23.-27. August 2025 – Hörfarth

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Zuerst ist es noch nicht Hörfarth, sondern die Herfahrt oder Hinfahrt. Du kannst es dir aussuchen.

Weil es inzwischen herbstlich kühl ist am Morgen, nehmen wir‘s gemütlich mit aufstehen, Kaffee trinken, packen und losfahren.

Ich schreibe auch noch etwas in meinen Blog – mit Sicht auf einen Kaktus, der es wohl auch bei mir lange aushalten würde.

dafür braucht‘s keinen grünen Daumen – eher einen besonderen Geschmack 😉

Wir verlassen das Haus mit einem Eintrag im Gästebuch, was wir sehr selten machen. Für die Gastfreundschaft und Grosszügigkeit der Familie Pichler wollten wir uns einfach auch so nochmals bedanken.

Ein Blick zurück in das Entree, von der ihr und „unser“ Hausteil abgeht.

Der „alte“ Hausteil lässt auf einige Enkelkinder schliessen und zeugt vom handwerklichen Geschick und dem Pragmatismus des Hausherrn, einem ehemaligen Schreiner, der auch viele andere Handwerkgenres zu beherrschen scheint.

Inzwischen ist es 9 Uhr und immer noch so kühl, dass wir mit Armlingen, Beinlingen und Windschutzjacke losfahren, die ich alle fast den ganzen Tag über anbehalten oder immer mal wieder übergezogen habe.

Das erste Stück fahren wir der Kamp entlang auf der Kamp-Thaya-March-Radroute.

Kurz nach Zwettl kommen wir an einem Bio-Hof vorbei, dessen Hofladen leider noch bis morgen wegen Betriebsferien geschlossen ist. Hier trotzdem Bilder von aussen, weil alles so sympathisch beschrieben und gestaltet ist.

In dieser Gegend wird Landwirtschaft gross geschrieben und sehr fachkundig betrieben.

Was wohl auch der Nähe zur landwirtschaftlichen Schule zu verdanken ist, die es hier schon lange gibt und die sogar modernisiert und vergrössert worden ist.

Im Edelhof wird auch der jüngste Nachwuchs willkommen geheissen, wenn er Clemens heisst, sogar mit einer ganzen Storchenparade.

Wir staunen immer wieder, wie wenig Verkehr es hier hat. Zwar mehr als in Tschechien, aber viel weniger als wir uns aus der Schweiz oder stärker besiedelten grenznahen Gebieten gewohnt sind.

Was das wohl ist? Sieht von weitem wie eine moderne Kirche aus.

Weit gefehlt. Es ist eine Fernwärmeanlage.

Die heutige Etappe ist Waldviertel-flach, wie wir das inzwischen nennen. Sehr selten mal steil oder ein langer Anstieg, aber ein dauerndes auf und ab. So läppern sich im Laufe des Tages ohne grosse Efforts auch Höhenmeter zusammen.

Nach ersten Streckenabschnitten auf Strassen nur für uns überqueren wir den Purzelkamp und sind ab da auf einer stärker befahrenen Strasse.

Das sind wir uns nicht mehr gewohnt. Zwar hat es einen abgetrennten Radweg. Trotzdem entschliessen wir uns für eine Umkürzung, die uns ausser ein paar zusätzlichen Kilometern und ein paar Höhenmetern mehr auch unerwartet einen eindrücklichen Stausee zeigt. Ok, da runter hätten wir tatsächlich nicht müssen… Gelohnt hat es sich, aus meiner Sicht.

Auf der „Volt“-Radroute fahren wir noch mehr. Vom Parkplatz über dem Stausee geht‘s runter an den Kamp, der im Kamptal gemütlich mäandert. Diese Gegend scheint schon im Mittelalter (oder so…) besiedelt gewesen zu sein, den Burgen und Ruinen nach zu schliessen.

Den ersten Kaffeehalt machen wir in Krumau im Heurigengasthof Prinz. Dass es bereits gegen Mittag ist, merken wir an den deftigen und üppig gefüllten Tellern mit Knödeln, Sauerkraut, Wurst, Speck und Schinken, die an den Tischen drinnen serviert werden. Offensichtlich eine beliebte Küche, wovon auch mehrere Menschen zeugen, die mit ihren Thermo-Lunchboxen vorbei kommen.

