2./3. August 2025 – Břeclav

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Heute geht‘s von Znojmo weiter nach Břeclav. Es ist schön, aber nicht heiss angesagt, weshalb wir uns Zeit für das feine Zmorgenbuffet lassen.

  • Magen: wohlig zufrieden
  • Wetter: top
  • Temperatur: angenehm
  • Verkehr: sehr übersichtlich
  • Team: alle mit dabei
  • Strecke: angezeigt und wird sich zeigen

Was wir – von Auge – auch sehen, ist ein rot-weiss gestreifter Zug, der gerade über die Eisenbahnbrücke fährt. Da kommt das iPhone an seine Grenzen als Fotoapparat. Wobei ich es schon sehr eindrücklich finde, was so ein Handy für Aufnahmen macht. Und irgendwie gefällt mir auch, dass fast alles – einzelne Effekte ausgenommen – in natura und mit eigenem Auge gesehen schöner ist und besser wirkt als auf den Bildern davon. Und da spreche ich noch nicht einmal von den begleitenden Tönen, Düften, Geschmäckern und anderen Sensationen, welche unsere Sinne anregen.

Zug mehr zu erahnen als zu sehen – das rot-weisse Farbenspiel schon gar nicht

Wir fahren der Sonne entgegen und staunen wie wenig Autos wir sehen. Ah, stimmt, es ist Samstag. Die Wochentage sind uns meistens nicht gleich präsent, einer der entspannten unterwegs-Sein-Effekte.

Znojmo ist eine Wein-Stadt; wir fahren ab heute durch viele Rebberge – die meisten davon eingezäunt, ausser wenn sie auf der österreichischen Seite liegen.

Oh, das scheint uns eine spezielle Plantage zu sein.

Rechts Reben, links Obstplantagen, geradeaus freie Fahrt. Wow! Entsprechend flott geht es voran.

Für ein paar Details dann und wann bleibt trotzdem Zeit.

Die ganze Region ist von internationalen, nationalen, regionalen und lokalen Radrouten durchzogen – einige davon sind alte Bekannte, andere Signete sehen wir zum ersten Mal.

Ob das in diesem Fall zutrifft, weiss ich nicht, aber wir stauen oft, wie „kreativ“, um nicht zu sagen fantasievoll die Übersetzungen hier sind. Obwohl wir im grenzüberschreitenden Gebiet unterwegs sind und einige Texte, die wir lesen, sogar amtlich sind, muten die Übersetzungen teils abenteuerlich an. Mehr KI als QS – und zwar KI der ersten Stunde…

Wie schon öfters fahren wir durch viele Alleen, heute sind es oft Obstbäume.

Manchmal erinnern wir uns an ein Gebäude oder haben plötzlich eine Ahnung, was uns nach der nächsten Kuppe erwartet. Mich fasziniert immer wieder, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert. Vor allem dort, wo ich letztes Jahr nicht nur mehrere Fotos aufgenommen, sondern diese auch zu Collagen verarbeitet habe, mag ich mich teilweise wieder an Details erinnern, so bald die Verknüpfung hergestellt ist. Was jeweils der Trigger ist, kann ich oft nicht sagen.

Das trifft beispielsweise auf die Busstation von Jaroslavice zu.

Collage vom Juli 2024

Jaroslavice wäre uns dieses Jahr wohl gar nicht besonders aufgefallen, was daran liegt, dass wir von einer anderen Seite in das Dorf gefahren sind. Letztes Jahr sind wir so gekommen, dass wir die Burgruine über der Stadt aus verschiedenen Perspektiven und zum Teil von sehr nahe gesehen haben. Aus der Nähe war der desolate Zustand sichtbar und wie alles überwuchert und provisorisch gesichert ist.

Bild vom Juli 2024

So, wie wir dieses Jahr nach Jaroslavice hineingefahren sind, hätten wir das Schloss – wenn überhaupt – nur auf der Infotafel gesehen, wo eigentlich nur, die Kirche zu sehen ist beziehungsweise eine „Schoggi-Seite(n)“-Ansicht.

