Die Altstadt ist wirklich sehr pittoresk und das Schloss, das weitherum sichtbar über der Stadt thront imposant. Nicht erstaunlich, dass das historische Zentrum seit 1992 als Denkmal auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht.





In knapp zwei Tagen an diesem Ort habe ich mehr Fremdsprachen gehört und Autos mit ausländischen Nummernschildern gesehen als in der ganzen Zeit, die wir bisher in 🇨🇿 verbracht haben insgesamt, die Tour letztes Jahr inklusive.
Entsprechend bevölkert sind die Gassen – ausser wenn es regnet, wie Dienstagmorgen. Dann lässt sich ein Spektakel der anderen Art beobachten.

Erinnert mich etwas an den Zürcher HB vor und nach der sogenannten Spinne, wenn der Bahnhof plötzlich voller hin- und hereilender Menschen und dann – wie von Zauberhand – plötzlich wieder leergefegt ist. Wusstet ihr übrigens, dass der Taktfahrplan in der Schweiz ursprünglich von einer Gruppe SBB-Mitarbeiter entwickelt wurde, die sich selbst augenzwinkernd den „Spinnerclub“ nannten?
Weil das Wetter sehr April-mässig ist und es mehrfach von Sonne zu bewölkt, zu Regen und auch wieder retour ändern kann, konnte ich diesen Zauber mehrfach beobachten.
Regen kann hier ein paar Tropfen, leichter Nieselregen oder auch das heissen:
Ich weiss nicht, ob das typisch ist für diese Gegend oder ob sich – passend zum Tempo der globalen heutigen Welt – auch die Wetterwechsel beschleunigt haben…
Überhaupt gibt es in dieser Stadt vieles zu sehen und zu beobachten. Viel zu viel, um alles zu dokumentieren, weshalb ich ein paar „Merkwürdigkeiten“ und Sachen, die mir gefallen haben, herausgreife. Aus der Kategorie Kunst zum Beispiel


Oder wenn Sigmund Freud, Sigmund Freud betrachtet, der Sigmund Freud betrachtet, der Freud betrachtet, der… – dann erinnert mich das an Mani Matter, der ob des metaphysischen Gruselns nicht mehr zum Coiffeur konnte.

Überhaupt das Egon Schiele Museum. Ein besonderer Ort mit vielfältigen Ausstellungen



und einem Innenhof, der offenbar auch als Konzertort genutzt wird. Das lassen wir uns nicht entgehen. Es war dann zwar nicht im Innenhof und ich hätte all meine warmen Sachen zu Hause lassen können. Doch davon später. Damit ich mich nicht allzusehr 😉 verliere, bleibe ich bei chronologisch. Oh, stimmt, das bezeichnet eine Logik, wie mir gerade auffällt. Vermutlich eine, die für viele Menschen zugänglicher ist als meine assoziative, die sprunghaft wirkt, wie ich aus Gesprächen weiss…
Also weiter mit Impressionen aus der Kategorie „Spielzeug“, wobei das nicht wirklich die treffende Beschreibung ist.


Beeindruckend, wenn auch nicht erstaunlich fand ich, wie viele Hotels, Pensionen und Appartments es auf Schritt und Tritt hier gibt.

Solche Collagen liessen sich innert kürzester Zeit und ohne sich viel zu bewegen auch von Restaurants, Kavárnas (Cafés), Souveniershops, Museen und Galerien, Orten, wo es Süsses gibt machen.
Einer der Vorteile eines mehrtägigen Aufenthaltes an einem so touristischen Ort ist das unterwegs sein können zu Randzeiten; bevor die grossen Touristenströme die Stadt erobern oder wenn die Gassen sich wieder leeren.
Zu Stosszeiten geht es auf und neben der Moldau sehr lebhaft zu, wodurch es viel zu sehen gibt.



Sympathischerweise hat es nicht nur Restaurants und (Pop-up-)Bars am Ufer, sondern auch solche Tribünen, wo Picknicken, Sehen und gesehen werden, lesen, Siesta halten und und und möglich sind. Auch die Boot-Tripps können sehr unterschiedlich interpretiert werden.






