5.- 7. September 2025 – Von München nach Bad Wörishofen, nach Kempten, nach Memmingen

Verfasst von

in

Kurz vor 7 Uhr. Heute Nacht gab‘s Gewitter und ziemlich viel Regen. Es ist FREItag – private joke sozusagen – was für Viele ein Arbeitstag ist. Heute ist volle Regenmontur angesagt, obwohl es beim Start gerade nicht regnet. Wird heute nicht oft so sein.

München ist, nicht nur wegen den Radwegen der Isar entlang, eine Velo-freundliche Stadt. Es hat viele abgetrennte Radwege und die zum Teil komplizierten Übergänge sind gut ausgeschildert.

Wir sind nur kurz im Stadtverkehr und biegen dann von der stark befahrenen Strasse in einen Wald ab, der, wie ich erst im Nachhinein recherchiere, zum Forstenrieder Park gehört. Dieses rund 3.900 Hektar grosse Waldgebiet am südlichen Rand von München war früher ein Jagdrevier der bayerischen Könige und ist durchzogen von alten Eichenalleen und historischen Gebäuden. Von denen haben wir keine gesehen. Dafür haben wir eine andere Überraschung erlebt.

Weit vorne sehen wir ein schwarzes Tier auf der Strasse. Heinz meint, dass es ein Wildschwein sein könnte, was ich mir nicht vorstellen kann und auf einen Hund tippe. Diese Wette hätte ich Hochkant verloren. Es war ein Wildschwein – und ist nicht das einzige geblieben. Eine zweistellige Zahl waren‘s insgesamt.

Die sind offensichtlich Menschen und Velofahrer:innen gewohnt und auch ein Tandem bringt sie nicht aus der Ruhe. Sogar Frischlinge haben wir gesehen; die Bache ist allerdings sehr schnell drohend in unsere Richtung gekommen. Da war zügiges Weiterfahren angesagt.

Regenwetter hat insgesamt den Effekt, dass wir gut vorwärts kommen, weil ich beispielsweise keine Fotostopps mache. Im Naturpark hat‘s zum Glück noch nicht geregnet. Das kam erst später und sogar einiges stärker als angesagt. EIN richtiger Regentag in acht Wochen ist eine unglaubliche Bilanz. Zwar scheint es in den letzten beiden Wochen noch den einen oder anderen zu geben, aber wir fühlen uns sehr verwöhnt vom Wetter. Auch richtig heiss war‘s nur so, dass wir es mit früh los gut umschiffen konnten und tropische Nächte haben wir keine einzige erlebt. Fast zu schön, um wahr zu sein – wie Einiges auf dieser Reise, wenn ich beispielsweise an unser Pannenglück in einem doppelten Sinne denke. Zum Einen hatten wir kaum welche und zum Anderen, konnten wir alle so handhaben, dass wir kein einziges Mal umplanen oder gar einen Reparaturaufenthalt einlegen mussten. Wow!

Nach der – gegenseitigen 😉 – Wildschwein-Beobachtung sind wir weiter “über Land” gefahren.

eigentlich sollte es bereits hell sein…

Danach ist es urbaner geworden und wir haben in Wessling, wo wir zuvor durch ein grosses Industrieareal gefahren sind, einen Kaffee- und Aufwärmhalt in einer kleinen und sehr sympathischen Boutique-Bäckerei eingelegt.

Weiter geht‘s. Am Ammersee haben wir einen letzten Fotohalt eingelegt. Eigentlich wegen der Vogelschwärme. Und dann noch das Strandcafé und die Schiffanlegestelle und neckische Details entdeckt. So ist es mir oft gegangen.

Bei schönem Wetter sicher ein Highlight. Heute ist – verständlicherweise – der Wintergarten der Ort der Wahl.

Danach hat‘s zu regnen begonnen; zuerst nur so, dass wir und unsere Regensachen das noch lange locker mitgemacht hätten. Danach, so dass schnell spürbar wurde, dass unsere Regensachen mal wieder eine Tumbler- beziehungsweise Glätteisen-Auffrischung nötig hätten…

Abgekühlt hat‘s auch, so dass wir sehr froh um die feine Schnittlauch-Rahmsuppe gewesen sind, die sie uns im Hexenturm in Landsberg bereits um halb zwölf Uhr serviert haben. Heinz hat sich zur Feier des Tages noch eine Dampfnudel gegönnt mit wahrlich beeindruckenden Ausmassen. Für Betriebsstoff war also gesorgt – und die Reststrecke nicht mehr weit, dafür zuerst noch kräftig begossen. Weil ich meine Hände kaum von der wärmenden Teetasse nehmen konnte, gibt‘s dazu keine Fotos 🤭.