Was uns von diesem Jahr vermutlich bleiben wird, ist die Hauptstrasse, die so unterspült worden sein muss, dass sie eingebrochen ist.

Mal schauen, vielleicht drehen wir nochmals eine Runde am Nachmittag und schauen uns den einen oder andern Bau genauer an. Jetzt geht‘s durch eine noch nicht lange geschaffene Allee mit Apfelbäumchen weiter Richtung Lednice. Allerdings ich lange, weil wir von einer Flötenspielerin und ihrem Konzertort aufgehalten werden. Schade, dass sie heute Abend nichts auf dem Programm stehen haben.

Und vielleicht auch, dass sie gerade am Aufbauen eines Winzerfestes sind, das von Freitagabend bis Sonntag oder so dauert, wo praktisch jede der Mini-Kellereien mit einem Grill-, Degustations- oder was auch immer Stand mitmacht.

Nach Jaroslavice muss ich Heinz kaum mehr Richtungswechsel anzeigen. Nicht, weil er die Gegend bereits wie seine Hosentasche kennen würde, sondern weil es meistens – quasi Elsass-mässig – wie mit dem Lineal gezogen geradeaus geht.

Heute überqueren wir mehrfach die Grenze zwischen Tschechien und Österreich. Diese sind sehr unterschiedlich inszeniert; manchmal gar nicht, manchmal beidseitig ähnlich oder sogar gemeinsam, manchmal je nach Land.

Grenzen und Grenzposten oder -punkte sind Momente, in denen wir uns immer wieder bewusst werden, wie anders unsere – schweizerische – Geschichte ist. Vor allem die Geschichtsbücher- und -unterrichtsversion, die zu unserer Schulzeit den Lehrplan bestimmt hat…

Es sind auch Momente, um innezuhalten, sich auf die Schicksale anderer Menschen einzulassen und – für mich vor allem auch immer wieder – Momente der Dankbarkeit, als dieses ICH in der Schweiz in diese Zeit hineingeboren worden zu sein.

Zum Eiserner-Vorhang-Trail und den Grenzregionen gibt es eine App und Internetseiten, welche die Geschichten von Menschen erzählen, die weniger Glück gehabt haben.

https://www.memoryofnations.eu/en/about-project

Auch solche Geschichten und sich darauf einzulassen ist eine der Facetten unserer Reise, die ich nicht missen möchte. Ich, die ich im Geschichtsunterricht nur selten aufgepasst und meine Aufmerksamkeit sehr selektiv, nämlich Prüfungs- und Noten-bezogen eingesetzt habe, erlebe Geschichte in solchen Momenten als sehr relevante Dimension. Weit weg von Zahlen und Daten.

Kultur – Geschichte(n) – Natur werden auf dieser Reise zu sehr facettenreichen Begriffen.

Vor allem mein „Kultur“begriff erweitert sich einmal mehr – weit über die Aspekte hinaus, die seit meiner Zeit beim Zoll hinzugekommen sind.

Wiederholt und sich vertiefend fasziniert (DIESES Wort würde wohl in einer Wortwolke zu meinen Texten ziemlich gross…) mich, wie schnell ich Grenzübertritte „erkenne“, ohne dass sie explizit angezeigt werden. Bunker beispielsweise gibt es nur (noch?) auf der tschechischen Seite. Biodiversität ist ein Erkennungsmerkmal der österreichischen Feldränder. Verkehrssicherheitsmerkmale – irgendwann mache ich eine Collage dazu – wiederum kennzeichnen 🇨🇿, während „Geschwätzigkeit“ (Reklamen, gestaltete Gärten, Hinweisschilder) typisch für 🇦🇹 ist und damit meine ich noch nicht einmal die direkten Begegnungen mit Menschen, bei denen dieser Aspekt sogar sehr markant ist. In Tschechien sind Blickkontakte, ein Gruss oder gar ein Wortwechsel, ausserhalb einer Dienstleistungssituation, die absolute Ausnahme – in Österreich ist gegrüsst und angesprochen werden die Regel. Sogar so ausgeprägt, dass ich manchmal um meine in LeNa geübte Fähigkeit froh bin, Kontakte freundlich kurz halten zu können.