Reguliert sich – wie auf der Strasse – sehr gut selber. Die Geduld „im Verkehr“ scheint eine der eingeübten Eigenschaften zu sein, welche das ausgeprägt zurückhaltende tschechische Volk im Alltag auszeichnet. Im Zusammenhang mit dem Verkehr finde ich das sehr angenehm, in den Begegnungen unterwegs (kaum Blickkontakt oder Grussworte) manchmal irritierend und was sehr selten beobachtbare, „laute“ mir-gehört-die-Welt-Kinder, die spontan neugierig sind, betrifft, schade. So unterschiedlich können sich sozialisierte Verhaltensweisen zeigen.
Doch hier noch ein kommentierter Video-Clip, weil ich so fasziniert von diesem Rummel bin. Sorry, falls ihr wegen des Rauschens des Wassers nicht alles verstehen könnt.
Während ich hier am Blog schreiben bin, „verschönert“ Heinz die morgige Weiterfahrt. Was für ein Glück einen immer routinierteren Planer im Team zu haben, der gekonnt zwischen eher Steigungen oder eher Verkehr und einem optimalen Mass an Umkürzungen
Ich bin viel unterwegs in und um die Stadt, allerdings ohne viele Gebäude zu betreten (Cafés, historische Stätten, Boutiquen, Museen etc.), weil ich die Menge an Eindrücken schon so schlicht überwältigend finde.
Kunst beispielsweise gibt‘s hier fast in jedem Winkel; Blick schweifen lassen genügt.



Ein paar Anregungen, was wir hier alles – eingehender – erkunden oder unternehmen könnten, kommen auf den Ideenparkplatz. Vielleicht für die nächsten Tage, vielleicht für ein anderes Mal, vielleicht einfach als Erinnerung.



Während ich am Blog schreiben bin, ist Heinz daran die morgige Weiterfahrt zu „verschönern“, wie er es nennt. Was für ein Glück einen immer routinierteren persönlichen Planer und Piloten im Team zu haben, der gekonnt zwischen eher mehr Steigungen oder eher mehr Verkehr abwägt und die Umkürzungen abgestimmt mit den Bodenbelägen optimiert. Meistens geht das dann in natura wunderbar auf – und wenn nicht, beschert es uns „Ok, nächstes Mal nehmen wir eine andere Route“-Momente oder veritable Abenteuer. Ihr erinnert euch an die Furt 😅?! Sonst könnte es uns ja langweilig werden… Oder um es mit dem Motto einer lieben Freundin auszudrücken: Frauen brauchen Abenteuer 😘!
À propos Mottos. Eines, das ich mit einem sehr geschätzten Kollegen verbinde, ist: ‚Neue Woche, neues Glück’ oder wahlweise auch ‚Neuer Tag, neues Glück‘, was eine ihm würdige Überleitung zu unserem zweiten Tag in Český Krumlov wäre. Wenn da nicht noch zwei heutige Highlights wären. Vielleicht lässt sich das Motto ja in ‚Neues Momentum, neues Glück‘ verfeinern – filigranisieren sozusagen.
Das Laibon erweist sich als ‚Da wollen wir unbedingt noch mal hin‘-Erfahrung. Sehr feines Essen aus einer kreativen und flexiblen Küche, ein sympathischer und origineller Besitzer und ein junger Mann, der ihm an diesem Abend geholfen hat, mit freundlichem Lachen und einer herzlichen Art, die dazu führen, dass es sich wie Stammgast sein und nach Hause kommen anfühlt. Wow!
Auch als sich die Tische zunehmend gefüllt haben, blieb dieses angenehme Gefühl von hier nehmen sie sich Zeit für dich und finden es wichtig, dass sich alle wohl fühlen. Auf der Karte steht

was wir mindestens bestätigen können (z.B. extra zubereitete Guacamole ohne Koreander für Heinz). Beeindruckend.
Das Tüpfchen auf dem i dann folgende Episode: Der Besitzer macht – beiläufig und neckisch – eine Bemerkung zu meinem baslerischen Dialekt… Wir unterhalten uns an sich auf Englisch und er hat – offenbar – einen Satz aufgeschnappt, den ich mit Heinz gewechselt habe. Beim Abschied fragt er mich dann, in nicht ganz so flüssigem Deutsch wie man „Auf Wiedersehen“ auf Baslerisch sagt und freut sich wie ein kleines Kind über das „uf widrluege“, das er genüsslich wiederholt. Aus seiner ganzen Art und der Führung des Betriebes zu schliessen – ich beobachte den Abend durch fasziniert die gut harmonierenden Abläufe und wie er sich persönlich um alle Gäste kümmert und dabei immer mal wieder mit einem Blick oder einem Lächeln auf dem Weg nach drinnen und nach draussen mit mir flirtet – lebt er ein sehr stimmiges Leben, was sich auf die ganze Atmosphäre überträgt.
Wie gesagt: Wir kommen wieder!
Für heute machen wir uns rundum zufrieden auf den Heimweg. Vorerst nur für einen kurzen Zwischenhalt, um die Schuhe zu wechseln und etwas Wärmeres anzuziehen, weil ein Spaziergang zur Kappelle hoch lockt.
Vom Reh, das vor mir durchs Gras gehuscht ist, kann ich euch kein Bild liefern, dafür ein paar andere, die – hoffentlich – die besondere Stimmung hier oben besser vermitteln können als Worte.





