Weiterfahrt von Český Krumlov nach Třeboň.


Den Badeweiher in der Nähe der Unterkunft überlassen wir um diese Zeit noch den Enten.
Bestandsaufnahme:




Beste Voraussetzungen also für eine angenehme nächste Etappe.
Heinz ist der 7 untreu geworden und hat die heutige Strecke aus 4-stelligen lokalen Routen zusammengesetzt. Landschaftlich immer sehr schön und kaum Verkehr – vom Belag her war zumindest das erste Stück eher „interessant“ als komfortabel. Was Komoot als „Strassenbelag“ ausweist, lohnt bei der Planung einen prüfenden Blick. Vor Jahrzehnten waren das wohl mal asphaltierte Abschnitte…
Die landwirtschaftliche Nutzung ändert sich im Vergleich zum Böhmischen Wald von Wald- und Weidewirtschaft zu mehr Ackerbau. Typisch sind sehr grossflächige Felder. Wie wir vom letzten Jahr wissen, ist das erst ein Vorgeschmack.


Manchmal sehen wir – so weit das Auge reicht – auf der einen Seite beispielsweise Korn und auf der anderen Mais. Die Bepflanzungen ändern, das Prinzip bleibt. Anders als im letzten Jahr ist, dass es (noch) keine Bewässerung braucht. An die eindrücklichen Installationen dafür erinnere ich mich noch sehr gut.
Vor allem zu Beginn der Etappe hat es waldige Abschnitte. Die Bodenfeuchtigkeit intensiviert den würzigen Duft des moosigen und manchmal auch moorigen Untergrundes. Besonders nasenschmeichelnde Abschnitte sind überall dort, wo frisch geschnittenes Holz liegt.



Ich finde es immer wieder spannend, wie mein Gedächtnis funktioniert. Unterwegs erinnere ich mich – ausgelöst durch einen Duft oder ein Landschaftsbild – an Gegenden und Situationen aus dem letzten Jahr oder andere, ähnlich Orte. So fühlte ich mich gestern zeitweise in die Schweiz oder die den doch etwas weitläufigeren südbadischen Raum versetzt und zu Třeboň sind mir Details in den Sinn gekommen und ich wusste beim Einfahrt in die Stadt beispielsweise, was für ein Gebäude um die nächste Ecke kommt. Faszinierend. Ohne die bildhaften Stupser hätte ich den Zugang zu diesen Schubladen nicht.
Ebenfalls bekannt und immer noch beeindruckend fanden wir die vielen Alleen, die das Strassenbild hier prägen. Manchmal mit einem gemischten Baumbestand, oft mit nur einer Baumart. Gestern sind wir durch Linden-, Pappeln-, Eichen-, Birken- und Ahornalleen gefahren.



Wir fahren sehr selten an verkehrsreichen Strassen. Offenbar gilt diese lockere Verkehrsdichte hier sogar für Autobahnen, was ich für einen Freitag am späteren Morgen doch erstaunlich finde.

Zeit für eine Pause. Eine, in der wir ein neues Wort lernen. Die Erklärung dazu als Bild, weil ich es schon für den Status beschrieben habe.


Velešín hat nicht nur eine feine Konditorei, sondern ist auch sonst ein interessantes Städtchen, was wir durch „Umkürzungen“ wie eine liebe LeNa-Mitbewohnerin von mir so trefflich sagt, entdeckt haben.
Besonders fasziniert hat uns dieses Gebäude, das wie der grosse Industriebetrieb, der wahrscheinlich der Motor der Stadt ist, offenbar eine wechselhafte Geschichte hat.


Ich mag solchen Ginggernillis, auch wenn ich mich sehr diszipliniere, was das „haben müssen“ angeht. Unterwegs mit dem Tandem ist das zum Glück wegen der Platzverhältnisse im Gepäck auch nicht so schwierig. Ja, ja, ich weiss. Nach Hause schicken wäre eine Möglichkeit. Nix da. Ich mag meine zunehmend überschaubaren Wohn- und Lebensverhältnisse, was direkt-proportional mit entsorgten „Sachen“ zusammenhängt.
Manchmal kann und will aber auch ich nicht widerstehen, weshalb uns seit gestern ein weiteres Teammitglied begleitet.

Durch die verblüffende Entdeckung gestern Abend sozusagen geprimed fällt uns heute auch diese „Kirche“ auf.

Der blaue und der gelbe Gebäudeteil sehen sehr nach Wohnhäusern aus und werden wohl nicht von Baubeginn weg dazu gehört haben. Ob auch diese Kirche – irgendwann – stückweise verkauft worden ist? Wie dann wohl die Eigentumsform geregelt ist? Stockwerkeigentum dürfte kein geeignetes Modell sein. Spannend.
„Umkürzungen“ sparen zwar weder Zeit noch Kilometer, aber sie bringen viele interessante Entdeckungen – ganz im Sinne unserer Reise.
Viele Velorouten und Themenwege, wie beispielsweise den Burgen- und Schlösserweg bietet diese Gegend ebenfalls. Wofür das untere Schild steht wissen wir noch nicht. Könnte etwas mit Wasser und hügeligem Wald zu tun haben.

Von beidem hat es in dieser Gegend eine ganze Menge. À propos: So langsam ist Zeit fürs Mittagessen und Enten habe ich euch auch angekündigt. Der nächste Ort eignet sich bestens für beides. Doch lassen wir die Bilder „sprechen“.
Das Geschnatter war teilweise fast ohrenbetäubend, vor allem als sie sich lautstark beklagen mussten, als wir ihnen für unser Picknick das lauschige Plätzchen am Ende des Steges streitig gemacht haben. Zu unserer angenehmen Überraschung haben sie auf dem Inselchen und dem Steg keine unliebsamen Spuren hinterlassen.

Solche Karpfenteiche und -seen hat es sehr viele. Beim Müesli essen konnten wir nicht nur Enten schnattern hören und verschiedene Formationen schwimmen sehen, sondern auch Schwäne beim starten und landen beobachten und Karpfen muntere Atemholsprünge machen sehen und hören. Dass sie in diesen Gewässern nicht nur dick und fett werden, sondern wohl auch nicht üppig mit Sauerstoff versorgt sind, haben sie Futtersilos zu verdanken.

So, jetzt ist es nicht mehr weit bis Trebon, einem beliebten Kur- und Ferienort, den auch viele Radtourist:innen gerne für einen Tagesausflug oder als Etappenziel ansteuern.


Wie gewohnt die Etappendaten, wobei einer der GPS-Geräte heute Mühe hatte, die Durchschnittsgeschwindigkeit korrekt zu berechnen, deshalb müssen die Angaben zusammen gepuzzlet werden.

Nach der Dusche trennen sich die Wege von Heinz und mir. Er besucht eine buddhistische Galerie in einem alten Wasserturm und ich bummle – sozusagen kulturfrei – durch das Städtchen und beobachte das muntere Treiben auf den Plätzen, dem Schlossgelände und in den Gassen. Zum Ausgleich geniesse ich die Ruhe auf dem Spazierweg aussen an der Stadtmauer entlang.


Im Schlosshof gibt es Schaukämpfe in historischen Kostümen. Die lassen wir sicher aus. Die Vorführung der mittelalterlichen Reihentänze letztes Jahr fanden wir hingegen vergnüglich.



Mit sehr unterschiedlichen Eindrücken treffen Heinz und ich uns später in derApotheke zum Apéro und ziehen von dort weiter zum Einhorn für ein köstliches Nachtessen.



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