Von unserem sonnigen Terrassenplatz haben wir einen guten Blick auf die Burg, die wir bei der Anfahrt schon aus anderer Perspektive gesehen haben.

Von Krumau fahren wir ein wunderschönes Tal hoch, den Eisengraben. Inzwischen knurrt auch mein Magen und ich merke, dass der Admiral, den wir im Prinz gegessen haben, keinen Treibstoff, sondern eher Unterzuckerungssymptome bringt. Also bei der nächsten schönen Gelegenheit rasten. Wow, vom Weg her wäre DAS nicht zu erwarten gewesen. Wir sind und bleiben Glückskinder 😊. Zuerst geniessen wir unser Müesli auf einem sonnigen Bänkli am See – warm ist es nicht – und danach einen verlängerten Braunen und einen Cappuccino (!) auf der Terrasse des Strandrestaurants.

Von dort geht‘s rasant runter nach Krems und ein kurzes Stück auf einem sehr beliebten Radweg – bei anderen – den ich ganz und gar nicht mag.

So schnell wie möglich wieder weg davon und gemütlich weiter dem Fladenitz-Radweg entlang bis zu unserem Logis für die nächsten vier Nächte. Ein sehr, sehr besonderer Ort.

mit Kuppel im Hintergrund

Nachdem uns Karlheinz rumgeführt, die Kompost-Toilette, die Freiluftdusche und andere Besonderheiten erklärt hat, serviert er uns einen Tee mit Blüten aus seinem Garten und wir bleiben wohl zwei Stunden oder so unter dem Kirschbaum sitzen und reden im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt und was man sich nur so vorstellen kann. Auch er, ziemlich speziell – und durchaus interessant bei wohlwollendem, offenen und interessierten Zuhören und Einlassen. Er hat in inzwischen 13 Jahren rund-um-die-Uhr-mit-Pausen-Arbeit und Schnecken-Lebensschule alles selber (mit-)renoviert, geplant und gestaltet. Ob er das Grundstück oft verlässt? Vermutlich eher nicht. Obwohl – inzwischen hat er mir von einem kürzlichen mehrwöchigen Aufenthalt in Sri Lanka erzählt. Und seinen Guru hat er auch schon mehrfach erwähnt. Es gibt Momente, in denen ich nicht nachfrage…

Sehr eindrücklich ist der Dom, ein kuppelförmiger Raum, den er zum meditieren, jammen und auch für sich musizieren, singen, sinnieren und wohl auch das eine oder andere sonst nutzt – wobei er explizit keine religiösen und/oder esoterischen Gruppen und Anlässe drin haben möchte, was immer er darunter verstehen mag. Fotos folgen bei besserem Licht. Wir dürfen den Raum grosszügigerweise frei nutzen, wenn er nicht dort ist. Erkennungszeichen: Gartenschuhe vor der Türe…

Unser Zimmer ist – ohne Isolation und mit offenen Teilen – in den Schuppen integriert und mit viel Kunst von ihm ein Zimmer, wie es auch zum Teufelhof passen würde. Ausser, was den Wärme- und sonstigen Komfort angeht. Uns gefällt‘s, auch wenn wir in der Nacht sehr froh um die zusätzlichen Decken sind, da die Temperaturen auf nur knapp zweistellig sinken.

24. August 2025 – Grafenegg

Nach einer sternenklaren Nacht, begrüsst uns am Morgen die Sonne. Geschlafen haben wir sehr gut, auch wenn nicht weit weg eine Hauptstrasse vorbei führt. Am Montag soll‘s ab 6 Uhr morgens ziemlich laut werden, weil dann die Lastwagen das nahe gelegene Kieswerk ansteuern. Wir werden sehen, ob uns das stört. Wir sind ohnehin meistens früh wach.