Heute begegnen wir erstmals seit Nürnberg wieder vielen Velofahrer:innen; einzeln, in Gruppen, als Familien – routinierte und auch weniger geübte.

Noch haben wir aber meistens die Strassen ganz für uns alleine, so weit das Auge reicht.

Oh, da sieht von weitem etwas speziell aus. Ein See kann es gemäss Karte nicht sein, aber es scheint eine glatte, spiegelnde Oberfläche zu haben. Gewächshäuser? Passt irgend wie auch nicht. Und dahinter eine sehr grosse Fabrik. Ich mag solche situativen Rätsel, die zum Spekulieren anregen und sich beim Näherkommen allmählich lösen. Manchmal werden unsere Spekulationen bestätigt, manchmal ist es etwas ganz anderes.

Photovoltaik-Anlage und grosse Fabrik

In diesem Falle ist es eine grossflächige Photovoltaikanlage namens Agrar, mit einer Besonderheit. Die Fläche wird von rund 300 Schafen einer irisch-walisischen Rasse beweidet, die gemäss Beschreibung sehr unkompliziert zu halten sind.

Das Motto der Anlage, die zur Firma Jungbunzlauer gehört: Strom dort erzeugen, wo er gebraucht wird. Sympathisch, auf diese Art produziert sowieso. Es riecht angenehm auf dem Gelände und auch die firmeneigenen Fahrräder für den Werksverkehr hinterlassen bei uns einen guten Eindruck. Was uns dann später beim Recherchieren überrascht, weil wir vorher noch nichts von dieser Firma gehört haben, ist:

Bio-Tech-Unternehmen mit Sitz in Basel (!)
https://www.jungbunzlauer.com/de/

Gleich daneben hat es eine Biogasanlage, die allerdings weniger fein duftet…

Eigentlich längstens Zeit für eine Kaffeepause plus. In Laa haben wir nur Euros getankt und in Wildendürnbach, nach einem Blick auf das Angebot im Bäckerei-Kaffee, eine Cola – die heissen überall gleich – und einen kleinen Schwarzen getrunken.

Inzwischen ist die Gegend hügeliger und die Sonne kräftiger geworden, so dass wir uns quasi Schicht für Schicht entblättern.

Google Maps zeigt bei der Suche nach einem nächsten Kaffee einen Hotspot. In Sichtdistanz zeigt sich noch ganz anderes.

Mikulov – ohne Kaffe-, Pausen- und andere Gelüste hätten wir diese Schatzkiste auf der geplanten Strecke links liegen gelassen. So hat Komoot mal wieder eine „Streckenabweichung“ zu monieren. Und was für eine sehenswürdige! Alleine der Blick von unserem gemütlichen Kaffeeplatz aus, hat viel zu bieten.

Alle anderen Bilder stammen von fünf Minuten Fotoshooting in Fussdistanz.

Den ganzen Rummel schauen wir uns allerdings lieber aus unserem Alkoven-Plätzchen aus. Manchmal ist der Wechsel von ruhigen Fahrten durch weite und wenig besiedelte Landschaften in TouriRummelPlätze fast eine Art Kulturschock. Also weiter, ohne Besichtigungen.

Bis zu unserem heutigen Etappenziel – Břeclav- ist es nicht mehr weit. Abwechslungsreich und landschaftlich schön ist es hingegen sehr. Ziemlich viel befahren auch – und Liechtensteinisch geprägt.

Knapp 100 Kilometer mit zumindest ähnlichen weiteren Daten lautet die Tagesbilanz unserer technischer Begleiter. Das Tandem kommt hinter Gitter und wir – nach Flüssigkeitsausgleich in Form von Bier und Gurkenlimonade – unter die Dusche, um Schweiss- und Sonnencrème“duft“ zu vertreiben.

Noch die heftige Gewitterzelle abwarten, natürlich erst NACH unserer Ankunft, und dann vor Türschluss bei der TouriInfo vorbeischauen – mit anregender Ausbeute, sogar teilweise in Deutsch, was trotz Grenznähe eher selten ist.