Das letzte Stück nach Bad Wörishofen ist dann ziemlich flott gegangen

heute mal wieder weniger einig, was Durchschnittsgeschwindigkeit und Anstieg angeht…

Da wir bereits einchecken konnten, in unser 81m2-Luxusloft (kein Witz! aber ohne Fotos), stand auch die wärmende Dusche – es hätte sogar eine Badewanne im Zimmer gehabt… – bereit, so dass wir dann wieder präsentabel waren. Eine grosse Schüssel Salat und Pasta mit Pesto aus dem nahegelegenen goldige-Apotheken-Bioladen waren das passende Programm, um die „schöner Wohnen“-Unterkunft mit Kochblock und was du dir noch so wünschen könntest (Riesen-Bildschirm, Stereoanlage mit CD-Auswahl, zweierlei Kaffeemaschine, GWM, Klavier, Marmorböden, Bad fast so gross wie meine Wohnung etc.). Kostenpunkt? Nicht mal dreistellig. Manchmal kann ich nur staunen… Dabei ist Bad Wörishofen ein richtig teures Pflaster 🤷🏻‍♀️.

6. September 2025 – Bad Wörishofen – Memmingen

Wie versprochen erwartet uns am Morgen blauer Himmel, bei einer Temperatur im einstelligen Bereich! Also nix früh raus, sondern Infrastruktur nutzen und es sich mit einem Kaffee nochmals auf der Sofalandschaft gemütlich machen. Selbstverständlich hat es Kaffeekapseln, Kaffee für die Filterkaffeemaschine und – falls wir noch irgendetwas gebraucht hätten – „bitte einfach melden, falls Sie noch irgend etwas möchten“.

Fahrt ins Grüne – und ins Blaue – mit Panoramablick. So lässt sich der Start kurz zusammengefasst beschreiben.

Foto aus der Allgäuer Zeitung

Die Strecke ist an sich ziemlich flach, ausser gegen Ende, aber der Gegenwind macht diese Etappe zu einer sportlichen. Wir sehen viele Windräder – leider, leider von hinten. Für Windräder gilt „auch ein Rücken kann entzücken“ NICHT! Dafür ist die Route sehr schön und auch gut ausgebaut, wenn auch – wie in Deutschland üblich, was ich auch gut finde – in den Waldstücken meistens unbefestigt.

Der Panoramablick ist grandios. Wir sehen ein paar markante Formationen und sogar teilweise Schnee-bedeckte Spitzen.

Mir kommt die Fahrt wie eine Reise durch eine Modell-Eisenbahn-Landschaft vor. Und zwar eine, wo öbber sehr viel Zeit und Herzblut investiert hat. Geradezu idyllisch.

Später Morgen, so langsam wäre eine Pause und etwas zum Knabbern nett. Da bietet sich das bayrische Kaufbeuren an, das sich selbst das Tor ins Allgäu nennt und malerisch im Wertachtal zwischen München und Lindau liegt.

Zwar haben wir nur einen Kaffeehalt in der Marktgasse gemacht. Der Eindruck, den wir vom charmanten Städtchen ist ein vielseitiger, 🌈-farbiger, lockerer und sehr fröhlicher, was nicht nur mit dem schönen Wetter, sondern auch mit der Pride Demo & Festival zu tun hatte, die am Samstag den krönenden Abschluss des Allgäu Pride Month bildete.

Während wir auf der Strassenterrasse eines Cafés in der Altstadt sassen, zogen gruppenweise bunt gekleidete, kreativ geschminkte Menschen mit viel Glitzer und poppigen Frisuren vorbei mit LGBTQIA+ Transparenten, Solidaritäts-Fahnen und Regenbogen-Assessoires. Sie waren alle auf dem Weg zur Demo, die am Mittag zwei Querstrassen weiter startete.

Foto aus der Allgäuer Zeitung

Dabei war schon unser Pausen-Snack und das Sitzen an der Sonne ein Genuss.

Und die Akrobatik der fleissigen Bienen im Blumenschmuck ebenfalls eine unterhaltsame Augenweide.

Das Tandem stand während dessen vis-à-vis vor einem Bestattungsinstitut an bester Passantenlage und mit einem sehr stilvoll dekorierten „Schaufenster“.

Der Name gefällt mir

Dass ich dann – mit Erlaubnis – auch noch ein Bild einer Hochzeitsgesellschaft vor dem Rathaus samt Fotografen machen durfte, ist ein weiteres i-Tüpfchen. Ob es ein Wort mit so vielen „i“ gibt, wie wir in dieser Pause Highlights erleben durften? Ich zweifle daran.

Die Badmington-Kolleg:innen in rot haben auch was vorbereitet.

Nach dieser ausgiebigen und facettenreichen Pause geht‘s beschwingt weiter. Auf Strecken neben Bahnlinien geht das fast wie von alleine.