Wir sind dankbar für die Thermoskanne mit heissem Wasser, die ich drüben im Haus holen kann. So ein heisser Kaffee weckt die Lebensgeister. Wir ziehen uns warm an und packen Kleiderschichten ein, weil wir heute den ganzen Tag in Grafenegg sein werden. Die Luft ist kühl und die Sonne kräftig, so dass die Unterschiede zwischen sonnigen und schattigen Abschnitten eindrücklich sind

Der blaue Himmel macht die Umgebung mit vielen Weinbergen und üppigem Grün noch schöner und wir sind beschwingt unterwegs. Den Donauradweg streifen wir nur kurz. Zum Glück beschränken sich die nicht sehr geübt e-Bike-fahrenden und mitten auf den Wegen anhaltenden Gruppen ziemlich zuverlässig auf diesen. So kommen wir und andere Tourenfahrer:innen auf den vielen anderen Radwegen flott und entspannt vorwärts. So gefällt‘s mir. Nein, ich habe ganz sicher keine Vorurteile…

Auch über die Donau finden wir einen für Velos gut ausgebauten Übergang, der für ungeübtere Fahrer:innen zu enge Wendungen hat. Und Krems links liegen lässt, was heute bestens passt.

Sonntag sei Dank sind auch die Strassen durch die vielen kleinen und sehr gut gepflegten Ortschaften fast verkehrsfrei. Sieht nach guter Infrastruktur aus und sympathischer Gestaltung.

Oh, da ist ja bereits der Eingang zu Schloss Grafenegg. Offenbar dürfen wir sogar mit dem Tandem reinfahren.

Das Schloss selbst sieht aus dieser Distanz gut aus; die Einführung zum Konzert heute Abend ist im Schlosshof. Dann werden wir es genauer sehen.

Für den Moment belassen wir es bei einer Runde übers Gelände und schauen uns nur den Wolkenturm näher an. Dort wird heute Abend das Konzert stattfinden. Jetzt ist alles noch frei zugänglich, sogar mit dem Tandem. Ist offenbar ok. Wir werden von allen freundlich lächelnd gegrüsst. Überhaupt ist die Stimmung auf diesem grosszügigen und weitläufigen Parkgelände sehr locker und entspannt. Das überträgt und verstärkt sich und gibt eine ganz besondere Atmosphäre. Uns gefällt‘s schon jetzt sehr hier.

Wir können mitten durch die Arena fahren; die Tribüne ist frei zugänglich. Heute Abend wird fotografieren vermutlich nicht erlaubt sein, weshalb ich jetzt ein paar Aufnahmen mache.

So, jetzt noch ein Kaffee und dann startet um 11 Uhr die Matinee im Auditorium, dem grossen Konzertsaal. Geboten wird ein Programm, auf das ich sehr gespannt bin und das mich hierher geführt hat. Die Wahl von Heinz sehen wir dann heute Abend.

Gleich vorweg. Es war schlicht grossartig. Das Publikum war begeistert. Minutenlange Standing Ovations nach allen drei Zugaben. Angesagt war eine Dauer von ca. 90 Minuten, ohne Pause. Gedauert hat‘s über zwei Stunden, ohne Pause. Ist uns viel kürzer vorgekommen, so kurzweilig, abwechslungsreich und musikalisch hochstehend wie das ganze Programm gewesen ist. Mir haben alle 26 Stücke + die Zugaben gefallen!

Alle Musiker:innen waren virtuos und ihre Begeisterung auch untereinander ansteckend. Zwei Stunden mit so einer Präsenz und Spielfreude auf der Bühne zu sein ist eine ausserordentliche Leistung. Christina Pluhar strahlt viel Persönlichkeit aus; eine Powerfrau, die mit Wonder Woman ein mitreissendes Konzert zusammengestellt, arrangiert, dirigiert und mitgespielt hat. Erstaunlich diese Wirkung, weil alles mit barocken Originalinstrumenten gespielt worden ist. Die meisten haben einen feinen und eher leisen Klang. Besonders beeindruckt hat mich das Zink, ein Vorgänger der Trompete, das zeitweise wie eine Tropete, aber oft auch wie eine Flöte geklungen hat. Faszinierend auch die Internationalität des Ensembles. Alle kommen aus einen anderen Land und bringen viele verschiedene Einflüsse mit rein. Die Unterschiedlichkeit der Gesangsfarben beispielsweise und wie sie trotzdem harmoniert haben, wenn es Passagen für mehr als eine Stimme gab: sensationell. Auch die Tanzeinlagen. Was für ein Erlebnis!

