20. Juli 2025 – Von der Quelle der „Warmen Moldau“ zur (nur) Moldau

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Weil es gestern so schön gewesen ist – und weil sie heute heiss angesagt haben – bepacken wir das Tandem früh…

Blick aus dem Fenster beim Packen

…und werden dafür beim ersten Waldrand mit einem Hasen 🐇 belohnt. Ist allerdings ein VIEL langbeinigeres und vor allem LANGOHRIGERES Modell als das skizzierte.

Wie schön! Unsere Begleiter:innen sind auch schon startklar!

Also kann’s los gehen. Die Sonne wirft immer noch lange Schatten und die Strassen scheinen ausschliesslich für uns reserviert zu sein.

Typisch für den Nationalpark sind lange, gerade und oft einsame Strassen.

Heute geht‘s netto gerechnet deutlich mehr abwärts und die Steigungen sind angenehm, weil wir früh los sind auch von den Temperaturen her. Die Armlinge und die Beinlinge sind einige Zeit im Einsatz.

Wir bleiben der Route 33 treu – die EuroVelo 13 auch. Kaffeehalt ist in Strážný geplant, einem verblüffenden Ort mit einer bewegten Geschichte und ganz eigenen Überlebensstrategien. Doch seht selber…

Der markierte KaffeeHaltPunkt auf der GPS-Route ist eine Gelateria, wo tatsächlich bereits fleissig gearbeitet wird. Geöffnet hat sie leider noch nicht – und für Gelato wär‘s mir auch noch etwas früh gewesen, auch wenn die Bewertungen verführerisch klingen.

Eine Pension etwas weiter oben ist zwar mit geöffnet angeschrieben und da ist auch jemand, Kaffee verkaufen wollen sie uns aber noch keinen. Tja, mal schauen, ob es eine Tankstelle in der Nähe hat… ja 700 Meter auf der Hauptstrasse Orts-auswärts oder… das ****-Hotel Imperial Casino hat auch bereits geöffnet. Der Parkplatz sieht ziemlich leer aus.

Heinz geht fragen… und kommt mit der Auskunft zurück, dass wir einen Kaffee haben können… unter anderem… gratis und so viel wir wollen sogar… wir uns dafür aber registrieren und 5 Euro pro Person zahlen müssen. Ihr ahnt vermutlich inzwischen, wo wir gelandet sind. Das lassen wir uns nicht entgehen – auch wenn sich der Kaffee nicht als Highlight erweisen wird 🤭.

Von den tatsächlich von einer Croupier, aber keinen Spieler:innen besetzten Spiel-Tischen durfte ich kein Foto machen.

Dafür hier eines von meiner Membercard. Ob ich die je wieder brauchen werde?

Günstig (be-)trinken wäre auch eine Option hier, wenn auch nicht meine… und schädlich sein dürfte das ebenfalls…

Den „Gestalten“ nach zu schliessen, die sich am Frühstücksbuffet bedient haben, scheinen auch die Übernachtungspreise günstig zu sein. Habe ich nicht nachgeprüft. Was wir auch eher speziell fanden: die Karte mussten wir in Cash zahlen – und zwar in Euro. Das gehört – wie das Casino bzw. die Casinos – wohl zu den Überlebensstrategien des Ortes. Wie auch die Nagelstudios und die vielen Marktstände, von denen die meisten noch mit Planen zugedeckt gewesen sind. Offenbar scheint das so eine Art Zollfreigebiet zu sein. Alkoholika und Zigaretten werden auch sehr offensiv beworben…

Der Ort hat offenbar schon Wurzeln im Mittelalter, als er noch wie die nahegelegene Burg Kunžvart (deutsch: Kuschwarda) hiess. Auch sein Marktrecht geht auf 1844 zurück. Nach dem zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der deutsch-stämmigen Bevölkerung war er kaum noch bewohnt, sondern ein Grenzschutzort mit strategischer Bedeutung, was immer das heissen soll. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat er sich offensichtlich zu einem sehr eigenwilligen Grenztourismusgebiet entwickelt.

Nur einen Kilometer weiter, wieder im Naturschutzgebiet, ist davon nichts mehr zu merken.

Auf dem nächsten Stück, aber nicht mehr so lange, haben wir wieder Strassen für uns.

Die nächste Etappe führt entlang einer erneuerten einspurigen Eisenbahnstrecke.

Selbstverständlich mit tschechischem Sicherheitsstandard. Dreifache Ankündigung der Übergänge, wobei wir das nicht so wörtlich genommen haben, sondern drüber gefahren sind.

Die Übergänge waren entweder zusätzlich durch ein Lichtsignal gesichert oder dann mindestens durch ein Stoppzeichen. Oder als Bildstrecke…

Für alle, die es lieber bewegt mögen, ein paar kurze Clips.

