18./ 19. Juli 2025 – Von Železná Ruda nach Kvilda

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Weil sowieso für den ganzen Tag immer mal wieder leichter Regen angesagt ist, gehen wir es gemütlich an.

Ein Cappuccino wäre fein und da wir heute vor allem durch Naturschutzgebiet fahren, wohl nicht an jeder Ecke zu haben. Tankstellen sind da meistens eine gute und oft einzige Option.

So, jetzt können wir starten. Und auch das ungemütliche Wetter kann uns die Laune nicht verderben.

Schiefe Verkehrstafeln scheinen ein Markenzeichen dieser Gegend zu sein – zumindest auf dem Radwegen. Eine weitere Auffälligkeit, die zu den verkehrssicherheits-affinen Tschechen passt, sind Warnschilder. In diesem Fall für eine besondere Verkehrssituation.

Zuerst dachten wir von weitem, dass sich da ein grosse Pfütze spiegelt oder eine Baustelle ist. Tatsächlich ist es die tschechische Art Stürze zu verhindern, die sehr intuitiv ist.

Der Belagwechsel führt automatisch dazu, dass mit angepasstem Tempo gefahren wird und verhindert, dass nicht so routinierte oder unaufmerksame Fahrer:innen auf der Brücke bremsen, was vor allem bei Nässe fast unweigerlich zu einem Sturz führt. Clever. Zumal so gerade Strecken mit freier Sicht ohnehin dazu verführen, es einfach laufen zu lassen.

ein Farbtupfer im Grau

Auch der nächsten Situation begegnen wir zeitweise alle paar hundert Meter.

Wenn eine – in ersten Falle sogar unbefestigte – Strasse, den Radweg kreuzt, wird dieser im Bereich der Kreuzung aufgehoben und gleich anschliessend neu angezeigt. Selbstverständlich gilt das auch, wenn ein Radweg von einer normalen Strasse gekreuzt wird; das ist bei uns auch so.

Verkehrssicherheit und Unfallvermeidung wird in Tschechien gross geschrieben, wie uns schon letztes Jahr aufgefallen ist. Dazu passt auch, dass alle Autos und Lastwagen frühzeitig und geduldig hinter uns verlangsamen und erst, wenn die Sicht frei ist, mit grossem Abstand überholen.

Was uns allerdings auch dazu verführt, auf solchen Abschnitten auf der Strasse zu bleiben, zumindest so lange es kaum Verkehr hat.

Wo der Radweg von der Strasse weg in den Wald führt, nehmen wir ihn oft, weil diese Strecken sehr schön und manchmal auch asphaltiert sind. Aufwärts sind nicht befestigte Wege anstrengend und wenn sie schlammig sind, oft auch rutschig. Dann lieber nicht.

Wir sind gemütlich unterwegs und halten oft, zum Beispiel an Infostationen, die nicht nur informativ, sondern auch sehr schön gestaltet sind.

Stellenweise zeigen sich blaue Fenster in den Wolken und manchmal kommt sogar die Sonne durch.

Tiere sehen wir nicht viele und auch Vögel hören wir überraschend wenig. Kühe und Schafe hat’s, Geiss habe ich bisher erst eine einzige gesehen.

Auch bummeln gibt Hunger, zumal die Gegend ziemlich hügelig ist.

Der Picknickplatz ist gleich neben einem Wander-Parkplatz, wo ein Kommen und Gehen ist. Scheint ein beliebter Ausgangspunkt zu sein. Mountain-Bikes werden auf- und abgeladen, Akkus eingesetzt, Rucksäcke geschultert und Wanderstöcke eingestellt.

Wir scheinen in eine belebtere Gegend zu kommen, die auch bei Familien beliebt zu sein scheint.

So, gestärkt geht‘s weiter – allerdings nicht sehr weit. Für einen Kaffee plus halten wir gerne nochmals an.

Dieser Imbissstand in Srni wird von einem sympathischen jungen Paar betrieben, das alles selber macht. Auch die Suppe und die Sandwiches haben sehr fein ausgesehen und die Tische unter schützenden Segeln waren trotz wenig freundlichem Wetter gut besetzt.

Wie bereits die letzten Tage waren wir auch heute oft im Wald unterwegs. Leider sieht er stellenweise nicht so fit aus. Dazu vielleicht ein anderes Mal Bilder.

Den letzten Abschnitt fahren wir zuerst entlang der Vydra und danach über einen weiteren Hügel, den höchsten von heute, von Modrava rüber nach Kvilda, unserem Etappenziel.

Gleich neben unserer Unterkunft fliesst ein Bach durch – die Moldau. Die Quelle ist nur ein paar Kilometer von hier entfernt. Das könnte ein Ausflugsziel für morgen sein.

Doch jetzt zuerst eine Dusche und danach mal schauen, was Kvilda so zu bieten hat.

Einiges, wenn wir mal grosszügig das LebensmittelgeschäftsFrischeAngebot nicht einbeziehen. Dafür ist das Mini-Sportgeschäft gleich daneben super assortiert. Beste Materialien, schöne Farben – auch für Frauen nicht nur Pastellfarben und sowieso das meiste unisex. Sehr, sehr schade, dass wir keinen Platz mehr im Gepäck haben und er die extraleichten, waschbaren UND wasserdichten Trecking-Schuhe nicht in meiner Grösse hatte. Vielleicht finde ich sie anderswo. Scheint eine norwegische Marke zu sein.

Ein paar Bilder von Kvilda, bevor ich dann noch mit einem ersten Teil der FrauenBilderAusstellung aus Bayrisch Eisenstein beginne.