Bis zum Konzert heute Abend „im“ Wolkenturm, mit Beginn um 19:30 Uhr, und der vorgängigen Einführung im Schlosshof um 18 Uhr, bleibt viel Zeit. Das kulinarische Angebot ist – obwohl teilweise hochstehend – nicht ganz nach meinem Geschmack, weshalb wir da noch eine Alternative suchen werden. Obwohl, der Apfelstrudel ist der beste, den ich je gegessen habe. Ansonsten sind das weitläufige Parkgelände, die Stimmung und die vielen Sitzmöglichkeiten eine perfekte Einladung; zum Sein und Geniessen und Beobachten, wie sich die unterschiedlichst gekleideten und mit von einfachem Bier & Brezel bis mit exquisiten Picknick-Körben ausgestatteten Besucher:innen in einer schön-wäre-das-häufiger-so Entspanntheit „mischen“. Dieser Ort und wohl in einem ganz besonderem Mass das Grafenegg-Festival kreieren einen ganz besonderen Zauber.

Unser Wetterglück, das einen grossen Teil zu diesem Highlight-Erlebnis beiträgt, könnte passender nicht sein: schön, aber nicht heiss, so dass alle in der Sonne oder im Schatten ihre Wohlfühltemperatur wählen können. Na ja, eine klitzekleine Einschränkung: abends im Konzert hätte ich gerne mit Besucher:innen mit isolierender Sitzunterlage und Decke oder Daunenjacke getauscht 😁.

Eine kurze Tandemfahrt vom Gelände entfernt, bekommen wir feine Salatteller mit aromatischen Zutaten, Falafel und Pizzastangerl. Der sehr sympathische neue und noch junge Besitzer, dem wir viel Erfolg wünschen, erklärt uns auf ein entsprechendes Kompliment strahlend, dass er alles direkt aus Italien beziehe. Che gusto!

Gesättigt fahren wir retour zum Festivalgelände, wo den ganzen Tag über ein buntes Kommen und Gehen ist. Verschiedene Aufführungsorte und -zeiten, die Möglichkeit auf dem Gelände gediegen zu übernachten, die zum Aufenthalt einladende Anlage an sich und auch die Grösse des Festivals bringen viel lebendige Abwechslung mit sich, die für mich einen Teil des Charmes dieses Tages ausmacht.

Nächster Programmpunkt: Einführungsgespräch im Schlosshof. Und auf dem Weg dorthin ein abendsonniges Schauen und Geniessen.

Die Einführung von Ursula Magnes, Kulturredakteurin beim ORF, ist gescheit, witzig und anregend. Diese Einstimmung stärkt die Vorfreude in mir. Was von ihren sehr illustrativen und Vorstellungen und Ideen evozierenden Beschreibungen und Interpretationen werde ich in den drei Stücken, die gespielt werden, wieder erkennen oder auch so erfahren?

Zwischen Einführung und Konzertbeginn bleibt noch Zeit für ein Dessert und für die Entdeckung der Schlossgraben-Rasenmäher. Keine Ahnung, was für eine Art von Schafen das ist. Ob mir da KI helfen kann? Voilà, ein Teil seiner Antwort. (Es gibt „Kommunikationsgestalten“, die sich noch schlechter kurz fassen können als ich 🤭. Wobei ich fairerweise sagen muss – so das im Zusammenhang mit KI überhaupt passend ist – dass “er” es auf explizite Nachfrage sehr wohl und beneidenswert schnell und gut kann. Seufz! Diese Dinger sind inzwischen schon echt gut trainiert.

⚠️ Spoiler: KI kann sich täuschen – und damit uns auch… Deshalb ist die folgende Information ohne Gewähr 😉:

Basierend auf dem Ort und dem Erscheinungsbild der Tiere handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine heimische Gebirgsziegenrasse, und zwar vermutlich die Schwarze Bergziege oder eine ähnliche robuste Rasse, die in Niederösterreich gehalten wird.

🐐 Vermutlich handelt es sich um:

Schwarze Bergziege oder eine Variante der Alpenziege, die:

  • Dunkles, oft schwarzes Fell hat
  • Lange, gebogene Hörner trägt
  • Für ihre Widerstandsfähigkeit und Trittsicherheit bekannt ist
  • Häufig in historischen oder ländlichen Anlagen wie Schlossparks zur Landschaftspflege eingesetzt wird

Meine Einschätzung: Klingt plausibel und passt zu den Bildern. Doch entscheidet am besten selber.