Und dann vor allem ESSEN, weil ich nicht nur unterzuckert, sondern entsprechend ungeniessbar – schliesslich stehe ich auch nicht auf dem Menuplan… – weil „hangry“ bin. Gebrauchsanweisung: Nicht ansprechen, umsichtig ins nächste Restaurant mit vegetarischem Angebot lotsen und füttern. Mission gelungen!

Da mag ich anschliessend sogar – wieder ganz friedlich – die TouriInfo sichten und einen ersten Stadtbummel machen.

Hier noch ein paar erste Eindrücke. Mehr könnt ihr selber recherchieren oder morgen wieder reinschauen 🙋🏻‍♀️.

Jetzt geht‘s retour, so lange die Regenpelerinen nur als Alibi dabei sind, damit dort oben niemand das Gefühl hat, wir wären nicht vorbereitet 🤭.

3. August 2025 – Viele alte Steine

Břeclav liegt im sogenannten Lednicko-Valticky Areal, wo es von alten historischen Gebäuden quasi nur so wimmelt.

Wir haben zwei Runden gedreht, eine Morgenrunde vor dem Frühstück und eine weitere am Nachmittag. Beide ausgerichtet am Regenradar, was sich gelohnt hat und – wie so oft – auch funktioniert.

Wir wohnen in Sichtdistanz zum Schloss, weshalb dieses auch gleich nach der Losfahrt Nr. 1 in unserer heutigen Sammlung alter Steine ist. Eigentlich wollten wir vor allem etwas Bewegung, um den Apétit anzuregen. Ohne mitzubekommen, was diese Gegend geprägt hat, lässt sich hier allerdings kaum ein Kilometer fahren, trotz grossflächiger Wälder. Dieser ist übrigens auch hier, wie so oft in Tschechien ein Naturschutzpark ist.

Das Lednice-Valtice Areal hier in Südmähren ist eine der größten künstlich gestalteten Landschaften Europas und gehört seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. Es wurde über Jahrhunderte von der Adelsfamilie Liechtenstein geprägt und umfasst zahlreiche beeindruckende Bauwerke und Parkanlagen. Diese opulente und weitläufige Pracht und das kleine Ländli Liechtenstein sind in der Vorstellung kaum in Verbindung zu bringen und sind doch historisch eng verbunden

Die Geschichte der Fürstenfamilie Liechtenstein ist Teil der Geschichte dieses Areals. Areal klingt nach weit weniger, als es ist. Die Fläche dieses Areals ist mit ca. 283 km² deutlich grösser als die Fläche des heutigen Klein(st)staates Liechtensstein mit 160 km². Dort leben heute rund 40‘000 Einwohner:innen, während es auf dem Lednice-Valtice-Areal nur ein Bruchteil davon sein dürften.

Nach dem zweiten Weltkrieg ist das gesamte Eigentum der Fürstenfamilie von Liechtenstein auf dem hiesigen Areal enteignet worden, wie wohl gleichzeitig auch andere Besitztümer konfisziert worden sind. Na ja, verarmt ist die Fürstenfamilie – im Gegensatz zu vielen anderen Adelsfamilien – dadurch nicht.

Heute noch privater (Haupt-)Wohnsitz der Fürstenfamilie ist Schloss Vaduz; Schloss Gutenberg, das zweite Schloss in Liechtenstein, gehört dem Staat Liechtenstein. Ein weiteres, auch heute noch von der Familie bewohntes Schloss ist Schloss Wilfersdort in Niederösterreich. Dieses ist – im Gegensatz zu Schloss Vaduz – auch teilweise öffentlich zugänglich. Doch genug des Ausflugs in die Familiengeschichte der Liechtensteiner.

Die Luft ist kühl und vom Regen gereinigt frisch. Dass in dieser Gegend viel Euro-Geld investiert wird, sieht man auch an den perfekt gestalteten Velowegen und dem aktuell laufenden Ausbau.

Wir fahren auf vielen wie mit dem Lineal gezogenen Strassen. Die Gegend ist ziemlich flach, weshalb ein überraschend tiefer Turm genügt, um sich einen Eindruck über die Umgebung zu verschaffen. Ok, die historischen Gebäude selber sind teilweise ziemlich hoch, so dass sie auch über den Wald hinweg zu sehen sind.