Nicht nur ein Teil der Kirchenfassadenverkleidung und die Skulptur vor der Kirche sind aus lokalem Holz, sondern auch viele alte und neue Gebäude in Kvilda. Und einige wetter-gegerbte Bewohner:innen.

Und jetzt noch Impressionen – was gut passt, weil sie uns beeindruckt hat – einer der Künstlerinnen, die in der Sonderausstellung im alten Postgebäude von Bayrisch Eisenstein ausgestellt hat: Maria Clemencia Gräfin Lambsdorff

Kunstschaffende und vier Kinder? Eine zusätzliche Kunst…

19. Juli 2025 – rund um Kvilda

Wir sind früh wach und die Morgenstimmung lockt uns trotz der Kälte nach draussen, zuerst für einen Spaziergang auf dem nahegelegenen Moorpfad. Bis dorthin nehmen wir das Tandem und sind froh um die frisch gekauften Handschuhe und alle warmen Sachen, die wir in Schichten montieren.

Den Moorpfad hatten wir uns länger vorgestellt; gut gemacht und informativ war er allemal und vom Hochstand aus wäre – mit Wärmeflasche, Feldstecher und Daunenjacke ausgerüstet, sicher einiges zu entdecken gewesen.

Ganz sooo kalt wie 1987, 2004 und 2012 war‘s zum Glück nicht, aber uns hat es trotzdem bald weiter Richtung Sonne gezogen. Wir haben einen sonnigeren Weg für unseren Morgenspaziergang gesucht. Ganz einfach war‘s nicht, weil in diesem Naturschutzgebiet nur wenige Wege begangen werden dürfen, was ich gut finde.

Ein Paradies für Wasservögel und andere Tiere. Welche? Kannst du weiter oben auf einer der Infotafeln lesen – vielleicht verständlicher mit ein bisschen Übersetzungshilfe – ohne die wir hier manchmal ziemlich verloren wären. Zum Beispiel, was Speisekarten angeht, die eher fleischlastig sind.

Trotz Sonne und Handschuhen sind wir inzwischen mit klammen Fingern und Füssen unterwegs. Weil um diese Zeit noch nichts geöffnet hat, fahren wir retour und wärmen uns im Wellnessbereich auf, den wir gleich neben der Tandemgarage entdeckt haben. Praktisch, dass er mit unserem Badge zugänglich ist; dass er offiziell erst ab 10 Uhr geöffnet wäre, sehen wir erst später. Schön warm war das Jacuzzi; und ganz alleine waren wir auch 🤭.

Nach zwei Tassen Kaffee, einer Ideensammlung, entsprechender Routenplanung und einem Einkauf für das obligate Birchermüesli, zeigt der Blick aus dem Fenster nur noch Menschen in sommerlichem Tenue unterwegs. Gut so. Die zweite Runde führt uns durch weitläufiges Rad-Wander-Gebiet. Inzwischen sind wir nicht mehr alleine unterwegs, aber bei so vielen Wegen kommen alle gut aneinander vorbei.

Auf dieser Höhe heisst Landwirtschaft offenbar Weidewirtschaft. Kühe und Schafe.

Waldwirtschaft natürlich auch. In diesem Teil des Böhmischen Waldes hat der Borkenkäfer schon mehrfach grossen Schaden angerichtet. Wo aufgeforstet wird, müssen die jungen Triebe gut geschützt werden. Ich nehme an, dass sie für Damhirsche, Rotwild und Moufflons ein Leckerbissen sind.

Streckenweise folgen wir der EuroVelo 13 und schauen uns Gedenk- und wohl auch Nicht-Vergess-Stätten an. Bei mir lösen diese gemischte Gefühle aus, darunter immer Dankbarkeit dafür als Schweizerin keine Kriegserfahrungen zu haben, auch wenn ich – inzwischen – natürlich auch um die dunklen Seiten unserer (Nicht-)Beteiligung weiss.

Die Infotafeln sind jeweils auf Tschechisch und auch Deutsch – im Gegensatz zu vielen Alltagsinformationen, die auch im Grenzgebiet, zumindest in Tschechien oft einsprachig sind. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein. Doch lassen wir das, zumal es ziemlich vielschichtig zu sein scheint.

Lasst unsere Impressionen auf euch wirken und macht euch selber eure Gedanken.

Szenenwechsel zur Moldauquelle – eigentlich einer der vielen Moldauquellen.

Sie blubbert selbst

Zwischen den einzelnen Stationen geht‘s in diesem hügeligen Gebiet nicht nur emotional auf und ab. Je nach Belag ziemlich sportlich.

Heisst es. Wobei – Geographiebanausin, die ich bin, weiss ich nicht welche. Die Bayrischen oder die Österreichischen oder…

Uns reicht die Höhe hier.

Eine Gegend, die zum draussen sein einladet, weshalb wir gegen Abend noch einen Spaziergang rund ums Haus gemacht haben.

Im Hintergrund seht ihr das Haus, in dem wir logiert haben.

Das Infozentrum hätte auch noch ein paar Ausflugsideen hergegeben, wenn wir denn noch geblieben wären. Wobei, zurück kommen ist auch eine Option. Ich habe noch keine Ahnung was wir ab Woche 3 machen.

Der Hunger meldet sich. Beim Essen ist hier in Tschechien für uns, die wir kein Fleisch mögen, manchmal etwas Improvisation angesagt. Wenn dann auch noch das einzige vegetarische Gericht auf der Karte aus ist, heisst es freundlich nachfragen, ob es nicht möglich wäre… Das Resultat war ein Genuss.

Morgen wollen wir – Temperatur-bedingt – früh los, weshalb wir noch packen und dann den Tag gemütlich ausklingen lassen.

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