Aha, die Fanfare erklingt mit der die nächste Veranstaltung angekündigt wird. Die Menschen kommen aus allen Richtungen zum Wolkenturm. Auch die Rasenflächen, sozusagen die „billigen“ Plätze, wo man sich für das Konzert mit bester Sicht auf die Bühne mit Decken, Sitzpolstern und ähnlichem einrichten und auch Picknick geniessen darf, sind frei gegeben. Diese Möglichkeiten, die sich vielerorts an bester Lage (z.B. den zentralen Plätzen in den Städten und Touristenorten) finden und ermöglichen, teilhaben zu können, ohne (viel) bezahlen oder konsumieren zu müssen, finde ich sympathisch und integrativ. Die reiche Schweiz sollte sich davon vermehrt inspirieren lassen. Das Forum Public im Stadttheater und die Grill- und Sitzplätze am Rheinbord gehen da für mich da in eine gute Richtung. Gerne mehr davon. Ah ja, die „Badebrunnen“ finde ich auch eine gute Sache. In Tschechien, Österreich und Deutschland findet man viele Badeteiche und -Seen mit gratis nutzbarer Infrastruktur. Sehr sinnvoll eingesetzte Steuergelder, finde ich.

Nach diesem gedanklichen Ausflug in die Schweiz und nach Basel zurück nach Grafenegg und auf die Tribüne des Wolkenturms. Während der Aufführung sind Fotos nicht gestattet. Deshalb hier welche vom einströmendem Publikum, dem Orchester, das noch die Instrumente stimmt und auf den Dirigenten wartet und dem wohlverdienten Schlussapplaus mit Standing Ovations.

Gespielt wurden übrigens drei Stücke:

  • Arvo Pärt – „Fratres“
    – Meditativ und zeitlos, ein Stück, das Raum und Stille musikalisch erfahrbar macht
  • Antonín Dvořák – Violinkonzert in a-Moll, op. 53; mit Isabelle Faust als Violin-Solistin. Ihre Leichtigkeit und ihre Interaktion mit dem Orchester und dem Dirigenten Andris Nelson haben mir besonders gefallen
  • Jean Sibelius – Sinfonie Nr. 2 in D-Dur, op. 43
    – Ein monumentales Werk, das von dunkler Dramatik bis zu triumphaler Größe reicht und trotzdem nur auf einer einfachen Tonfolge aufgebaut ist. Erstaunlich. Und ein ganz neues Licht auf „einfach“.

Nach dem Konzert sind wir flott durch die Sternennacht zurück nach Hörfarth geradelt. Offenbar haben die GPS sich nur den Rückweg gemerkt, deshalb könnt ihr sinngemäss die Angaben des einen für die Hinfahrt und die des anderen für die Rückfahrt nehmen.

In der Nacht und erst noch fahrend ist auf Handyfotos nicht so viel zu erkennen, deshalb beschränke ich mich auf ein Bild von der Donaubrücke aus.

interessante Lichteffekte – fast wie in der Blockheide

Weil‘s nicht nur draussen, sondern auch bei uns drinnen im Zimmer ähnlich kühl gewesen ist, waren wir ziemlich schnell im Bett. Mit der Decke und der zusätzlichen Wolldecke bis an die Nasenspitze hochgezogen – und haben bestens geschlafen.

25. August 2025 – Rundfahrt und Garten erkunden

Wer steckt mehr als den Nasenspitze raus und holt drüben in der Küche heisses Wasser? Kann als gute Tat und damit als Karmapunkt verbucht werden 🤭. Heute startet Heinz mit Bonuspunkten sammeln.

Ich schäle mich erst später, zusätzlich gegen die Kühle gewappnet durch heisses Wasser und zwei Kaffees, aus den warmen Decken. Die Sonne verspricht bereits heisse Momente, die Luft ist noch so kühl, dass es mehrere Schichten braucht. Durch die Rebberge gondeln, ein bisschen in Krems rumschnuppen, um zu entscheiden, wie viel wir davon noch sehen möchten und den Nachmittag den einladenden Garten von Karl-Heinz erkunden, so die grobe Idee von heute. Liegt alles drin. Zeit zu haben oder wohl eher, mir für mich zu nehmen, einfach so, ist ein Luxus, den ich mir künftig noch öfters gönnen möge. Womit auch wieder die „Wie lange noch beim BAZG?“-Frage anklingt. Meine Abmachung mit mir selber: Ich werde die Frage des Zeitpunktes in der Zeit zwischen meiner Rückkehr und Ende Jahr entscheiden. Damit ist es wieder platziert und ich komme wieder zurück ins hier & jetzt.

