15. Juli 2025 – Ahoj Česko 🇨🇿

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Heute fahren wir nach Tschechien… doch wieder in Deutschland… in Tschechien… in Deutschland… in Tschechien… in Deutschland… So genau wissen wir das oft gar nicht. Wir folgen meistens dem

Die EuroVelo 13 folgt dem Verlauf des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Sie führt auf einer Strecke von fast 10’000 Kilometern durch 20 Länder – von Norwegen bis zur Türkei. Die Route startet nahe der russischen Grenze in Grense Jakobselv in Norwegen und endet in Rezovo, Bulgarien, an der Grenze zur Türkei.

Wir starten auf einem Stück entlang der Grenze zu Bayern. Mal sehen, wie viel der knapp 900 Kilometer auf tschechischem Boden wir kennen lernen werden.

Doch noch sind wir in Furth, wo wir uns am bayrisch grosszügig bestückten Frühstücksbuffet stärken. Wir sind merklich in einem Teil von Bayern, in dem sie Gasthäuser und Gästezimmer haben; wir waren schon in Teilen, in denen für Fremdenzimmer nomen est nomen gegolten hat…

Zähne putzen, Tandem laden – „Česko, jedeme!“

Ein Blick zurück auf Furth

und schon bald einer vorwärts auf einen See, der – wie könnte es auch anders sein –

Drachensee heisst.

Angenehme Temperaturen, 1A-Strassen mit sehr wenig Verkehr

und viele Geschichten, die uns beim Vorbeifahren quasi zufliegen.

Wie wär‘s zum Beispiel mit einer originellen und dekorativen Verwendung von ausrangiertem Geschirr? Oder ob das gar als Einladung zu TeaTime gemeint ist 🤭?

Heute nicht. Wir haben zwar nicht so viele Kilometer, aber einiges an Höhenmetern vor uns, vor allem den Spitzberg.

Oh, das sieht allerdings spannend aus. Nur ein kurzer Blick

aus dem dann ein Gespräch mit der Besitzerin zur traurigen Geschichte des Gasthofes wird. 2018 hat ein heftiges Gewitter mit Hagel den Anbau zerstört, in dem unter anderem die Kegelbahn und das Säli untergebracht gewesen sind. Zwar wäre alles mit 1.5 mio. versichert gewesen. Die Versicherung hat sich allerdings auf den Standpunkt gestellt, dass alles bereits abgeschrieben gewesen sei, also Neuwert gleich Null. Mit der Abfindung von 18‘000 Euro war an ein Wiederaufbau und der Weiterbetrieb nicht zu stemmen. Uff!

Vor uns liegt der Böhmerwald oder eben Šumava auf Tschechisch, was nicht nur den „rauschenden Wald“ bezeichnet, sondern auch ein Mittelgebirge. Viel wenig kultivierte Natur, was uns auch eine feine Znünipause beschert.

Kurz vor dem ersten Grenzübergang ein Hof mit eigener Friedhofskapelle und anderen Eigenheiten.

Viel Geschichte(n) gleich an der Strecke.

Bereits mehrfach sind Wander- und Strassen-Grenzübergänge angezeigt worden. Bisher ist unsere Route jeweils in eine andere Richtung abgebogen. Was sich gleich ändern wird. Zum Glück sehen wir den Streckenverlauf auf dem GPS und kennen das, was ihr gleich sehen werdet, bereits vom letzten Jahr.

Wie gesagt: Ohne die Erfahrung aus dem letzten Jahr wären wir uns nicht so sicher gewesen, ob das tatsächlich der richtige Weg ist.

Von jetzt an sind wir im Wald,

der uns die nächste Attraktion bringt:

Präzisionsarbeit

15. Juli 2025 – Ahoj Česko 🇨🇿

Da warten wir gerne, bis er uns sieht und wir uns neben der Maschine durchschieben können.