Es kommt kein Zug UND die Lichtsignalanlage funktioniert.
So sieht‘s aus, wenn ein Zug angekündigt wird.

Am Morgen losgefahren sind wir ganz in der Nähe einer der Moldauquellen, genauer der Teplá Vltava. Ihr erinnert euch vielleicht; gleich neben diesem Bächlein hatten wir unser Zimmer. Die „warme Moldau“ ist der linke Quellfluss der Moldau und gilt als deren Hauptquellfluss.

Die Bahnstrecke führt entlang der Moldau, die hier unten deutlich mehr nach Fluss aussieht und auch nur noch Vltava (Moldau) heisst.

Die inzwischen heisse Sonne und das Wasser spielen miteinander.

Seit wir an der Bahnlinie fahren und der Moldau entlang sowieso begegnen wir zunehmend Velofahrer:innen. Die Gegend sieht insgesamt touristischer aus, mit Ausflugsschenken am Wasser und späterer Morgen ist es inzwischen auch geworden.

Ein letzter kurzer Clip für heute. Sie hat sogar gewartet, bis wir angehalten haben und ich zu Fuss zurück gegangen bin.

Inzwischen ist es kurz vor 11 Uhr und wir kommen nach Horní Planá, wo Heinz mit der Hilfe von Komoot noch einen Höhenmeter-sparenden Schleichweg gefunden hat.

Netterweise können wir unser Zimmer bereits beziehen und das Tandem erhält ein eigenes Garagen-Abteil für sich. Und hat für heute Feierabend, deshalb hier eine kurze Zwischenbilanz. Allerdings: Wir sind zwar flott unterwegs, aber mit der Maximalgeschwindigkeit kann etwas nicht stimmen…

Ok, der andere GPS sagt nur 64 km/h; das kann stimmen. Und die Durschnittsgeschwindigkeit dort von 20.4 gefällt mir auch besser 😉. Keine Ahnung, was wirklich stimmt.

Wahrlich ein VIP-Tag, dabei geht es nach einer erfrischenden Dusche und einer ausgiebigen Siesta auf der Lounge-Terrasse noch weiter. Dort habe ich es auch plötzlich Rattern und Fauchen gehört und – tatsächlich – durch die Bäume Rauch aufsteigen sehen. Davon hätte ich euch gerne einen Clip samt Ton geschickt. Leider kann ich euch nur ein kopiertes Bild liefern; den Rest überlasse ich eurer Fantasie.

e chli schtingge muess es 😂

Wir waren letztes Jahr schon in Horní Planá und EINEN Grund, weshalb wir nochmals hier vorbei kommen wollten, seht ihr hier:

Weil nach diesem Toast kein Kuchen mehr Platz hatte, was bei dieser Auswahl keine Option ist, haben wir welchen für später mitgenommen. Nach einem Dorfbummel und einem Spaziergang zum und Aufstieg auf den Turm (169 Stufen, bestätigt) werden wir ihn umso mehr geniessen.

Zum Tagesabschluss noch Bilder

nach dem Abstieg auf der ziemlich engen Wendeltreppe. Und auch noch eines mit Blick von oben auf die grossen Wälder und den Lipno Stausee, dem wir morgen auf der anderen Seite entlang fahren werden.

Vom Turm aus sind Sonnenauf- und -untergänge sicher ein grossartiges Spektakel. Ein anderes Mal… Wie vielleicht auch ein Besuch im Geburtshaus von Adalbert Stifter, der in Horní Planá geboren und mindestens zur Schule gegangen ist.

Gleich neben seinem Park ist ein Jump Park, der – ebenfalls – nicht mehr gut im Schuss ist.

Erstaunlich, dass in Tschechien so etwas trotzdem noch zugänglich ist.

Einerseits scheint hier touristisch einiges los zu sein wie ein Besuch des Touribüros vermuten lässt und es gibt auch viele renovierte Häuser und Neubauten. Andererseits hat der Zahn der Zeit sichtlich Spuren hinterlassen und einige Renovationsprojekte scheinen aus welchen Gründen auch immer versandet zu sein.

Oh, der hat ja einiges auf dem Kopf…

Ob wir so einen tatsächlich auch in freier Wildbahn beobachten könnten? Vielleicht mit einem guten Führer und viel Geduld und vermutlich auch eher im Winter. Dass die Wälder hier weitläufig und geschützt genug für solche Prachtskerle sind, könnte ich mir schon vorstellen.

So langsam geht die Sonne unter, wir nehmen unseren Kuchen mit zur Lounge raus und schauen dem Tag beim Einnachten zu,

womit sich der Kreis für den heutigen Tag schliesst.

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