Was für ein Abschluss für diesen Tag.
Den nächsten starten wir mit einem Ausflug zum höchsten Berg des südböhmischen Waldes. Heinz „verbäbelet“ noch etwas unser Tandem, derweil ich noch schnell einen Blick in die Garagen-Broki zwei Häuser weiter werfe – gut geschützt durch Gepäckverhältnisse ohne Platz für Ginggernillis ☺️.


Es kann losgehen. Das Wetter ist sonnig und angenehm kühl, die Strassenbeläge sind abwechslungsreich

und die Route 7 entlang der Moldau wieder eine gute Wahl. Einige Ansichten kennen wir bereits; genug davon bekommen wir noch lange nicht.
Eine sehr malerische Strecke mit guter Veloroutenführung und originellen Verkehrsschildern.

Dem Wildschwein sind wir in der freien Wildbahn glücklicherweise nicht begegnet.
À propos: Auf dem Krumlauer Schloss gibt es leider auch zwei Bewohner, denen ich die freie Wildbahn gönnen würde – so lange sie nicht direkt unseren Weg kreuzen.

Zurück aufs Land: Der höchste Berg der Gegend bedeutet auch einiges an Steigung.


Das linke Bild stimmt nur als Planungsansicht. Weil ich unterwegs einen amächeligen lokalen Routenwegweiser gesehen habe, der – grosso modo – in die passende Richtung gezeigt hat sind wir von der ursprünglich geplanten Strecke abgewichen. Das ist einer der Luxusaspekte dieser Art zu reisen. Ohne Gepäck und ohne Tagesziel, das es zu erreichen gilt, darf es auch der Nase oder anderen Impulsen nach gehen, weil es locker drin liegt, auch mal umkehren zu müssen oder für das eine oder andere Wegstück mehr Zeit als bei flotter Reisegeschwindigkeit zu benötigen. Auch Single Trails sind ok, zumal Komoot ja sogar die „Preisklasse“ angibt, wenn wir uns die Zeit zum draufschauen nehmen.
Wir wurden mit einer landschaftlich sehr reizvollen Strecke mit Wegen ganz für uns belohnt und – durch den nicht befestigten Untergrund – zusätzlichen Trainingseffekt 😅.





Wir mussten nur 2x kurz absteigen und stossen, weil die Kombi steil und steinig nicht geht; dann drehen wir durch 😂.
Stimmt nicht, kurz vor der Spitze gab es noch ein drittes Mal. Wir haben schön gestaunt, als wir zwei Mountainbikefahrer, vermutlich Vater und Sohn locker dort durchfahren gesehen haben – einer sogar einhändig, damit er die Brennesseln von sich weghalten konnte. Nicht schlecht!

Nach den vielen Kilometern durch Menschen- und Siedlungsfreies Gebiet ist es hier oben plötzlich wieder sehr bevölkert. Was uns nicht mehr erstaunt hat, nachdem wir die Infrastruktur und das Angebot gesehen haben.