Vielleicht drehen wir am Nachmittag nochmals eine Runde und schauen uns den einen oder anderen Bau von nahem an. Doch jetzt geht’s weiter Richtung Lednice durch eine wohl erst kürzlich angelegte Apfelbäumchen-Allee.

Weit kommen wir allerdings nicht, bis wir von einer Flötenspielerin und ihrem Konzertort aufgehalten werden. Schade, dass heute Abend hier nichts gespielt wird.

Und wieder kommen wir nicht weit. Was seht ihr hier?

Ein Stück weiter fahren wir lange einem Park entlang und erhaschen da und dort einen Blick auf ein Schloss und aufwändig gestaltete Gartenanlagen. Mit rein- und durchfahren ist leider nichts.

Wir wollen zurück sein, so lange es noch Frühstück gibt. Vielleicht kommen wir am Nachmittag nochmal mit mehr Zeit zurück.

Hoppla! Da müssen wir halten, damit ich ein Bild machen kann. Ziemlich schräg, diese Truthahn-Gedenk-Prozession!

Gar nicht so einfach hier vorwärts zu kommen, was weder an den Strassen noch am Verkehr liegt. Vielleicht hilft ein Blick in den Himmel.

Wenn ich in die Landschaft und auf den GPS schaue, dann hat‘s da – zum Glück gerade nicht von oben 😉 – ziemlich viel Wasser. Die Dyje (Thaya) bildet, wo sie nicht eingebettet worden ist, wildromantische Flusslandschaften, was ganz gezielt als gestaltendes Element eingesetzt worden ist.

Viel dem Zufall überlassen haben die Liechtensteiner bei der Inszenierung dieser Gegend nicht. Und dabei auch launige Fantasien umsetzen lassen, à propos inszeniert. Lest am besten selber nach, was sich beispielsweise Hans für die Hansenburg (Janohrad) hat einfallen lassen…

In einem fremdsprachigen Land wird der Vorteil von sprechenden Signalisationen sehr intuitiv. Manchmal verlassen wir uns auch darauf, tschechisch nicht zu verstehen, was – im Zweifelsfall – hoffentlich zu unseren Gunsten ausgelegt wird…

Der Regen der letzten Nacht oder wohl eher der letzten Wochen hat Spuren hinterlassen.

Was bei den vielen gut ausgebauten Radwegen hier keine grosse Rolle spielt.

Uff, wenn ich öfters so lange brauche, um knapp 20 km und anderthalb Stunden unterwegs zu „verarbeiten“, kann ich das alles am Schluss als dicken Schmöker ausdrucken und binden lassen… Bin gespannt, wie sich das aus zeitlicher und räumlicher Distanz für mich lesen wird. Beim Dokumentieren erlebe ich alles nochmals intensiv und erinnere mich auch an Eindrücke und Sachen, die ich unterwegs gar nicht so bewusst wahrgenommen habe.

Wir sind rechtzeitig zum Frühstück zurück und das Tandem bekommt einen Sonnenplatz.

Obwohl oder wohl eher weil der Nachmittag noch viel mehr Eindrücke mit sich bringt, lasse ich da vor allem Bilder sprechen; draussen warten – ich schreibe diese Zeilen in Brno – noch viele Entdeckungen und Eindrücke auf uns.

Während Heinz die Route für den Nachmittag zusammenstellt und sich zu Fuss die Synagoge von Břeclav anschauen geht,

mit interessanter Ausstellung zur Geschichte der Jüd:innen in Břeclav

schwelge ich in „alten“ Erinnerungen. Und freue mich über Kommentare von „Mitreisenden“ aus der Schweiz, wo das Wetter auch sehr aprilhaft zu sein scheint.

Inzwischen ist es halb vier; bis 18 Uhr sollte es gemäss Wetterradar ein regenfreies Fenster geben. Regensachen einpacken lohnt sich dieser Tage immer – Werkzeug auch; beides vor allem, um es nicht zu brauchen.

Erster Halt ist noch in Břeclav, die katholische Kirche, die durch ihre markante Form auffällt und sich durch ihre rote Farbe von den liechtensteinischen weissen Gebäuden unterscheidet.