Die Gegend erinnert uns zeitweise an BaWü, gleich ennet der Grenze oder auch an Landschaften in der Schweiz. Damit hätten wir allerdings nicht gerechnet…

Im schönen Wertachtal liegt Altdorf zwar nicht und auch die Veloschilder und Wandertafeln passen nicht. Trotzdem irgendwie speziell. Ist immer witzig, wenn bekannte Ortschaftsnamen an unbekannten Orten auftauchen, manchmal einfach leicht anders geschrieben, wie Schafhausen beispielsweise. À propos bekannt (vorkommen): das Wertachtal erinnert mich irgendwie ans Wiggertal, wo wir auch schon oft mit dem Tandem durchgekommen sind und wo es auch einen Themenweg und Infotafeln dazu gibt.

Heute scheint bunt und kreativ ein Tagesmotto zu sein. In der Altdorf-Gegend fahren wir durch ein Waldstück mit kunterbunten Vogelhäuschen.

Und die Natur hat sowieso immer Farbtupfer zu bieten.

Die Gegend hier – aktuell sind wir auf dem Gemeindegebiet von Biessenhofen – ist durchzogen von Themenwegen; einer hat einen für mich aktuell besonders passenden Namen.

Das am Horizont sichtbare Panorama und die intensiven, klaren Farben – sattes Grün und himmlisches Blau – tragen ihren Teil zum Zauber des heutigen Tages bei.

einzelne sogar mit Schneespitzen

Was ich euch mit den nächsten Bildern leider nicht vermitteln kann, ist der würzige Duft des Holzes. Ergänzt ihn bitte aus eurem Erinnerungsrepertoire.

Passend zur Idylle weiden hier Kühe MIT Hörnern, was rar geworden ist.

Sagenhafter Weg, Modell-Eisenbahn-Landschafts-Idylle à la Johny Joker, fast unwirklich anmutend dieser Tag und diese Etappe.

Dabei war sie nicht einmal besonders lange – oder vielleicht auch gerade deshalb, weil dadurch viel Zeit und Musse zum Schauen, Verweilen und Staunen da war.

P.S. Die letzte halbe Stunde lasse ich weg. Die Anfahrt ins Kemptener Smart Hotel hat die Idylle etwas getrübt.

ein Motel zeichnet sich aus durch…

Allerdings nichts, was eine Dusche, ein Spaziergang in die Stadt, ein Bummel durch Kempten, ein sehr feines Znacht im Joyce und eine nächtliche Rückfahrt der Iller entlang mit dem Tandem-Taxi nicht wieder hätten ins Lot bringen können.

7. September 2025 – von Kempten nach Memmingen

Temperaturen im einstelligen Bereich und wieder keine lange Strecke; da nehmen wir es doch schon am besten von Anfang an gemütlich. Der nächtliche Tau lässt die Pflanzen in der Morgensonne glitzern. Diese zeigt sich allerdings noch etwas zögerlich, weshalb unser Team auch noch lange nicht vollständig ist.

Da sehen ein paar ebenfalls nach Gemütlichmodus aus.

Das erste Stück fahren wir auf dem Illerradweg, der dafür sorgt, dass wir nicht auf dem Tandem weiter schlafen 🤭. Weil es doch schon fortgeschrittener Morgen ist, sind trotz herbstlicher Temperaturen schon einige Fussgänger:innen mit und ohne Hunde und Jogger:innen unterwegs.

Ah, da sind sie ja, unsere Begleiter:innen. Laden wir sie doch am besten gleich mit zu einem Kaffee und einem Snack ein, wahlweise salzig oder süss.

Die Iller mäandert ziemlich auf diesem Abschnitt und hat sich teilweise richtige Steilufer eingegraben.

Trotz etwas anstrengendem Untergrund kommen wir gut voran, auch um uns warm zu halten.

Da schau mal. Ein Tandem! Allerdings ziemlich in die Jahre gekommen. Wie der Traktor auch. Da bleiben wir lieber unserem Rolls Royce treu.

Inzwischen haben wir den Iller-Radweg verlassen und fahren durch hügeliges Landwirtschaftsgebiet mit vielen kleinen Ortschaften. Die Sonne zeigt sich nur selten, weshalb die Farben auf den Bildern nicht so intensiv wie gestern sind.