Frisch geschlagenes Holz und der stellenweise moosige und moorige Wald sind ein Sinnenfest für meine Nase. Und zeigen – im Kontrast – wie unglaublich stark ein einzelnes Auto, zumal mit Dieselmotor, stinken kann. Oder wie ich in der Wahrnehmungspsychologievorlesung gelernt habe: unsere Wahrnehmung wird von Unterschieden gesteuert, von sogenannten EMUs – womit nicht das Tier gemeint ist, sondern „eben merkliche Unterschiede“. Klingt plausibel. Oder? Irgendwie müssen wir ja laufend all die Daten und Informationen filtern, die uns begegnen und reizen. Da ist der Fokus auf Veränderungen ein hilfreiches Kriterium, vor allem aus Sicht der Amygdala und unseres Überlebenstriebes. EMUs erklären übrigens auch, weshalb wir oft nicht registrieren, wie die Luftqualität in einem Seminar-, Büro- oder Sitzungsraum schlechter wird. Wer kurz raus geht, zum Beispiel für eine Bio-Pause, merkt das bei der Rückkehr sofort. Und öffnet hoffentlich das Fenster 😉, wo es solche zum Öffnen hat. Uups, jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Psychologielektion beendet.

Zurück in den Wald und zum Holz,

wovon es hier jede Menge hat.

Im Wald sind die Wege oft unbefestigt und nicht immer gleich gut befahrbar.

Inzwischen sind wir fast am höchsten Punkt von heute angelangt, wobei wir, begleitet von Donnergrollen, seit einiger Zeit von oben und unten gekühlt werden…

Die letzten 15 Kilometer oder so geht‘s runter,

was uns ziemlich verfroren an unserem ersten Etappenziel in Tschechien ankommen lässt,

Železná Ruda / Markt Eisenstein

Špičák (Spitzberg), ein auf knapp 1000 Meter gelegener Ortsteil davon, hätte ansprechend für einen Halt ausgesehen und der Regen hat sich inzwischen auch wieder verzogen, aber Kälte und Hunger haben uns vorwärts getrieben. Nichts, was sich mit einer ausgiebigen Dusche und einem Abstecher zum Vietnamesen nicht hätte in Wohlgefallen auflösen lassen.

Nach dem Essen kaufen wir im dieses Jahr ersten, aber sicher nicht letzten Potraviny ein. Öffnungszeiten: 6 – 22 Uhr. Er wird, wie Potravinys fast immer, von einer asiatischen, meist vietnamesischen Familie betrieben, wobei an der Kasse oft ein gelangweilt wirkender junger Mann mit AirPods sitzt. Frappant, wie mich das Bild sofort an unzählige Potravinys auf unserer letztjährigen Reise durch Tschechien erinnert. Trotzdem immer wieder verblüffend, was sie in ihren Läden, meist ohne Tageslicht, alles anbieten und vor allem auch, dass es praktisch jedes Produkt in verschiedenen (Marken-)Ausführungen gibt. Nur der Anteil an verderblichen, „frischen“ Lebensmitteln ist oft klein und mindestens so oft sehr reif… Vermeidung von FoodWaste scheint auf alle Fälle keine Priorität zu sein und wenn ich mir die dort gelagerten Warenwerte vorstelle. Verrückt.

Hier im Ort gibt es mindestens drei solcher vom Gartenzwerg über Unterwäsche bis einer unglaublichen Auswahl an Softgetränken und auch Alkoholika, nebst Lebensmitteln, anbietenden Markets. Und eine Haushaltwaren, Spielzeug, Baubedarf – sogar einzelne Schrauben und Innenkantmuttern und Dichtungen in allerlei Grössen und und und – anbietende Version davon, in die wir uns vor dem plötzlich wieder einsetzenden Regen flüchten.

Wechselhaftes Aprilwetter wie bei uns

Ich komme aus dem Staunen nicht heraus und bin vom Nebeneinander von hochwertigen Werkzeugen und Ersatzteilen, Farben, Lacken, Saatgut etc. und billigem Ramsch und Kitsch fasziniert. Und auch, dass sie offenbar wissen, was sie alles an Lager haben. Tatsächlich hat es sogar Sachen darunter, wie ein handlicher kleiner Schaber, nach dem wir schon lange auf der Suche sind. Nein, nein – Finger weg! Unsere Taschen sind schon am Limit bepackt – und es ist auch bisher ohne gegangen.

Die Einkäufe, unter anderem Trinkwasser, retour bringen und dann noch ein abschliessender Abendspaziergang durchs Dorf – natürlich mit dem obligaten Blick auf die Speisekarten. Schliesslich bleiben wir drei Nächte hier. Die Menukarten sind nicht – wie oft – nur in Tschechisch, sondern auch in Deutsch und manchmal sogar Englisch. Ersteres ist wohl der Grenznähe geschuldet, obwohl wir kaum Autos mit D-Schildern sehen, letzteres scheint eher eine Reminiszenz an die Zeit der Besatzung bzw. der Befreiung, wie einzelnen Denkmälern und immer noch stattfindenden Veteranen- und Gedenktreffen nach zu vermuten ist. Aspekte, die eine Reise auf der EuroVelo 13 mit sich bringt, wenn auch bisher nicht sehr dominant.