Auch wenn die bayrischen und die österreichischen Alpen, wie ich hier oben auf den Schautafeln lesen kann, leider mangels klarer Fernsicht nicht zu sehen sind. Wir finden die Aussicht auch so sehenswert.
Die Abfahrt war sehr angenehm, weil es ein allgemeines Fahrverbot für motorisierte Fahrzeuge gibt – eBikes ausgenommen. Als Bergpreis scheint der Klet allerdings auch beliebt zu sein; wir sind vielen fitten Renn-, Gravel- und Mountainbike-Fahrer:innen begegnet.
Schon bald sind wir wieder auf dem weitläufigen Gemeindegebiet von Český Krumlov. Im Randgebiet sind die grossen Einkaufsläden angesiedelt, wo ich – frischen (du erinnerst dich, Heinz?!) – Salat und knackige Rohkost fürs Znacht kaufen möchte. Was ich nicht bekomme oder nicht finde ist Essig. Ok, Joghurt und Citronensaft sind eine gute Alternative. Unser learning des Tages: Blumenkohl lässt sich sehr einfach und knackig in der Mikrowelle dünsten.
Hier draussen sind auch die Trabantenstädte, den irgendwo müssen ja all die Leute wohnen, die im historischen Zentrum informieren, Führungen machen, Boote wieder entgegennehmen, putzen, verkaufen, bedienen, bekochen, die traditionellen Süssigkeiten zubereiten – habe ich euch davon schon ein Bild geschickt? – und und und.

So eine UNESCO Welterbe unterhaltet sich nicht von alleine, weshalb all die Devisen sicher hoch willkommen sind. Deshalb ist auch für ständig verfügbaren Nachschub gesorgt

und die jeweils passenden Geschäfte sind marketingstrategisch geschickt platziert.

Solche Sachen gefallen mir da schon viel eher.

Nach diesem touristischen Shopping-Abstecher zurück in die Vorstadt.

Wir bringen unsere Einkäufe retour in unser Appartment und schalten eine ausgiebige Pause ein, bevor wir genährt mit viel Salat und Rohkost nochmals das Tandem satteln und gespannt sind, was für eine Aufführung uns erwartet.


Viele der Festival-Besucher:innen sind festlich gekleidet, wie die Türsteher:innen auch. Mehrere Fotografen dokumentieren das Geschehen, auch während der Vorstellung. Deshalb erlaube ich mir das diskret auch. Mein Platz ist optimal dafür.
Deshalb hier sogar zwei Videoclips. Die vom Cellisten gespielte Bachsuite und das vom Klarinettisten und der Tänzerin interpretierte Stück von Boulez wechseln sich sequenziell ab – geschickt mit Lichteffekten inszeniert und akzentuiert.
Mir gegenüber sitzt vermutlich ein Musikkritiker – das schliesse ich zumindest aus seinem Notizheft und den gelegentlichen Notizen, die er sich macht. Ihm scheinen die moderneren Parts nicht zu gefallen; zumindest würdigt er die Tänzerin keines Blickes – nicht einmal als sie nur etwa zwei Meter von ihm entfernt ihre Künste darbietet. Was er wohl schreiben wird?
Dem Publikum hat‘s hörbar gefallen, dem verdienten Schlussapplaus nach zu schliessen. Auch wenn es einen Moment gedauert hat oder vielleicht sogar einen Claqueur-Stupser eines Eingeweihten gebraucht hat, bis wir gemerkt haben, dass das Stück fertig ist.

Bei – beleuchteter – Dunkelheit sind die historischen Gassen ebenfalls sehenswert und sehr stimmungsvoll.


Vielleicht gehen wir morgen doch noch auf eine Nachtführung.
Sind wir dann nicht, weil zu viel Regen angesagt gewesen ist. Für ein Abschlussessen im Laibon sind wir aber nochmals raus.


Hat sich gelohnt, auch wegen eines Gebäudes mit einer sehr wechselhaften und sehr speziellen Geschichte, das wir von der Flussterrasse aus entdeckt haben

und der netten Begegnung mit einem Paar aus Kanada 🇨🇦 mit indischen 🇮🇳 Wurzeln. Diese hatten erst eine Stunde zuvor in einem Hotel in der Altstadt eingecheckt und uns – ohne zu wissen, dass wir aus der 🇨🇭 Schweiz kommen – erzählt, dass sie dieser Ort an ihre Reise zehn Jahre zuvor in die Schweiz erinnere. Es sei alles so ruhig, schön und sauber hier. Tja, wer indische Städte kennt sieht das wohl tatsächlich anders als wir, die wir aus der Stille des Sumava gekommen sind und die überschaubaren Schweizer Städte als Massstab haben. Wobei, abends sind die Gassen tatsächlich sehr beschaulich, bei diesem Wetter sowieso.
Ein letztes Bild vom Heimweg nach dem Essen; inzwischen ist uns trotz Kissen und Decke langsam kalt geworden.

Tschüss…

oder vielleicht doch eher: uf widrluege!
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