Auf einem Streckenabschnitt sehen wir viele Schwalbenschwärme, die Formation fliegen, was mich immer wieder fasziniert. Wie heisst es doch: EINE Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber VIELE Schwalben scheinen mir ein deutliches Zeichen für den Herbst zu sein. Zugvögel bei der Reisevorbereitung sozusagen.

die Schwalben sammeln sich für ihre Reise Richtung Süden

Die Schafe kümmert das nicht und auch die Kühe haben keinen Blick für die Vögel oder uns übrig, obwohl sie quasi im „Strassencafé“ sitzen. So wirkt es zumindest, weil ihr grosszügiger Laufstall gegen den Landwirtschaftsweg offen ist und sie, weil das Futter dort liegt, alle Richtung Strasse positioniert sind. Wir könnten sie im Vorbeifahren berühren, wobei mitten durch ihr Futter zu fahren unverschämt wäre. Also grüssen wir im Vorbeifahren nur 🤭.

Wind hat es heute keinen, dafür noch Pfützen und schlammige Stellen von den Regenfällen der letzten Tage.

Einzelne Felder sehen fast wie Reispflanzungen aus. Inzwischen sind wir wieder eben an einer Bahnlinie unterwegs. Das Wasser kann also nirgendwohin abfliessen, wenn der Boden gesättigt ist.

Obwohl Sonntag ist, sind die Bauern am Arbeiten, vor allem am Heu zetteln oder Gras für ins Silo einbringen. Auch die Hochspannungsleitungen knistern geschäftig.

Uups! Doch, wir kommen gut aneinander vorbei.

Wir können sowieso praktisch für die ganze Tour den Auto-, Lastwagen-, Bus- und Landwirtschaftsfahrzeug-Fahrer:innen ein grosses Kränzchen winden. Doch, doch, wir haben mehr als eine Traktorfahrerin gesehen; auch eine betagte, deren Traktor ein echter Oldtimer und Schritttempo unterwegs gewesen ist. Alle warten meistens mit hetzfreiem Abstand und Geduld hinter uns, bis sie, mit grossem Sicherheitsabstand, überholen können. Auf den Fahrradstrassen und oft auch den Radstreifen haben Velos sowieso Vortritt. Da könnte sich die Schweiz vielerorts etwas anschauen.

Viele Höfe hier sind gut im Schuss, mit modernstem Wagenpark und oft auch recht gross. Weil die Ausnahme die Regel bestätigt und ich es mag, wenn die Natur sich ihren Platz zurück erobert – und die Bilder davon, aus meiner Sicht, sowieso attraktiver sind, hier ein solches Beispiel.

Richtung Ottobeuren wird‘s wieder deutlich hügeliger und landschaftlich reizvoll; mit dem losen Untergrund allerdings auch Schweiss-treibend.

Kloster in Sicht; weit sein kann‘s also nicht mehr. Mein Magen meldet sich bereits lautstark und begehrlich.

Eine Menge los hier. Die Menschen kommen mit Rennrädern, eBikes, Motorrädern, Autos und auch zu Fuss, pilgernd oder auch als gewöhnliche Wandersleute. Am Platz hat es einige Restaurant zur Auswahl; nicht alle gleich gut besucht. Das Wirtshaus am Markt erweist sich als gute Wahl. Wir dürfen auf der voll belegten Terrasse zu einer freundlichen Frau aus der Gegend dazu sitzen. Zum Glück dauert es dann auch nicht die angekündigte Stunde bis das feine und nahrhafte Essen (Bayrische Rösti und Ofenkartoffeln, beides mit Kräuterschmand und Salat) serviert wird. Für Fotos hat‘s nicht gereicht, so hungrig wie ich gewesen bin 🤭.

Gefüttert und zufrieden satt können wir uns wieder der Umgebung und den kulturellen Angeboten zuwenden. Heinz besichtigt die Klosterkirche und ich stromere über den Marktplatz und durch die Gassen. Kirchen, Museen und Ausstellungen sind für mich Schlechtwetterprogramm…

Wer weiss, vielleicht kommen wir am Dienstag oder Mittwoch nochmals vorbei. BAGS & UTOPIAS klingt irgendwie spannend, das Ausstellungsplakat spricht mich an und Regenwetter ist ebenfalls angesagt. Da wir ohnehin ein paar Tage in Memmingen bleiben wollen, weil das Tandem ein paar professionelle Streicheleinheiten braucht – nach 3000 km on tour sind eine neue Kette und dieses Mal wohl auch eine neue Kassette kein Luxus – könnte das passen. Wir werden sehen.

Heute geniesse ich lieber die inzwischen entwolkte Sonne und das muntere Treiben auf dem Marktplatz.

So, Zeit für die letzten paar Kilometer nach Memmingen, wo hoffentlich eine nette Dusche auf uns wartet.

Duschen, auspacken und später noch auf eine erste Erkundungstour in die Stadt, die uns auf Anhieb gefällt. Erstaunlich viel los für einen Sonntagabend.

Die Mondfinsternis sehen wir leider selber nicht, dafür hat‘s in diversen Statis tolle Bilder davon. Hier ein „gemucktes“, ohne Quellenangabe…

gleicher Himmel, ander

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert