits der Prospekt zur Thayarunde, der in Slavonice im Infocenter aufliegt, veraltet. Gegen so nette Überraschungen haben wir nichts 😉