Für die Gegend typische Zwiebeldächer aus Holzschindeln.

Noch Ideen für morgen besprechen und dann heisst es Schlafenszeit für einen von uns und Blogging für die andere 😉.

Ich mag diese stillen Stunden, in denen ich die Fotos des Tages nochmals durchgehe, sehr viele lösche und andere zu Geschichten verwebe. Zeit dafür zu haben ist ein Luxus, den ich sehr schätze.

16. Juli 2025

Hui, ziemlich kühl heute Morgen. Heinz besorgt noch ein paar frische Früchte im Coop, kümmert sich um das Müesli und die Schaltung, weil eine neue Kette und so viel Bergfahrt wie gestern die Schaltung Service-bedürftig haben werden lassen. Ich lasse es gemütlicher angehen, dankbar dass ich ihm das alles überlassen kann. Prinzessinnen-Modus 🤭.

Die Temperatur ist inzwischen etwas freundlicher geworden und die Rucksäcke sind mit Regensachen, Müesli und Wasser bepackt. Es kann los gehen. Die Strasse Richtung Špičák gehört uns fast alleine, weshalb wir gleich drauf bleiben, auf dem Wanderparkplatz noch einen feinen Cappuccino trinken und von dort runter zum Naturlehrpfad im Frischwinkel /Brčálník sausen. Wir binden das Tandem an eine Verkehrstafel und ziehen zu Fuss los.

Hohe Luft- und Bodenfeuchtigkeit

Stellenweise braucht es in dieser Moorlandschaft Stege, um sie trockenen Fusses durchqueren zu können.

Barfusschuhe sind eine wunderbare Art, um den federnden und weichen Untergrund zu spüren.

Auch dem Biber 🦫 scheint‘s hier gut zu gefallen.

Auf so einem Spaziergang bleibt viel mehr Zeit, genauer hinzuschauen und die Sinne und die Fantasie anregen zu lassen.

Für Kinder haben sie sich ganz besondere Geschichten einfallen lassen – und Figuren, die mir auch ohne Google Übersetzer viel mitgegeben haben.

Auch heute ist der würzige Duft des frisch geschnittenen Holzes ein Fest für die Nase. Riecht ihr ihn?

Hört ihr wie es krost, wenn der Kran zupackt ? Oder die Stämme dumpf klingend auf das bereits geladene Holz schlagen?

Oder das Rauschen des Wassers?

Oder plätschert es nur?

Könnt ihr euch vorstellen, wie sich diese flinken Bewegungen anfühlen?

Ich selbst war viel zu beschäftigt mit Filmen, Staunen und Finger drehen 😅

Vielleicht spürt ihr die Sonne euren Rücken wärmen oder den Regen eure Hände netzen.

Was auch immer. So ein Waldspaziergang ist voller Angebote.

Nach den Himbeeren gestern, waren es heute Heidelbeeren. Gerade rechtzeitig für einen zusätzlichen Goût fürs Müesli.

Wahrend unseres Picknicks haben sie an uns vorbei die frisch geschorenen Schafe auf die Weide zurück gebracht.

Tschechisch ist für uns kaum verständlich und es gibt nur wenige Worte, die irgendwie ähnlich sind – und auch das für mich nur, wenn ich sie geschrieben sehe. Lustig finde ich auch, wie lange die Ortschaftsnamen teilweise sind – vor allem von Orten, die kaum so viele Gebäude haben, wie der Namen Buchstaben.

Wobei auch sein könnte, dass das gar kein Name ist, sondern einfach etwas heisst, wie beispielsweise auf folgender Tafel:

Das erste Wort heisst Natur oder natürlich, was zusammen Naturschutzgebiet ergibt.

Ich schliesse den Bericht zu unserem zweiten Tag in Železná Ruda mit dem Bild von ein paar Wegen, auf denen wir heute gegangen sind.

Definitiv andere Beschaffenheiten als bei uns auf der Wunschliste für unterwegs mit dem Tandem stehen…

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