Die moderne neue Kirche konnten wir am Samstagabend auch betreten, weil gerade ein Gottesdienst gewesen ist und die Türen dafür einladend weit offen standen. Er war gut besucht, auch von einigen jungen Menschen – unter anderem einem Pärchen mit Treckingrucksäcken, in Outdoor-Outfit und mit Hund; möglicherweise pilgernd.

Die ersten paar Kilometer haben wir die schnurgerade Hauptstrasse genommen. Danach dann direkt durch den Naturpark, auf Naturstrassen.

Voilà, da ist es schon. Die Kombination von Natur, gestalteter Landschaft und Prachtsbauten macht dieses „Areal“ einzigartig.

Heute begegnen wir vielen Velofahrer:innen und später auch Schlossbesucher:innen, was für einen Sonntag bei schönem Wetter kaum erstaunlich, aber für uns inzwischen bemerkenswert, weil ungewohnt ist.

Die nächste Fotostrecke zeigt ausschliesslich Bilder von Schloss Lednice – eine unbeschreibliche Anlage.

Wir haben – wohlweislich – das Tandem gleich mitgenommen. Stossenderweise, was wortwörtlich zu verstehen ist, denn das ist tatsächlich erlaubt. Wir sind dann durch eine der vielen Seitenausgänge raus, die nachts wohl alle abgeschlossen werden und überflutet von dieser Grandiosität, zurück Richtung Břeclav geradelt. Und das nachdem wir nur einen Bruchteil der Schlossanlage gesehen haben, von vielen anderen Bauten im „Areal“ ganz zu schweigen. Da wären noch

  • Schloss Valtice (Zámek Valtice)
  • Minarett von Lednice (Minaret Lednice)
  • Janův Hrad / Hansenburg – dem seid ihr schon begegnet
  • Jagdschlösschen Rendezvous (Lovecký zámeček Rendezvous / Dianin chrám) – diesem ebenfalls
  • Tempel des Apollo (Chrám Apollóna)
  • Grenzschlösschen (Hraniční zámeček)
  • Belvedere (Belvedér)
  • Kolonnade Reistna (Kolonáda na Reistně)
  • Obelisk (Obelisk)
  • Neuer Hof (Nový dvůr)
  • Hubertuskapelle (Kaple sv. Huberta)
  • Diana-Tempel (Dianin chrám)
  • Drei Grazien (Tři Grácie)
  • Tempel der Freundschaft (Chrám přátelství)

Für mich war nach diesem manifestierten Grössenwahn die Fahrt auf einer Überlandstrasse mit Blick auf Natur und einzelne Verkehrsschilder sehr willkommen und erholsam.

Uups! Stimmt. Da war doch was mit einem regenfreien Fenster… Ob wir auch dieses Mal Glück haben?

Dann doch noch einen Abstecher ins Schloss Valtice, wo ich mit einer dieser feinen Limonaden, die es hier gibt, draussen bleibe und mich erhole. Heinz hat da mehr Kapazitäten, so dass noch ein Schloss mit ein paar bescheidenen Zimmern 🤭 und eine Kirche drin liegen.

Die beiden folgenden Fotos hat er mir grosszügigerweise ohne Copyright zur Publikation überlassen.

Wer mehr zu dieser unglaublichen Kultur-Landschaft wissen will, empfehlen wir einen Besuch mit VIEL Zeit oder – etwas weniger aufwändig – einen Blick in Wikipedia 😉.

Wie ihr sehen könnt – für einmal sind sich unsere beiden technischen Dokumentatoren überraschend einig – war auch die Nachmittagstour kilometermässig überschaubar. Dafür haben wir uns etwas mehr Zeit gelassen.

Mein Magen macht sich lautstark bemerkbar und wird noch eine ganze Weile warten müssen, weil Sonntag und vegetarisch gar nicht so einfach ist. Doch auch hier: Ende gut, alles gut.

Von den ebenfalls sehr feinen Samosas zur Vorspeise konnte ich – hungerbedingt – kein Foto machen. Prioritäten setzen ist wichtig!

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