Regenwetter und ein verpasster Anschluss bergen ungeahnte Möglichkeiten, wie wir heute erfahren durften.
Am Morgen war‘s – wie angekündigt – regnerisch und ziemlich kühl, gefühlt sogar deutlicher kälter als die verkündeten 15 Grad. Weil wir weder Lust auf Velo noch auf Wandern hatten und der Zug deutlich hörbar durch die Nachbarschaft rattert, konsultierten wir den Fahrplan. Oh, in gut einer halben Stunde fährt einer via Eisenstadt nach Zwiesel. Los geht‘s!
Auf dem Weg zum Bahnhof kommen wir an diesem Holzschindelbau vorbei, einer traditionellen Bauweise in dieser Region und ein Handwerk, zu dem offenbar Sorge getragen wird.

Holz gibt es in dieser Gegend jede Menge und auch bei modernen Häusern sind die Holzbauweise oder zumindest Holzelemente beliebt.

Die Gegend hier scheint vor allem auch im Winter beliebt zu sein, wie zahlreiche Skilifte, Sesselbahnen, Wintersportgeschäfte, Winterwandertafeln und andere Hinweise zeigen.



Špičák
Sehr hoch ist es allerdings nicht, das Skigebiet geht nur bis auf 1200 m, aber vermutlich ist es hier im Winter schneesicherer als bei uns.
So, eigentlich waren wir auf dem Weg zum Bahnhof. Voilà.

Ein Tipp: Löst nie via die tschechische BahnApp grenzüberschreitend. Was als Teilstücke auf dem Rückweg pro Person 1 Euro auf dem deutschen Abschnitt und noch weniger auf dem tschechischen Stück gekostet hat, wurde uns auf dem Hinweg mit etwa 11 Franken verrechnet.


Genau genommen sind wir mit dem blauen Zug nur innerhalb von Železná Ruda gefahren, das offenbar ein sehr grosses Gebiet umfasst und zwar von Železná Ruda centrum bis Železná Ruda-Alžbětín.

Dieses Bahnhofsgebäude teilt sich Železná Ruda mit Bayrisch Eisenstein, weshalb es umso verblüffender ist, dass der Anschluss nicht einmal eine Minute gewartet hat. Ok, eigentlich kenne ich das ja von Basel, der SBB und der DB…
Die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien geht mitten durchs Bahnhofsgebäude.

Und war doch lange Zeit fast unüberwindbar.
Gut, dann schauen wir mal in den Bahnhof rein. Einen Kaffee beispielsweise fände ich nett. Zu dem sind wir dann in der Stunde bis die nächste Waldbahn gefahren ist, auch noch gekommen. Und zu vielem mehr. Doch schaut selbst.



Die Naturpark-Welten-Ausstellung wäre sicher spannend, aber ein Kaffee zum Aufwärmen wäre mir lieber. Das historische Bahnhofbuffet hat leider noch geschlossen. Also ziehen wir weiter.



Auch die nächsten drei Cafés und Restaurants sind noch geschlossen – kurz vor 10 Uhr! Scheint ein Kur- und Ferienort für ältere Semester zu sein; offenbar mögen diese Kaffee und Kuchen lieber am Nachmittag – wie wir noch sehen werden. Google meint, dass „Die Krämerin“ um 10 Uhr öffnet – und eine ☕️ ist dort auch eingezeichnet. Also flott! Das wärmt auch.




So, langsam sollten wir retour. Für ein paar Fotos unterwegs reicht‘s noch.




– nein, nicht ich



Was für ein Glück, dass wir den ersten Anschluss nicht erwischt haben. Und viel Zeit und Musse haben.
Ziemlich trüb draussen; eine besondere Stimmung.

In Zwiesel angekommen trennen sich unsere Wege, weil wir verschiedene Besorgungs- und Besichtigungspläne haben.
Mein Weg führt durch den Stadtpark,

wo es auch weniger gefährliche Skulpturen hat,

und entlang dem Fluss, der – nomen est omen – Grosser Regen heisst.

Er heisst und führt nach Regen. Auch seine Seitenarme heissen Regen, beispielsweise Schwarzer Regen oder Kleiner Regen.

Es gibt auch ein Regental… Überall Wasser.

Wohl wenig erstaunlich, was wir heute eingekauft haben…


Das Wetter hier ist tatsächlich sehr wechselhaft; es gab auch sonnige Zeitfenster.
Insgesamt fand ich es aber eher kühl, weshalb ich mich zum Zmittag gerne für eine heisse Suppe mit viel frischem Gemüse entschieden habe.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof habe ich noch bei Zwiesel Glas

und einer der dortigen Attraktionen vorbei geschaut.

„Unsere“ Glasi – ich meine die in Hergiswil – gefällt mir persönlich besser. Auch weil ich ein Fan der Niederer Produkte bin.
Langsam wird‘s Zeit für den Zug retour nach Eisenstein, der dann schliesslich – nach diversen Push-Meldungen in der DB-App – ein Schienenersatzfahrzeug ist, auch Bus genannt. Auch gut. Dann erleben wir noch eine andere Strecke. Viel Wald auch hier. Und vor allem sind wir so rechtzeitig in der Ausstellung, die um 17 Uhr schliesst. Was sich gelohnt hat. Sehr sogar. Ich kopiere heute den Flyer ein, noch keine weiteren Bilder. Von denen werden regelmässig welche folgen, damit ihr euch jeweils auf die nächsten freuen könnt. Vor allem die Holzfiguren einer noch jungen Künstlerin haben Heinz und mir sehr gefallen. Ein paar davon sind auch auf dem Titelbild des Flyers.


Puh, so viele Bilder und Skulpturen von elf sehr unterschiedlichen Künstlerinnen sind fast etwas viel aufs Mal. Wir gönnen uns noch eine Pause bei den Schmugglern – schliesslich bin ich privat hier 🤭

und nehmen dann wieder den langen blauen Zug, in dem wir bis nach Prag sitzen bleiben könnten.

Heute lieber nicht. Ich bin schon so fast übervoll von Eindrücken von einem gemütlichen Regentag. Was ein verpasster Anschluss alles an Gelegenheiten mit sich bringen kann, die es wie reife Früchte nur zu ernten gilt. Vorgestern Himbeeren, gestern Heidelbeeren und heute vor allem einiges an Kunst und Kultur, im weitesten Sinne.
Sowohl auf der deutschen als auch auf der tschechischen Seite mögen sie deftige Küche und vor allem auch viel Fleisch, wie beispielsweise an dieser Einrichtung unschwer zu erkennen ist.

Nicht wirklich unser Lieblingsmenuplan, weshalb wir dankbare Gäste der asiatischen Restaurants und der vielen Döner- mit Falafelbuden und Pizzerias sind, von denen es hier einige gibt.


Morgen ist – Wetter hin oder her – eine nächste Etappe mit dem Tandem angesagt. Wenn die Prognosen stimmen, lässt der Regen am späteren Morgen nach. On verra.
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