Im Kremstal hat es viele Kirchen und alte Mauern, in unterschiedlichstem Zustand und variierender Grösse.

Entlang der Donau hat es auf der Höhe von Krems eine sehr grosse Ebene, so dass wir bei der Routenwahl aussuchen können, wie viel Aufstiege wir einbauen wollen und ob überhaupt. Durchs Waldviertel-flach-Training fit geworden, wählen wir oft auch hügeligere Passagen, weil sie abwechslungsreicher sind, durch die Rebberge sowieso.

Zu Krems wissen wir noch gar nichts, ausser dass es am Donauradweg liegt, was mitten auf dem Weg stehende, „mittelhoch- bis Silverage-jenseitige“ Alters-Gruppen von eBike-Fahrer:innen mit Geduldsproben-Charakter für mich bestätigen. Übrigens, ich gestehe, dass ich an dieser Geduldsübung regelmässig scheitere, was ich aber – immerhin – nicht lautstark kundtue…

Um so erfreulicher der Eindruck, den wir bereits auf Anhieb von Krems gewinnen. Die Fahrt durch die Altstadt-Gässchen, von denen es auch ausserhalb der Fussgänger:innen-Zone eine ganze Menge hat und vor allem auch der Kunst-Meile gefallen uns sehr. Eine weitere Entdeckung, so dass wir Krems auf unseren Radar beziehungsweise unseren Ideenfundus für mögliche künftige Reisen nehmen. Altersbedingt werden für uns vor allem auch Optionen, die mit ÖV und Klappis erfahrbar sind, immer interessanter. Und davon gibt es einige mehr als mit dem Tandem, für das es kaum noch Transportmöglichkeiten im Zug gibt. Na ja, so lange es so valable Alternativen gibt, auch ok. Für ab Haustüre aus eigener Kraft erreichbare Ziele das Tandem und Fernreisen als ÖV- oder auch Flixbus- und Klappi-Variante. Warum nicht?

Die Kulturmeile begeistert mich. Zuerst wird mein Blick von Plakaten des Karikaturmuseums angezogen. Oh, da ist ja gleich das Museum selbst, das Heinz und mir eine „toxische Bankerl“-Geschichte beschert, die zu erzählen ich gerade keine Zeit habe. Schon nur von aussen erkundet und mit einer Runde durch den Museumsshop ist meine Aufnahmekapazität für den Moment erschöpft. Auch so eine spannende Erfahrung auf dieser Reise. Je mehr Zeit und Musse ich habe, desto offener lasse ich mich auf alles ein, was mir begegnet. Mit dem Effekt, dass ich überall Sehenswertes entdecke, was danach ruft, erkundet zu werden, was wiederum Zeit und Musse erfordert. Wo einlassen, wo vorbei ziehen lassen, wo und wann wieder los- und ziehen lassen? Ein ganz neuer Rhythmus mit Fragen, die so im Leben-B(üro)-Alltag keinen Platz haben. Und mein Bewusstsein dafür schärfen, dass ich schon länger und zunehmend eine Grenzgängerin bin, in den nach teilweise sehr unterschiedlichen Regeln funktionierenden Welten, und denen ich lebe.

Unsere Beute aus dem Museumsshop sind ein paar sprach-witzige Karten, die sich in den nächsten Tagen auf die Reise in die Schweiz machen – wie wir übrigens auch. Wir allerdings nicht auf dem Postweg 😂.

Damit ihr auch was zum Lachen habt – eine Bildstrecke vom Museum:

Und noch ein paar Karten-Müsterchen:

Die Kulturmeile und Krembs haben noch viel mehr zu bieten.

Nicht nur schöne, witzige und unterhaltsame Anregungen. Da werden auch andere Seiten gewürdigt, aufbereitet und gezeigt, die ebenso dazu gehören zum Leben und zu unserer Geschichte.

Nach diesen – einmal mehr – intensiven Eindrücken, verlassen wir die Stadt und fahren durch Rebberge, die hier teilweise auf natürlich entstandenen Lössterrassen wachsen.

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